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KC-Blätter · 1911-10-01 · Heft 1 (1.10.1911) · p. Seite 23

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Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 1 (1.10.1911)
Date
1911-10-01
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German
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23 zu wirklich ersprießlicher Tätigkeit hätte anspvrnen können — ein noch so enger Kreis wirklicher Beranlwvrtnng. . . Und unv3 die Paragraphen anbelangt, die Walter Blaem in den Tad nicht ausstehen kann, so heißt es daselbst: „Da sein müssen sie schon . . . aber als Mittel zum Zweck dach nur — dienen müssen sie — ich habe aber das Gefühl, als herrschten sie . . . als würde ein Götzendienst mit ihnen getrieben . . Das ist dann freilich eil! recht unangenehmes Gefühl, laenll mait auch nicht einen einzigen Paragraphen kennt, und sich dach sagen muß, daß Paragraphen nur dann Diener sind und sein können, wenn man sie beherrscht ltnd versteht. sie zu beherrschen! liegen die resarmatarischen (Gedanken ist ja an sich tiiclitS einzmvenden, aber sie klingelt ans dent Munde unseres Helden so kantisch, iveil ein falscher Prophet sie predigt, der nicht ernst genommen werden kann. Da ist es ein (Wirf, daß dieselben Ideen schon längst illi praktischen hebert voit crnftoii Männern erwogen werden. Wer eigentlich der Vater dieser (Gedanken ist, weiß man nicht genau. Die Vernultilllg spricht jedoch sehr für den berühmten Rechtslehrer Ernst Zitelmann, zu dessen Füßen ja auch Werner Achenbach gesessen und — wie es dort so schön heißt — einen Hauch vom triste des römischen Rechts verspürt hat. Teiliveise sind jene Ideen schon tu der Praris durch ge führt. So sind Besichtigungen groß- und klentindnstrieller Betriebe bereits an der Tagesordnung. Teiliveise sind sie aber auch geradezu undurchführbar und Ausgeburten eines unklaren Schlvärmerkopfes: „Warum warf man nicht dies ganze Zwingnri des Paragraphengebändes über den Hansen und setzte eine Kommission ein — nicht ans Jllristen alten Schlages, den eingedörrten Heizern der Paragraphenmaschine — nein, aus starken Siegerri des Daseins, großen Industriellen, wort und gedankenreicheil (!) Politikern und Parlamentariern, seetsorgeknndigell weitherzigen Priestern. Aerzten, die um Liebesnot llnd all die dunklen Zusammenhänge zwischen Phlisis und Psnche lvnßtell, liebevollen Lehrenl der srendefchafsendell Künste uub ahnungsvollen Dichtern, aber auch schlichten Männern des Volkes, den Männern von der Hobelbank uitb dem Pflug, vom Amboß ititb von der Maschine und vor allem . . . ans - mütterlich starken, lebenbeivährien, allem Wahren und Guten des Daseins von Natur ans wesensverwandten Frauen — — — — Also mit anderen Worten ein Schwurgericht in qualifizierter Form, ein Gefnhls- Bolksgencht, dessen Wahrsprnch als Stimme des Volkes dastehen soll, wie die stimme Gottes, des höchsten Richters: ' nnannntbar in seiner ehernen Wucht! denn es liegt in der Natur der Sache, daß an dem Urteil ein? - dergestalt zusammengesetzten Gerichtshofes auch nicht gerüttelt iverden dürfte. Ist ja doch das gerade seine Stärke! — Und seine Schwäche.- Nur wer den Betrieb vor 'Bericht einmal mit niichternem Blick betrachtet, weift, was er von solchen Schwärmereien zn halten hat. Der Richter ist es, der den Paragraphen das Leben einhanchen muß. Der Buchstabe ist tot. aber der Rechtssicherheit halber muß er bestehen, ebenso wie der Formalismus ein notwendiges Nebel. Und weiter erfahren wir auch, was aus Juristen mit einer methodisch w falschen Ausbildung noch werden kann: ein undefinierbares Paragraph! ntnm, das in dem Menschen nur ein -Snbjcir von blechten und Verbindlichkeiten erblickt und vor der Logik der einfachen Leute aus dein Volke nicht staudhält, oder — ein Wesen, das sich zwar, sein Menschentum bewahrt, ein guter und beliebter Richter wird, der sich in die Volksseele hineinverfetzt und gutes wirkt, aber keine Karriere macht, weil er vor den Herren „oben" nicht katzbuckeln will, wie jene. — Ebenso trefflich, wie diese Gestalten gezeichnet sind, ebenso lebenswahr imb lebendig wirken Werner Achenbachs Kollegen, von denen der eine zur Industrie geht, weil er voll Tag zu Tag mehr eiusieht, daß ihr die Welt gehört, mld daft es närrisch ist, sein Leben an einen Platz zu stellen, der die 'Aussicht bietet, nach 4 Jahren ttniversitätsstndinm und 5 Jahren praktischen VorbereiUlngsdiellstes die Anwartschaft auf eine Schreiberstelle zn erlangen; — von denen der nlldere als Regierungsrefereirdar die zwei Dienstjahre bei der Justiz nur als ein notivendiges Uebel ansieht. als eine Verzögerung seiner eigentlichen Karriere — die mit Anstand ertragen werden nmft, aber sein Behagen möglichst wenig trüben darf; — voll denen wieder ein anderer nicht weift, weshalb Werller Achenbach sich inilner so über alles anfregt, es sei doch innner so gewesen, es sei ja soiveit auch ganz gllt gegangen, der Betrieb in Remscheid sei ganz gemütlich, drei SUlndell Arbeit, bei der man joinert geehrten Dets nicht soilderlich anzustrcllgen brauche, und im übrigen Tennis, Flirt ulld grüne Bäumchens, sozusagen verlängerte Studentenzeit!- Diese trefflichen Gestalten versöhnen uns einigernraften mit dem Paragraphenlehrüng Werner Achenbach. Aber — abgesehen von

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