Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1911-11-01 · Heft 2 (1.11.1911) · p. Seite 34

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 2 (1.11.1911)
Date
1911-11-01
Page
Seite 34 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2268830-2268846-2268849--0285-2269486
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

34 liche Kraft zntrante. Und auf der andern Seite - imi&tcit mir :tn$ voll Scham eingestehen, daß es jüdische Studenten kaum gab, d. h. Studenten, die frei und offen und stolz ihr Judentum bekannten und bereit waren, jeden, der es beschimpfte, vor die Klinge zu fordern. Vielmehr war ein Tnpns der jüdische Student, der glücklich darüber war. wenn er unerkannt blieb und sich in eilten abnungHlosenchristlichenKreis hatte einschnulggeln können. Die Charaktervollen aber nnueif in ihrer Isoliertheit nicht im Stande, das Judentum in der Studentenschaft weithin wirkend zu vertreten. Da fiel das erlösende Wort: Nun wohl, so gründen wir eine jirdische Verbindung, die sich ausdrücklich als solche bezeichnet und, als Antwort ans deri Ausschluß des Inden, nur Indem arrfnirrrurt. die sich zur Aufgabe stellt, alle männlicherr und vaterländischen Gesinnungen zu pflegen, dem jüdischen Kommilitonen seine Selbstachtung wiederzrrgeben. ihn durch die harnionische Ausbildung aller feiner Kräfte zrrm Dl a n n e zu erziehen liub den jüdischen Namen rmch außen zu Ehren zrr bringen. Das rvar die Gebnrtsstunde des K. E. Mit Begeisterung rvnrde der Gedarrte aufgenomnren. Da die Jenen vor der Tür standen, so rvnrde ein engerer Ausschuß beauftragt, irrzwischerr die schwierigen Vorbereitungen zrr treffen, danrit wir rrns sofort bei Beginn des Wintersemesters anftnen könnten. Schwierig rvarerr die Vorbereitrrngen deswegen weil' wir viel Größeres irr: Sinne hatten als eine bloße Verirrehrung der studentischen Verbindungen um eine neue. Der verachtete rrrrd sich selbst nicht achterrde oder kteinnüitige jüdische Student war rrns nur ein Vertreter und Syrnbol der deutschen Jndenheit. Von ihm als dem künftiger: Führer sollte eine allgemeine Erneuerung ausgeheu. Deshalb sollte unsere Gründung in der Gesamtheit wrrrzeln, von ihrem Vertrauen, ihrer Hoffnung rrrrd moralischen Unterstützung wollten rvir getragen sein. Darum sollten erst die angesehensten Mariner der Breslauer Gemeinde dafiir gewonrren werden. Zu diesem Zweck war eine „Denkschrift" ausgearbeitet worden. Vvrr den vorgelegten Entwürfen erhielt der von Muskat „ein Wort arr nrrsere Glaubensgenossen" die begeisterte einmütige Zustinrnrurrg. In dieses Urteil stimme ich arrch heute noch durchaus ein. Es war eine ausgezeichnete Leistung dieses feinen Kopfes und bleibt eine klassische Darstellung dessen, rvas rvir wollten. Die Hoffnung auf einer: unmittelbaren Erfolg erwies sich allerdings als eine jugendliche Schwärmerei. Eirrzelne mutige Männer begrüßten unsere Absicht mit Frerrde und selbst Begeisterung, nranche mit Wohlwollen, die Mehrzahl rvar entsetzt. Wir würde;: cs nur noch schlimmer machen, das beste sei, sich ganz still zrr verhalten, sich nichts merken zu lassen, „sich" nicht ab,-,nschließen — und dergleichen mehr. Die Enttäuschrrug war bitter. Aber wir ließen uns nicht a'oschrecken. Frühzeitig kehrten die "Auswärtiger: ans bei: Herren zurück und wenn mich die Erinnerung rricht trügt, setzten wir derr 5. Oktober als der: Gründungstag fest. Die offiziellen Gründer waren ll (v) Älann. fast alle ans jener Tafelrunde in: Artilus: Krüger, die beiden Brüder Ehrenfried, Mo -en, Friedewald. Peritz, Muskat, Klempner — von andern, die sich hochverdient Machten, weiß it1j nicht mehr aus e:r:ar:derztthalten, ob sie Gründer vder bald darauf eintretenbe NUtglieder würben. Sie mögen verzeihe;:, werrr: ihre dünner: hier nicht genannt finb. Fast jeder vor; ihnen war ein eigenartiger Charakter, aber alle gleichermaßen dnrchglüht von der großen Idee, der Verbindnng Nlld der: Frenr:den ergeben mit Xfeib und Seele. Dieser Idealismus, die Fähigkeit und Freudigkeit, für eine Sache zu leben und zu kämpfen, die feinen „Vorteil" bringt, war vielleicht das Wertvollste, rvas nun: ir:s Leben mir hinausnahm, Noch einen will ich nicht ver gessen, obgleich er weger: seiner schwacher: Gesundheit nur Konkneipant rverden konnte: Freund Koslowskr), mein Stnbennachh-rr und gegenüber all den Juristen und Medizinern als Historiker irr: Stndinrn widerstehend. Wessen jngettdllche Freundschaft fähig ist. das hat sein Ende gezeigt ::r:d rr:ag hier als eine Episode eingeschaltet werden: K. war hochgradig sctiwindsüchtig und es rvar ein Jamnrer, der; hoc!)begabten Jüngling hinwelken zu sehen. Zuletzt durfte er das Bett nicht mehr verlassen rrrrd sein Ende schien nahe bevorzustehen. Da rvnrde die ganze Welt durch die erster: Mitteilnngen von Kochs Erst,:- dur:g des Tnberkntir: m Vli'.frcg:u:g versetzt. "Aber noch war das Mittel zri allgemeiner Anwendung nicht reif. "Nur auf einer Berlir:er Versuchsstation sollte es vorerst in Gebrauch genommen rverder:. Es rvar -regen Aberrd, als wir durch die Zeitungen davor: .Kunde erhielte:: und sofort stand unser Entschluß fest, unfern: fast schon sterbender: Freund dort einen Platz zu verschaffen, koste es was es wollte. Es wurde eine fieberhafte Tätigkeit entfaltet, alle Beziehnrigen ausgeuiitzt, wir vei-chafsten uns die drirrgende Empfehtuug Ferdir-aud Cohn's, des Lehrers von Koch, cs wurde hin- und hertelegraphiert und was Taufenden nicht gelang. Halter: nur erreicht: um zwei llhr Nachts stand der Krankenwagen vor unseren: Hause, der ur:serr: Freund zur Bahn bringen sollte. Aber nun folgte fast das Schwerste. Von alledem hatte weder K. noch sein alter Vater, ein würdiger

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.