KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1911-1912
- Issue
- Heft 1 (1.10.1911)
- Date
- 1911-10-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2268830-2268846-2268848--0260-2269460- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
10 unter einer anregenden Gemeinschaft von Sportlenten und äußert Den Wunsch, Mitglied ihres Vereins werden zu wollen. Großer Ernst, dann Verlegenheit, dann die dringende Bitte, doch voll lljrem Wunsche abznstehen, da ihre Anfuahme als Jüdin den sofortigen Artstritt der Halden „leider so antisemitischen" Mitgliedschaft zur Folge haben würde. Oder: Sie besteht — als eine der ersten natürlich — ihre Staatsprüfung als Lehrerin. Sämtliche Genossinnen sind nach längstens drei Monaten in staatlichen, das heißt gesicherten, pensionsberechtigten Stellullgeil nmergebracht, sie, als Jüdin, geht leer aus. Derlei' Erlebnisse reißen die Frau dann rasch ans ihrem Himmel ttitb hinterlassen ihr das bittere Gefühl des Venachteiligtwerdens. So lommt sie allmählich hirtüber in die Gedanlenwelt des St E.ers. Wie viel besser und schöner wäre es, wenn der Frau solch bittere Ellltänschnngen erspart blieben dadurch, daß sie gerade iuie der Mann sich von früh an mit dem Ü. E. Gedanken beschäftigen lernte! Ja, für sie kommt noch eilt ganz besonderes Moment hinzu. Eine der schärfsten Waffen gegen den Antisemitismns sieht der K. C. in der Erziehung des jüdischen jungen Mannes. Er arbeitet so auf der Frau ureigenstem Gebiete. Was alles könnte da erreicht werden, wenn die Frau sich bei ihrem Erziehttngsgeschäft betvußt und systematisch in den Dienst des E. stellte, wenn sie suchte, Bescheidenheit ttttd Unterordnung, ruhiges, taktvolles Wesen den künftigen K. Cent schon mitzttgeben auf bem Wege ans der.Mnderftube. Das aber ist nur möglich, wenn sich die Frau mit beut K. C.-Gedanken vollkommen vertraut umcht. Da ihr tttttt schon der Eintritt in die Verbindung ans gewiß wohl erwogenen Gründett versperrt ist, da ferner der Gründung eitles ähnlichen Ullternehtnens in der Gemeinschaft jüdischer Frauen wohl mit blecht jeder, der nicht gerade zu beu suffragets gehört, sehr skeptisch gegenüberstehen dürfte, so bleibt nur noch das eine: Laßt die Frau teilhaben an Eurer Literatur. Webt ihr diese Blätter in die Hand. Ter Gatte lehre seilte Frau, der Vater seine Tochter, der Bntder seine Schwester int S\. E. etwas attderes sehen als ein Tanzkränzchen. Er lehre sie darin sehen das redliche Streben einer unterdrückten Gemeinschaft vott Männern tt u d F rauen nach Gleichberechtigung und die' tapfere Bemühung, diese Gleichberechtigung zu verdienen. Zur Erinnerung att einen früheren Bundesbruder, der im Dttell gefallen ist. Im Wirtshaus zttr Linde, im ltiedrigen Saal, Da dreht sich der Tanzenden lustige Zahl, Es schmeicheln uub locken die Geigelt. Es drangt'sich der Werber geschäftiger Chor. Die Holden, sie leihen eilt williges Ohr Und imlner erneut sich der Reigen. Die Schönste der Schottert, sie lehnt an der Wand, Sie reichte zurrt Tarrze noch keinem die Hand, Die Stolze karrrt (einer bekehren. Und wehrt sie mit sprödem, unnahbarem Blick Die stürmischen Bittett der Tättzer zurück, So weckt sie nur heiß'res Begehren. Doch meinte sie allen mit spöttischem Dank, Detrt eilten, beut Kühnlichen, schwarz und schlank, Dem konnte sie nicht widerstreben. Seitt jugendlich Feuer reißet sie fort, Er scheucht ihren Stolz mit scherzendem Woxt, Sie muß sich tnit Lächeln ergeben. Er ltirnmt sie mit Lust in den kräftigen Arm, Er dreht sie, er schwingt sie im wirbelnden Hei, wie sie im Tanze da fliegen. sSchwarm, Und wie er verstohlett das Hättdchen ihr drückt. Und wieder, weil es schart einmal geglückt. Beginnt sie, sich wärmer zu schmiegen. Doch schaut er beseligt nur ihr ins Gesicht, So sieht er die ftarfcrnbcu Flammen nicht Aus den Augett der Neidischen springen. Die Eifersucht, eilt heimlicher Haß Verfolgen sie gierig ahn' Uni erlaß, Als wollten sie beide verschlirtgen. Gar heiß ist's im Saale und staubig und schwühk, Int Gärtchen aber weht's luftig und kühl. Dort wollen sich beide erftischert. Doch plötzlich — der Atem erstirbt in der Brust— Da hört er inmitten der lärmenden Lust Einen Schimpf, einen höhnischen, zischen.