KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1911-1912
- Issue
- Heft 2 (1.11.1911)
- Date
- 1911-11-01
- Page
- Seite 33 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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83 Dann kam noch eine humoristische Rede. irr. Loewisohn (Thunngiae), in dessen bewährten Händen der vergnügliche Teil des Festes lag. hielt die Damenrede, eure Rede, wie wir sie besser kaum je gehört haben. Sie wimmelte von famosen Witzen, feinen Wortspielen, trefflichen Einfällen, so daß Satz für Satz eine wahre Lachsalve unter den Zuhörern anslöste. Bei dieser Stimmung der Korona war es leider unmöglich, auch diese Rede stenographisch festzulegen.*) Die Liebenswürdigkeit des Redners ermöglicht es jedoch, in der nächsten Nummer dieser Blätter die Rede nachzubringen. Tann sollte ein Semesterreiben stattfinden. Da gab es ein kleines Intermezzo.'Irrtümlich war auf der Gallerie bekannt gemacht worden, die Damen sollten in denSaa! henlnlerkommmen. Das ließ mau sich natürlich da oben nicht zwei Mal sagen, und es ftrömte ein Flor schöner Frauen und Mägdlein in die Reihen der Männer. Vergeblich suchte der Präside den Strom zu hemmen. Seine Stimme, die schondurchdieAnstrenguttgendesganzenAbends stark mitgenommen ivar, drang jedoch nicht mehr drlrch. Rur ein von wenigen Nmsitzenden gehörter Ausruf seines Unwillens entsprang dem Gehege seiner Zähne. Da, noch zur rechten Zeit, sprang der Viadriue Dir. Eurt Friedmann in die Bresche Mit Steutorstintme — höflich, aber entschieden — forderte er das schöne Geschlecht zur Rückkehr in die oberen Gerllächer auf, und in wenigen Minuten herrschte rvieder erne bewundernswerte Disziplin im Saale. So konnte das Semesterreiben unter größtem Silerrtium vonstatten gehen. Aland) schöner Toast wurde gezeitigt: mau trank auf den K. (5.. auf die Biadrinen. auf die Freundschaft unter den K. E.ern, auf den Vorsitzenden des neu gebildeten Ausschusses Df. Holländer, man trank auf unfern verdienten, leider abwesenden Dr. Mainzer, und auch des Kneippräsiden wurde gedacht, unter dessen ruhiger mrd würdiger Leitung der Konrmers einen so glanzvollen Verlauf nehmen konnte. Besondere Heiterkeit erregte es, als ein witziges 25. Semester anläßlich dieses seines Jubiläums sich selbst zutrank. Nachdem das 75. Semester das Semesterreiben beschlossen hatte, begann die Fidulität mit einer Biermimik: „Der geheimnisvolle Raub im Louvre", an der sich eine Anzahl Thüringen mit viel Geschlnack und guten Leistungen betätigte. Dichter der Mimik, die 'großen Beifall erregte, war natürlich — Dr. Loewisohn. Es war schon spät, als wir den Heimmarsch anirat.. und allgenlein war die Befriedigung darüber, daß der Festkommas sich zu einer so imposantell Kundgebung des K. C.-Gedankens gestaltet hatte. Dr. Alfred Alsberg. *) Um das ©tenoßrauim der übrigen Reden machte sich der Fux Alfred Glaser (Thnringiae) verdient. Denkst du daran, mein tapfrer Diadrine? Von B. Jacob 'Viadrinae'-Dortmund. „Denkst du daran, meiti tapfrer Viadriue?" — So ungefähr begann ein — schwerlich zum Schaden der deutschen Literatur — rer toten gegangenes schwungvolles Gedicht, das ich am Ende des erstell Viadrinenjahres unserm jultgen Bunde widmete llud in dent ein Rückblick auf die heißen Kämpfe des Anfangs aber auch auf die seligen Stiutdeil einer durch eine große Idee ititb eine gerechte Sache geadelteir Freundschaft gervorfen wurde. Hub jetzt nach fünfundzwanzig Jahren werden nur Altert mm den Toten und Lebeildeu itod) viel bedeutungsvoller gefragt i „Denkst-du daraus" Ich habe es lebhaft bedauert, das; ich der Aufforderung llicht entsprechen konnte, eine Geschichte der Gründung mtstaer alten Viadrina, die jetzt eilt Jubelfest der Erinnerung feiern darf, zu schreiben. Selbst w.nu ich die dazu nötigen nrklllidlichell Unterlagn zilr Hand hätte, so ist man dazrl kanrn der geeignete Mann, wenn nlan unter der Last mm allen möglichen Vernssgeschästen anch noch läglich seufzt beim Unterricht und schilt die sünd'ge Seele arrs. So lllögell deml diese allsprnchstosell Zeilen per sölllicher Erinnerung wenigstens zeigen. daß anch ich „noch daran denke". Gegenüber den mancherlei Dummheiten. die ich je mrd je in nrelnern Leben gemacht Hab', wird es mir immer eine der frohesten Erinne rnngen sein, daß ich mich mwt imr als bcu ältesten lebenden K. E.er. sondecit als delljeliigerc betrachten darf, der gemeinschaftlich mit bau leider and) schon dahingegangenen Julius Krüger (alias Ship) den eigentlichen Anstoß zur Gründnng der Viadrina gegeben!>at. Denn wir haben uns frühzeitig dahin geeinigt, den Ruhm der Priorität mit einander zu teilen. Es war mi einem heißen Tage des ausgehenden Sommersemesters INNO, als wir, ein Kreis befreun deter meist schon älterer jüdischer Studenten, beim Frühschoppen im ^lrtikns, einem beliebten Biergarteil de» Breslauer Promenade, in leideuschasr iidier Debatte ivieder einmal die ]‘d)impfltd)e Lage des jüdischen Studenten erwogen, eine Lage, die die heutige (^eneratiou fid) kaum noch vorzustellen vermag. Es ivar die Zeit der Hochflut des Antisemitismus an ben Universitäten in Theorie und Praxis. 'Alle «Gehässigkeit und Verad)tnng, die je in das Wort „Jude" gelegt lvorden ist, glaubten wir dem jüdischen SUrdenten elltgegelltreten zlt sehen. Vlm tiefstem aber enlpörte uns, daß mau uns die Zugehörigkeit zum deutschen Volk und Vaterland absprach ulld ults weder persönlichen Vlnt noch münn