Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1911-12-01 · Heft 3 (1.12.1911) · p. Seite 42

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 3 (1.12.1911)
Date
1911-12-01
Page
Seite 42 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2268830-2268846-2268850--0294-2269496
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

endlich die Pflege der Heimatliebe und die Durchsetzung der „Einbürgerung" der.Einzelpersönlichkeit. So werden wir die uns an vertranten Seelen zu „gcntlcmen“ machen. Dabei herrscht, weil die Person und nicht irgend eine Partei oder ein sachliches, sondern nur ein auf die Menschen gerichtetes Ziel das Maßgebende ist, im Einzelnen Freiheit. — Cb einer politisch oder religiös rechts oder links steht, ob er das Judentum als Religion, als Stanun. als KuUurfaktor mehr schätzt und entwickelt sehen möchte, ist gleichgültig. Die H e b u n g der Person zu unserin programmatischen Endziel ist die wesentliche Eigenschaft unsers Verbandes. — Darum stellen wir nicht den an de Spitze, der der Kenntnisreichste ist, sondern den- Wenigen, der der Einflußreichste auf die Menschheit s g e st a l t n n g sein kann. — So werden wir schon an sich Bekämpfer der Judengegner, die von Lüge und Vorurteilen leben, weil wir innerlich frei werden, ohne die angeborenen, Charakter und Gemüt erhebenden, inneren Bindungen zu verlieren. — * * * Ist der K. E.-Gedanke segenbringend und mit Rücksicht auf die Lage der Jrlden notwendig und erforderlich, so ist die Aufgabe gegeben, ihn bei seinen A n h ä n g e r n zu vertiefen, bei A u ß e n - stehenden zu verbreiten und ihm neue Anhänger zu werben, endlich ihn mit Rücksicht aut die Erfordernisse der Zeit auszubauen.— Vertiefung im Innern, Verbreitung nach Außen und ständiges Arbeiten an der Vervollkommnung der zur Erreichung des Ideals hinzielenden praktischen Maßnahmen ist darum Ziel jedes Einzelnen, Ziel jeder Verbindung und endlich Ziel des geschästssührenden Ausschusses. Die Häufung der Instanzen bedeutet hier keine Erschwerung des Rechtsweges. Denn was der Einzelne kann, das wild er zum Gemeingut seines Kreises machen, was die einzelne Verbindung erlebt, wird sie in ihren Reihen durchsetzen, und der gcschäftsführende Ausschuß wird das große Gefäß fein, in welches alle cinzelnerl Tropfen rollen, um für den Dienst des Ganzen nutzbar gemacht zu werden. — Die Sammlung der einzelnen K. E.-Angehörigen in den verschiedenen Städten ist nicht immer ausreichend Es fehlt vielfach die Anregung, sich zusammenzufinden, vielfach stehen gesellschaftliche Gründe dein notwendigen Zusammenschluß entgegen. Dadurch leidet nicht nur das Gemeinsamkeitsgcfühl, sondern auch die Propaganda für den K. E. Die Freuden und Leiden der Semesterberichte in unserm Verbände sind schließlich immer dieselben. Säumige Ratenzahler und schlechte auswärtige Vertreter,' die nichts gewinnen, was für die Verbindung gewinnenswcrt wäre, füllen den Klageteil. Gegen die säumigen Zahler kann nur eine größere Vorsicht im .Kreditgeben, eine Anspannung der verhandenen Tisziplinar-Moglichkeilen helfen. Die schlechten Vertreter aber können wirksam nur von einer Zentrale aus angefeuert werden. — In H . .stadt kann man vielleicht durch einen schönen Kommers werben und unsere Ideen verbreiten. Die drei vorhandenen Kartellbrüder sind aber zurVeranstattung zu schwach. Nicht alle sind Führer, wir haben sehr, sehr viele Soldaten. Der Ausschuß wird dafür sorgen, daß aus ''Rachbarstädten ein Führer kommt. Er wird auch für Drucksachen zm Aufklärung der Gäste sorgen. Er wird für alle kleinen und großen Fragen zu haben sein tnüssen. die die Gemüter bewegen Unb er iDiii durch ein System von Vertrauensmännern an allen denjenigen Orten, wo nicht seine Mitglieder sitzen, ständige Berichte und andauernden Rat sichern. Dadurch fördert und übersieht er die Propage n?a. stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl und begeistert die Alten. Denn unsere Alten Herrenvecbände sind — ich sage das auf die Gefahr hur, oon deren Leitern für einen Heroftrat gehalten zu werden — meist autokratisch verwaltete Zwangslassen. Sie können auch ans mancherlei mir bckannten Gründen vielleicht nicht so gut arbeiten, wie sie wolleM' Jedenfalls erfüllen sie den K. E.er in der Diaspora nicht mit dem erforder >chen Weihegesüht und dem notwendigen Jnreime an der Sache. Denn die Zugehörigkeit zu unierm Verbände dors niemals auch für den Aeltesien nur eine Erinnerung an die Fugend sein. - Denn Erinnerung verblaßt und Jugend verblüb.t. Der K. E.-Gedanke ist ein rV du . Ihn für unsere Alten zu beleben, ist eine immer neue Aufgabe des Verbandes. Durch Zusammenschluß der Jungen mrd der Alten wird aber au.in schon ein gut Teil dieses Endzieles erreicht. So wird schon die Zusammenfassung der vorhaitt enen Kräfte durch das Vertrauensmännersystem zu einer Verbreitung. Vertiefung und zu dem gewünschten Ausbau führen. - * * Wir schürfen tiefer. — Es wird in weiten Kreisen eine gewisse geistige Blutarmut im K. E. empfunden. Die wichtigsten Zeitprobleme, insbesondere auf dem Gebiele des jüdischen Lebens, werden von der Masse un'ä'.er Anhänger nicht genügend gekannt und daher vielfach irrig beurteilt. Denn es ist klar, daß man den K. E.-Gedau!eu nicht erfaßt, wenn man unsere Organisation als einen auf akademische Verhältnisse zugeschnittenen Abivehrverein ansieht. — Je mehr der äußere Druck, je mehr die.mannfeste Iudenseindschaft in den Reihen der Studenten abnimmt, desto mehr muß eine Organisation innerlich verflachen, die nur

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.