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KC-Blätter · 1911-10-01 · Heft 1 (1.10.1911) · p. Seite 22

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Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 1 (1.10.1911)
Date
1911-10-01
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German
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22 der Art gelegentlich doch ein kleines Feuerwerk niedlicher Geistreicheleien aufbtitjt, besteht die Gesellschaft, der Hugo und Irene srondieren, aus Poseuren, die mit gleicher Zungengelenkigkeit über den Zionismus oder sonst ein Thema zwischen Himmel und Erde reden, ans eitlen Müttern, ans jungen Mädchen, die nur das Wort Verlobung aus ihrem schicksallosen Dämmerdasein anfschreckt. Irenens Bruder taucht auf, Alfred, der von „unserer germanischen Weltanschauung" spricht, Vertrauensnmnn deutschnationaler Tlumvereiue ist unb an der Spitze seiner Eouleurbrüder die bösen Tschechen verhaut. Wut* in Hugos Mutter und in der blütenfrischen Olga, die von Irene mit dem Instinkt der Wellenden gehaßt wird, reift echtes Meuscheutum. Wlle anderen tragen dgs furchtbare Ghettoerbe in sich: die absolltte Humorlosigkeit. Alle (Gestalten des vielsarbeueu Werkes sütd Juden. Nur ein Kellner und ein Balljnnge auf dem Tennisplatz sütd höchstwahrscheutlich Vertreter eines anderen Stammes. Aber Brods Begabung fiilitte sich stark genug, dies Buch zn schreiben, ohne ihm durch den Vergleich der Stammeseigentümlichkeiten oder bcn sich ans der Verschiedenheit ergebenden Konflikt auch noch ein stoffliches Interesse zu geben. So hat er daraus verzichtet, jenen Kampf darznstellen, der für die beteiligte Minorität so oft verletzend und int Eiuzelfall eine herzkränkende Ungerechtigkeit ist. in feiner Ganzheit aber ein berauschendes Schauspiel starker Kräfte bedeutet. Paul Mayer (Köln.) „Das jüngste HcrichG („der H'aragraphenketirsing^). Ein Roman von Walter Bloeni. Preis M. 1.50. ''Als Volksausgabe erschienen im deutschen Verlagshaus „Vita". Dieses Werk ist in gewissem Sinne eine Fortsetzung des Romans „Der krasse Fux" von delnselben Verfasser. Denn zwei Personen, die sich dort wie zwei fremde Welten Ultnahbar einander gegenüberstehen, platzeit hier durch eine merkwürdige Verkettung der Uuistände mit ihreit Ideen auf einander: Werner Achenbach, der blonde und elegante Corpsbursch, und Simon Markus, der arme, schwarze und verbitterte Jude. Jener ist inzwischen Vizefeldwebel der Reserve und Doktor beider blechte geworden tmd ist als Referendar am Amtsgericht zu Remscheid beschäftigt. Dieser hat zwar auch proutoviert, seine Studien aber unterbrechen müssen und ist — der Rot gehorchend, nicht dein eigenen Triebe — Schriftsteller geworden und zwar . . . Lokalreporter des „Vorwärts". Um nun dieser beliebtert Gestalt eines jüdischen Journalisten gewissermaßen die Krone anfzufenen, wird er znm Spezialabgeordneten, der Varteizentralleitung erhoben, der von seiner Partei den ehrenvollen Auftrag erhalten hat, in Reinscheid einen Generalstreik der Arbeiterschaft zu organisieren. Das ist alles, was bcu Paragraphenlehrling mit dem fraffeu Fuxen verbindet. Allein jene, die ohne jegliche Einschränkung den Paragraphenlehrling eine Fortsetzung des krassen Furen heißen, haben auch nicht so ganz Unrecht, wenn aud) in einem andereri Sinne, wie sie es vielleicht meinen: der Paragraphenlehr ring ist nämlich ein recht krasser Für geblieben. Und darin liegt die Schwäche des Romans. Tenn was man einem krassen Furen verzeihen kann, der Welt und Menschen erst kennen lernt, das kann märt einem immerhin schun gereifteren jungen Alaun, einem VizeseldwebK der Reserve, Ooctor utriusque iuris lUld Referendar nicht mehr Nachsehen. Werner Gichenbach, ..das jüngste Gericht" vorn Amtsgericht zu Remscheid. muß selbst zngeben, daß er es nur einen! Wunder zu verdanken hat, wenn er gliicklrch durch alle Eramina hindurchgeschlüpft ist. Sein von jeder Sachkenntnis ungetrübtes Wissen hindert ihn jedoch durchaus nicht, nach besten Kräften über alles und jedes herzuziehen. Das ist menschlich ein nur zu verständlicher Zug. tvirkt aber unbedingt komisch, und ein Fi'inglmg. der den grundlegendsten Fragen der R'echlsnnssenschaft vollkommen harmlos gegenübersteht, muß als Reforumtor der Justiz eine kölnische Wolle spielen. Daß darunter auch der Ernst des ganzen Werkes leidet, versteht sich von selbst. Der Doppeltitel des Romans besagt schon, was den eigentlichen Kern des Werkes ausmacht, er verkörpert die Tendenz, die sich durch den Roman hinzieht: „Unser ganzer juristischer Stndiengang ist Blödsinn? Erst tomnten wir auf die Universität, ohne jede Spur von Anschauung, kriegen verschiminelke Rechksgeschichte und aschgraue Theorie vorgeqnatsch: und sollen juristisch denken lernen —'-mid dann, als Männer mit Titeln und Würden müssen wir ans einmal Schreiberdieuste tun und Schreibarbeit lernen! Warum schickt mau uns nicht vom Gymnasium aus erst mal zwei Jahre in die Gerichtsschreibereien und zeigt uns. wie das ganze Ding, die Juristerei, überhaupt in der Praxis aussieht V" All anderer Stelle sagt der Verfasser, indem er die Methode des Stndiengangs dafür verantwortkich macht, daß er aus der Universität nichts gelernt hat: „Die sogenannte Ausbildung der Referendare schien schon das methodische Elend des Ultiversitätsstndinms fortznsetzen. . . Vor allem fehlte ihr das Wichtigste, was die jungen Juristen

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