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KC-Blätter · 1911-10-01 · Heft 1 (1.10.1911) · p. Seite 20

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Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 1 (1.10.1911)
Date
1911-10-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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20 verlangen. Der leitende Gedanke hierbei ist bac> Ideal der freien Entwicklung der Persönlichkeit — für den Lehrer in der freien Lehre, für den Schüler im freien Lernen. Daß für die Betätigung solcher Ideen an unseren Schulen bei dem herrschenden Snstem der Konzentration, und Einheitlichkeit keine Rede sein kann, ergibt sich obne wetten.'*: einerseits stehen im Wege die vielfachen, kleinlichen Beschränkttngen ttnd Einengungen de* Lehrers dttrch Lehrpläne, Schulordnungen und Erlasse; anderseits wird im Schiller dttrch fortwährende Beattfsichtigttttg und Kontrolle in Roten und Zeugnissen die mitte Lust mit Lernen und Freude an der Wissenschaft nm ihrer selbst willen nicht anfkommen können, vielmehr wird, zumal dttrch ein säst militärisches Ulttergebenenverhältttis zwischen Lehrer und Schüler, der Entwicklung eines krieäterislhen Strebertttttts Borschttb geleistet. In diese Berhältltisse stellt Schusselt den Helden seines Wonutite*, I )r. Weizsäcker, hineilt. Als jllitger Lehrer versucht er tu idealer Auffassung seines Berufes, die modernen Ideen von der Ausgabe der Schttle, wie wir sie obett andellteten, in die Tat umznseßen; aber mit diesen Bestrebungen steht er allein inmitten einer Schar voll teils gleichgiltigett oder beschränkteit, teils streberischen Kollegen, allein im Katltpfe gegen den Geist pedaittischeu StrebertlNlls, der infolge des mächtigen Einslltsses eilies ehrgeizigen Direktors iit der Attstalk herrscht. Bald ntach.'n Beschränktheit und Bosheit dent jungen Lehrer, der sich zu schwächlichett Kon eessionelt gegen seilte lleberzengnng lticht verstehen kann, feinen Beruf zur Qual; fortwährende C5 Otfauen von Seiten des Direktors verbilterit ihm das Lebett, so daß er schließlich, gebrochen an Leib ttttd Seele und auch dttrch Rücksichten auf Weib ttttd Kittd verhindert, sich einen neuen Wirkungskreis zu suchen, keinen anderen Ausweg mehr weiß als den Tod. der ihm die Erlösung bringt. Dies ist in kttrzett Zitgett der Inhalt voll Schnssens Rontatt. Obwohl die Tendettz des Bttches klar zu Tage tritt, hat es doch nichts gemein mit dem „Tendenzroman"' im landläufigem Sittne; dentt stets bleibt das rein menschliche Interesse, das wir an der Darstellung eittes tragischett Mettschenschicksals nehmen, tiberwiegettd über das Jttteresse ntt beu Streitfcagett unserer Zeit, die nttr die Borbedittguttgen für den Ansgang des Dramas darstellett, wie es sich vor ttltsere'.t Attgett abspielt. Doch abgesehett davott zeigen gleich die ersten Seiten des Bttches, daß mir es bei Schüssen mit eitlem entstell Dichter ztt tun haben. So sind seine Schilderuttgen der Kleittstadt und ihrer Bewohner. ferner die lebenswahre Zeichtmng aller Persottett von hohem künstlerischen Reiz, so daß eine Lektüre dieses Buches nur empfohlen werden kattu. Ern st Jona s München). )m Kampf nm Hott. 3 Erzählungen von G. Epstein. (Heinrich Minden, Dresden ttnd Leipzig. Preis 3 Mk.) Jtt unserem Jahrhundert der Aufklärung muß dent Buche vott G. Epstein besonderes Interesse etttgegengebracht werden. Moderne Weltanschannng steht im Gegensätze zu der alt hergebrachten mosaischett Glaubenslehre, die in Iehovah noch beu strettgett Rithter sieht, der feine Macht nttr zur strafenden (Gerechtigkeit gebraucht. In spannendster Weise ist der Konflikt zweier Gottanschannngen in der ersten der drei Erzählungen behandelt. Im RÜltelpunkt der Novelle „Der weiße Gott" steht die zarte Mädcheugestalt Esther, bereu ganze neuere Entwickelung sich ans dent itt den Kindheitstagen erhaltetten christlichett Religionsunterrichte ergibt. Ihre etwas krattkhafte Natur war entpfärtglicher für die freundliche. versöhnende Gestalt Jesus Ehristns. als für die bnuflc Macht Iehovahs. Rlit zttnehtttendent Alter steigert sich noch diese Hingabe, bis sie in religiösen Wahn ausartet, der itt Ehristns beu erwählten ttnd ersehnten Brätttigant erblickt. — Mit liebevoller Hingabe hat sich die Berfasserin tu das innere Erleben dieser Gestalt versettkt und hat auch die Nebenfiguren, wie die etwas lieinliche, aber herzensgute Rachel, den finsteren Onkel St itt oit, für Esther gleichsant die Verkörperung jener von ihr so gefürchtetett Macht, mit festen, fUtrctt Strichelt gezeichttet. Das Interesse des Lesers wird attch in der zweiten Erzählung „Iehovahs Rache" stark itt Anspruch gettommen, doch beeinträchtigt die krasse stoffliche Darstellttttg ben Eindruck der Novelle. Man ntttß mit dent tttrmachteten Geiste ciltes Maitttes rcchtteit, der fähig ist, sein eigen Kiitd ztt töten, ttm es Iebovah. seinem furchtbaren Feiltde, der Menschenopfer fordert, zu etttziehett. Eilt Fanatismus dieser Art entzieht sich wohl teilweise dent Verständnis, nicht der Atiteilltahtne, da attch hier die lebendige Art zu Schildern ttttd zu Erleben beiden,tlteu ist. Ergebeit sich die Koitflikte der beiden ersten Erzählungen teils aus beu anormalen Gemütszuständen der Haitptfigttrett, so werden die Geschehnisse in der Novelle „Au den Wassern Babylvtts" aus dem wirklichen, täglichen Leben geschöpft. Schon das Milieu, der Jargon, sutd ganz dazu angetan, um die Gestalten in lebenswahrer Treue vor tttts erstehen zu lassen. Die Sehnsucht nach dem Siotisiande zieht sich dttrch das ganze Bttch, uttd aus diesem tief, ein-

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