KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1911-1912
- Issue
- Heft 2 (1.11.1911)
- Date
- 1911-11-01
- Page
- Seite 29 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2268830-2268846-2268849--0280-2269481- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
29 »vrcilu'l), noch ist Cvitcv Werk nicht vollendet. 9lorl) ist in dein allgemeinen Wiedererioachen indischer Selbstachtung lediglich ein Schritt vorwärts gemocht, ist die groste Arbeit mühevoller Selbstwehr noch ansteil und strenger Selbsterziehung im mnern noch wie vor dringende Forderung des Tages. Fm vermehrten Moste ist eS unsere Aufgabe, in der Schule unserer Verbindung aufrechte, charakterfeste Männer, Persänlichteitea zu schaffen, die sich ibrer Vergangenheit nicht schämen, vielmehr sich ihrer mit 3tul,\ bewnstt sind, die znm Kamps um unser Riecht mit allen geistigen und körperlichen Mitteln ausgerüstet sind und die sich vor allem gegenüber den böswilligen Vorurteilen unserer Gegner der besonderen Verantwortlichkeit bewnstt sind, durch unbeirrtes Festhalten an der Trene unserer Väter zum Vaterland, durch makelloses Verhalten, durch Ablegen so mancher schlechten Eenwlin heilen dem (Gegner jede nur mögliche Waffe ans der Hand \n winden. Fwar die alte Viadrina als slndeutifche Verbindung ist nicht mehr. Die studentische Waffe ist Euch Viadrinen in tapferm, aber ungleichem Kampfe feige aus der Faust entrissen worden. Doch Fhr wistt. und Fhr selbst habt es ja auch in Ontmii stolzen ..Drostlied" ausgesprochen, dast Fhr deshalb keinen E>rn»d habt, die.Köpfe hängen zu lassen. Eure Steile ist nicht leer geblieben. Funge Vlaunschast hat sich um das alte Banner geschart und ist gewillt. Eurer Sache treu nach alter Art zu dienen. Meine l. D huringia ist es. die Eure ruhmvollen Waffen wieder ausgenommen hat. um Cäireii .Kampf im alten leiste fortzuführen. Vlehr als kartellbriiderliche Gefühle verbindeil »ns. Es ist gleichsam der Sohn, der sieh heute dem im ruhmvollen Kamps ergrauten, ehrwürdigen Vater naht, mit ihm zum Ehre nie sie Saul und Colürkwunsch auszusprecheu. Der Sohn tommt nicht mit leeren Händen. -Zeh i Fall re ernsten Schaffens an dem von Euch begonnenen Wert sichern ihm die väterliche Zufriedenheit. Die schönste Ehrung glauben wir Euch aber dadurch zu beweisen, das; wir grade in diesen Dagen unsres gemeinsamen Festes das ehrwürdige Merkmal Eures Bundes, die violette Mütze, hervorgeholt haben. Für uns soll von nun an die violette Mütze, getragen von den Farben schwarz-blau-rot. das Feilsten sein unter dem in junger Lhuringenschar der alte Viadrinengeist walten soll. Ein Salamander auf die alten Viadrinen und das Vnndeslied der Viadrina folgten der mit grostem Beifall aufgenommenen Rede. Dann kam die grobzügig angelegte Festrede des Dr. Alfred Goldschundt-Königshütte, eines Mitgründers der Viadrina. Er sagte, oft durch lebhafte Zustimmung und, lauten Beifall unterbrochen, folgendes: Fünfundzwanzig Fahre hochbedeutsamer jüdischer Zeitgeschichte schliesten wir für unser Empfinden mit dem bentigen Abend ab. Diesem 'Zeitraum die Vichtniig gewiesen zu haben — das wird das historische unvergängliche Verdienst der am V!. Oktober l-SSii tu Breslau gegründeten freien Verbindung Viadrina bleiben. - Vielleicht dürfen wir. die wir die Mittagshöhe des Gebens bereits überschritten haben, heute ohne Ruhmredigkeit sagen, dast Viadrina u i ch t bla fr s ü r n n S selb st Erhebung aus tiefster seelischer Bedrückung bedeutete, ja das; von ihr ausgehend der gesamten deutschen Fndeuheit Aufrichtung gegen eine fluchwürdige Bewegung zur Tat lvnrde. Wir nennen es mit einem politischen Wort: die Organisation der indischen Studentenschaft, der jüdischen Bürgerschaft ggen den 'Jlutiü*mitioma : lassen wir in grast. >i .Zügen ans dahingegangeue und doch nachwirkender Feit Eriunernng in nur austauchen? Versetzen mir uns in die Feit der -^'er Fahre des vorigen Fainstnttderts. Die Kämpfe der antisemitischen Bewegung ivurden nicht blvst im Tumulte wüster ..Volksversammlungen", sondern mehr itoch in der studentischen Aren», diesem laut tönenden Aefvnanzboden aller politischen Bewegungen ausgefochten. Der Ausfchlust der jüdischen Studenten ans allen honorigen Verbindungen begann .- dank dem Wirten des Vereins deutscher Studenten. Alan suchte den jüdischen Studenten nicht nur für minderwertig Hinzusteilen, man suchte ihn auch ehrlos zu machen. Fn die Sprache des Studentischen übersetzt, heisst das: man verweigerte ihm -- ihm d. h. gene>eil allen und grundsätzlich die -satissaktion. An diesem Punkte musste die Abwehr mit Valnrnoli n-ndigkeit einsetzen, wltte nicht das Vo-3 des jüdii-h m Studenten Verzweiflung. Verbitterung. Vereins:n ing oder — Fahnenflucht sein. Die Anstvvrt der Viadrina aus die Fnsamie der C-regner ivar so einringlich. dast der Begriff Satisfaktion plötzlich zu einer unabweislichen s e h n - sucht der anderen Seite wurde. ..Nerno mc lmpune lurcssit!“ E n jüdischer Stndeutenoerein in einer ,Zeit, da jüni-cher Aanre. jüdische Ehre überall hernbgezerrt rnnide. das war eine Unge heuerlichkeit. und n.x!> dazu ein Verein, der nicht nur znm Studium jü nnher Wissenschaft, sondern zur Abwehr gegen eine übermächtig scheinende Mehr--, heit gegründet wur. Das nmr unerhört! Blau stutzte, die jüdische Bürgerschaft fand sich noch nicht zurecht, lind doch darr ich hier zwei Anmeri nicht unerwähnt lassen, wenn non Verständnis für untere Sache gesprochen wird: den des Historikers Pro'". Ernetz und den des Vnl-aners l)r. Foöl. - - Ans sich selbst ge-'.-gt — in nur geringen.- Umfang von der Bürgne.hast unterstützt - in.r'-te die Viadrina ihr Werl!> ginnen. Es galt den ge funkenen Sinn des jüdivven -Studenten zu neben, ihn mit selbstbewusttem stolze aus seine Abstammung zu erfüllen, ihm den Bli-.l zu weiten mittels Durchdringung nuferer mel.: mufendjährigen (Äefchichrc, die eine B e j ch ä m u u g nicht f ü r u n S, f o n - d e r n f n r im) e r e E-?,\ u o r ist. und frfj 11 e'':!:,n galt es, den jüdischen >enten wehrfähig zu machen zur Adwehr diirclj Pflege aller törperlinwu Uebnugen. nicht zuletzt >>er — Fechtknnst. ZtVir tonnten für ihre Abichopang damals ebem'owenig eintreten, wie Vlarolto oder Tripolis heute im Stande wäre, mit Erfolg für den Weltfrieden einzn treten. — Fwei Csedanteu aus unserer Denkschrift vom Fahre J.SM betitelt „Ein Wort an unsere Glaubens genossen" möchte ich hier wiedergeben, da sie mir von programmatischer Bcoeutuug erscheinen. ..Wir vertreten den E»rnndsatz ' - heilst es da -- „und iverden durch unser Verhalten den Beweis dafür liefern, dast wir Fuden und zugleich Deutsche im wahren Sinne des Wortes fein können." Ter andere h-edankr drückt die ahnende Empfindung ans, dast die (Gründung der Viadrina eine Wendung in der jüdischen Feitgefchichte zu bedeuten im Stande ist.. „Ja. es ist ein Unternehmen," — das sind die Worte — „das, wenn es gelingt, eine größere Bedeutung als die einer energischen Selbsthilfe haben wird." Und nun begannen Kampfe und Leiden, Fnsammenstöste und Siege. Wandlungen und Schicksale — ein wildes und doch straffes, tolles, leiden-