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KC-Blätter · 1911-11-01 · Heft 2 (1.11.1911) · p. Seite 28

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Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 2 (1.11.1911)
Date
1911-11-01
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
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28 wir unsere Wassert: neue Bundesgenossen wollen wir werben für den Kamps, der uns noch bevorsteht. In diesem Sinne. daN das t*veft itt (yciuueruiiii au eine glänzende '^criianflcnlictt und in •'ootfmuui au eiiie vielem Gute dringende Zutnnft von statten stehe, eröffne idi den sommers und trinke ans einen glanzenden. feuchtfröhlichen Verlauf das, was ich im Glase ha de. iFebhastes Bravo!) 1)r. Peritz übergab dann das Präsidium dem i. a. B. carnl. med. Friedrich Goldstücker (Thnrulgiae), der sich mil einer kurzen Begrüßungsansprache als Kneipleiter meldete. Sein erster Toast galt dem deutschen Kaiser, der durch einen feurigen Salamander gefeiert wurde. Den Neigen der großen Neben erüffnete namens des Altherrenverbandes Thnringia Referendar Krombach-Posen. Anschließend an die Jahrhundertfeier der Breslauer Universität führte der Redner etwa folgendes aus: Die hnnderl Jahre Geschichte, die in denAngnsttagen Gegerinand feierlicher Erinnerung waren. sie waren auch unsere Vergangenheit: stolz empfanden wir. das; an dem, was in dieser so ereignisreichen;U‘it Großes für unser deutsches Vaterland geschaffen worden ist. auch unsere Väter mit Gut und Blut mitgestritten lmden. Gerade dieses lebhafte ltzefnhl der inneren Teilnahme an dem großen Erinnernngssest der Universität deivies uns von neuem, das; wir deutsche Inden nicht fremde sind im deutschen Vaterland, das; angesehen von Kultur- und Rechtsgemeinfchaft die gemeinsame (beschichte es ist. die uns mit dem deutschen Vaterland untrennbar verbunden hat und uns ein Recht auf unsere Heimat verschafft hat, das uns niemand zu verkümmern berechtigt ist. Voll stolzer Genugtuung erinnerten wir uns an die ruhmreichen Befreiungskämpfe zu Beginn des gefeierten SäknlnmS, bei denen zahlreiche Inden in heldenhaftem Streben ihr lieben Hingaben, nm dem Vaterland die Grundlage zn geben, ans der altein die machtvolle (yntu)tcf(mii) des vergangenen Jahrhunderts möglich gervorden ist. Wir denken an jene weiteren Jahrzehnte, in denen nach Beseitigung der anstereil.Knechtschaft innere Mächte finsteren Rückschritts an ihrer verderblichen Arbeit waren, um Vaud und Vcitte in der freien Enttoittlunst zn feisetn und das Werden eines mächtigen, einigen deutschen Vaterlandes und freier am Wohl des 'Vaterlandes mitschaffender deutscher Bürger zn verhindern. Und nur erinnern uns, wie grade di'e dem scheu Studenten, voran die deutsche Burschenschaft und in ihren vordersten Reihen zahlreiche jüdische Studenten Schulter an Schulter mit ihren christlichen Kommilitonen den mutigen Kampf für Freiheit, Ehre. Vaterland ausgenommen und in langem ehrlichen Streiten ruhmreich dnrchgeführt haben. Die schönen Früchte. loelche die Gegenwart uns in den Schofr wirft. der ungeahnte loirtschaft liche Ailsßhionng unsres Vaterlandes, die großartige Renbelebnng von Wissenschaft und Kunst, sie sind nur ans Grund jener Kämpfe möglich geworden, an denen wir mit Stolz die opferwillige Teilnahme unserer Vorfahren feststellen können, llnd schließlich streiten auch in dem großen Kampf der ('»egenwart nm die Erhaltung und Vermehrung der wirtschaftlichen und geistigeil Machtstellung unseres Vaterlandes in den ersten Reihen deutsche Inden mit beut schönsten Erfolge zum Besten unseres Vaterlandes. Alle diese Erwägungen erfüllen uns in den festlichen Jnbilännistagen mit den; stolzen Gefühl. organisches Glied eines wuchtigen Vaterlandes zn fein, das wir deshalb mit -cht als das l?and nuferer Väter in Anspruch mimten. llnd doch fehlte es nicht an Tropfen der Wermut tu dem Becher der Freude» jener Tage. Wenn - wir daran denken, was nach der Erfüllung der in treuer Kameradschaft mit den wristlichen Kommilitonen erkämpften Ideale geloriuneu ist. wie der willkommene Mitstreiter von w stern nun plötzlich als angeblicher Fremdling zu; nckgeftoßen wurde, loie ihm das höchste, das üiViir auf fein Vaterland, verkümmert wurde, kurz ivenn wir die gegenwärtigen V>" stände an den (-»o'l-'.diilen mit der ver gongenen Feit gleicher und neier Burschen vergleichen, dann wird mto leide, zur ('»ew iß heit. daß die ehedem alle ihre Intiger mit gleichem iHcdit nttd gleichet» Wohlwollen messende alm.i matcr nns jüdischen Studenten zur ungerechten Stiefmutter gemordet; ist. die uns von gemeinsamer Arbeit und gemeinsamen Freuden arwschließt. llnd da wendet sich unser -verz nttd inner Tank von selbst jener,zweiten Mutter;u, die d-.imals vor S> Iahcen dem jüdischen Stttdenten ctstuwen ist. die den Gedemütigten anfriditete. iit Um nahes Selbsthewnßtleiit, neue Vnft zn ehrlilbeiit x freiten ertoeckte und ihn ans der dunklen Eike st-ller, sich duckender Fnrnckgezogenhett zurinksührtt in das lebensfreudige Treiben froher ^tndetttenzeit. Tie alte Viadrina. die vor St Jahren, aut iM Cüober 188»> hier tu Breslan gegründet wurde. and die tut ihr in unermüdlichem, opferfrettdig-w Wirken vertretene Idee des selbstbewußte» Memme* mit '.stecht und Ehre, sie war es, die an -n-Ue der lieblosen alma rnater trat. Sie war es. Mf den unter der ^ast der rauhen Wirklichkeit kleinmütig verzagenden jungen jüdischen Studenten »nt neuem Mut und mit neuen lebensfrohen Idenlw erfüllte, durch die er. Ehre und Selbstachtung u-ttettb, mit aufrechtem Rückgrat und offener Stirn ß.h den Weg zurück erobern soll in die gleichberechtigten Reihen dem scher Stndeuten. _ Tie heutige Feier bildet für uns. trotz des Unfalles des zeitlichen Infam iwnlrestens, die notwendige Ergänzttng der Augusttage. Mir dem Gefühl der Ehrfurcht, das man historisch besonders bedeutsamen Momenten der Geschichte entgegen bringt, denken wir heute zin.uk an jenen Ansrns ans dem S. S. I ►. der , uu ersten Aiale den dentichen Inden mit eindmustichen Worten die Pflicht znm Kampf nm das V.-.teNand. das Geb»! gemeinsamer Selbstwehr nnd Selbsterziehnng itt. Getoifsen ries. Ttetcr Rnt uns dem Ssten des deutschen Vaterlande-.. erschein: uns heute als der Wendepunkt in der Geschicht-- >>er indischen Studenten. der deutschen Juden um- Haupt. Ter vor Jahren hier in Breslan enumgene Mahnruf en die deutschen Inden, gleicln-s.s znm Kamps itu: Ehre nnd z>!akeria»d. ist nir'' »»gehört verklunge» Als erfreulichen Fortschr-!: köntten roir seststeklen. daß heute das jüdische Sen stbewnßtiein überm! erwacht ist. daß heute da». war Ihr Viadrineir. i» kleiner Fahl in de» 8«,er Iul.ren als notmendige Forderung vertreten habt, heute als allgemeines Gnt der Mehrzahl der deutuhen Inden anerkannl ist. Tas großartige Gesanniutd dieses Festes lässt Euch erkennen, daß diese St Fuhre in der Geschichte der deutschen Inden tticht spurlos dahiugegangen sind, das; das, toas Ihr damals zuerst gefühlt und betätigt habt, heute znr allgemeinen Anerkennung nnd Nacheiferung geführt hat. daß sich ans dieser Grundlage einmütiger Selbstwehr nun alles, alles wenden maß.

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