KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1911-1912
- Issue
- Heft 1 (1.10.1911)
- Date
- 1911-10-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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11 So schreckt dich das schlimmste Geschöpf der Natur, Anfzüngelnd aus heiterer, blumiger Flur, Die giftige, niedrige Schlange. Nnn' packt ihn die wilde, die reißende Wut, Es jagt durch die Albern ihin kochend das Blut, Die Faig't fährt dein Frechen zur Wange. —- Cviu Mädchenlächelil, ein Bnbenwort, Sie loarteil im Frührvt am einsamen Ort Sein junges, sein fellriges Hoffen. Null ist es mit Leben und Lieben vorbei, Es hat ihn das tückische, tätliche Blei Jlls schlagende Herze getroffen. Und als auf den Waldesboden er sank. Ein altes Lied von fern ihm klang. Ein altes Lied vom Sterbell. „Dll junges Gras, lvas stehst so grün? „Mußt bald wie lauter Röslein blüh'n; „Meill Blut ja soll dich färben." Und er sieht sich noch einmal in jubelnder Schar, Ter gute Geselle, der allen er war. Die Brust lvird ihm weiter und weiter. Die Sonne verklärt ihn mit goldenem Licht — Da seufzt er tief, das Auge bricht. Fahr wohl, dir wackerer Streiter! Amicus llont drntschcii Antisemitismus.^ Von -<ö. v o u G erla ch. Die Glagaufchen Schriften sind wirklich eine Fundgrube tue jeden Politiker. Heute, wo sie allzusehr vergessen sind, ahnt man kaum noch, welchen riesigell Einfluß sie seinerzeit ausgeübt haben. Waren sie auch nicht den Massen zugänglich, so wurden sie doch von allen politisch interessierten Leuten eifrigst gelesen und ebenso eifrig benutzt, meist allerdings ohne Quellenangabe. Glagau war für den deutscheit Antisemitismus, was Eduard Drnmont für den französischen ist. Beide Männer haben ungemein viel ähnliches. Wenn ntan Kleines mir Großem vergleichen darf, so kann man sagen, sie habeil die Tainesche -Methode angewandt, um den Scheitt eines Fnndamentes für den Antisemitismus zu schaffen. Sie trugen ein gewaltiges Material an Emzeltatsachen zusammen, um daraus einen scheinbar zwingenden Beweis für die von ihnen aufgestellte These herzuleiten. Es fehlte ihnen nur beiden die Bildung und die sich daraus ergebende Kritikfähigkeit des Gelehrten. Immerhin sind beide in ihrer Art bedeutsame Erscheinungen. Ich scheue mich durchaus nicht, zu bekennen, daß ich vvil ihnen manches gelernt habe. Meine Opposition gegen Glagau regte sich freilich schon zu den Zeiten, ma ich als Student und junger Referendar mit ihm verkehrte. Obwohl unter dem Einfluß Stöckers und Treitschkes durchaus antisemitisch empfindend, war ich doch schon damals so sozial gesinnt. daß ich mit Entschiedenheit das Wort bekämpfte. die soziale Frage .sei die Judenfrage. Aber freilich, gerade dieses Schlaawort trug die Bürgschaft eines gewissen äußeren Erfolges in sich. Wenn die soziale Frage, über die damals alles *) Lcr Abdruck «rsotgi mit besoudeM ErMchkiüMü sich den Kopf zu zerbrechen begann, durch Maßregeln gegen das Judentum zu löi-m war. so war man ja ..feilt raus". Zahllose oberflächlich denkende Leute akzeptierten mir Wonne die G-agausche Formulierung. Jedenfalls war der Boden du ch den wirtschaftlichen Krach und die darüber von Glagau gelieferte „Aufklärung" gut vorb-. reitet, als die antisemitische Bewegung 1870/80 als eigentlicher politischer Faktor einsetzte. Fm Jahre 1*78 war die christlich - soziale Arbeiterpartei in Berlin begründet worden. Sie stellte den ersten Versuch größeren Stiles dar. die Sopalbemokratie auf dem Wege der Sozialreform m überwinden. Von Antisemitismus war sie zmui Hst frei. Ter wurde ihr erst aufgepfropft, als sich die liberale Presse, die größtenteils in den Hauben von Fuveu war oder von Juden redigiert wurde, mit einem geradezu fanatischen Eifer auf die Bewegung stürzte, die den revolutionären Sozialismus durch den Staatssozialismus zu überwinden versuchte. Der galtze Aerger des manchesterlichen Kapitalismus über die Bestrebungen, die ihm allerdings an die Wurzeln gingen, tarn durch sie pun 'Ausdruck. Als Hofprediger Stöcker sah, wo die schärfsten Gegner feiner Sache saßen, ging er zur Offensive über. Mit dein Sinn für volkstümliche Wirkungen, der ihm innewohnt, , schleuderte er ferne Pfeile nicht gegen den Liberalismus und das Manchestertum im allgemeinen, sondern gegen die Juden, gegen die „jüdische Presse" insbesondere. Hierzu kam, daß er als Vertreter der protestantischen Orthodoxie im Sinne der eedesia militans sich über die Tonart empörte, in der gerade damals die liberalen Blätter vielfach kirchliche Fragen behandelten. Wenn ich mirjetzt. rückschauend, als lauge „bekehrter* Antisemit die Preßstimmen der 70 er Jahre vergegenwärtige, so muß ich sagen, und jeder ver- Üüudjgp Jude -roird mir brüte da-.n Luuimmen.