KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1911-1912
- Issue
- Heft 1 (1.10.1911)
- Date
- 1911-10-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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9 ungesalzene Bretzelsrau kennt auch heute jedweder' Stiident, er sei auch, wer er sei. Wenn sich auch die. Seiten ändern, Breslau vereint die Gegensätze. Hier mengt sich das Uralte mit den: Modernen, graue Kirchen stehen neben neuzeitliche::, eleganten Wirtshäusern, winklige Gassen wechseln mit breiten Straßenaulagell, würdige Panizierhäuser mit modernen Bauten. Das großstädtische Leben flutet vorbei an dem ftilleit Werbelokal der Lützowschen Freischar, mächtige Kräne elltladen die Dampfer neben dem Pavillon am Oderufer, in welchem Lessing das deutsche Lustspiel „Minna von Barnhelnr" schuf. Die Holzerker der Weißen Ohle erzählen voul Leben und Sterben Beitel Itzigs aus „Soll und haben", und die Dünne der Magdaleuellkirche ziehen den Glockenguß von Breslau vor unser geistiges Auge. Wer also von den l. Bdbr. im K. C. sich hinunter wagen wird in beu Osten des Reiches, der wird hier finden, was er gesucht, itttb wenn daun das alte Lied gesungen werden wird, dann werden die Auswärtigen gern und kräftig einstimmen in den Sang: Stoßt an, Breslau soll leben! Der Taugenichts. Sie sagen, ich sei ciu Taugenichts, Wnrd's nie 511 etwas bringen. Rur iveil nlein Herz mir wird so weit, Wenn uni die goldire Maienzeit Die Böglein singen. Sie sagen, daß ich ein Träumer sei, Anstatt zu schajsell, 511 schuften, Als habe ich's allein gemacht, Daß in der lauen Sommernacht Die Rosen bnfteu. Sie sagen, ich sei auch überspa»int, 's gab' noch ein schlimmes Cnde. — Gott schuf doch Mädchenaugen klar Und Lippen rot — lmd weiches Haar Und weiße Hände! Für dieses Geschimpf mib Ungemach Muß ich mich doch eutschäd'gell! Drum sollt ihr doppelt mich erfreu'n Ihr Rosen und ihr Bögelem Und ihr, ihr Mädchen! Mt'bcrt Rosenlhal Die Frau und der K. E. Frau l)r. Le e ^invenslei» 'Lic ariae, Auisia «.Bvliiueu). Tie diese Zeilen lesen, werde:: vielleicht sagen, was die Frau nnt bem St. C. zu tmi hat, liegt auf der Hand. Sie ist eine angenehme Beigabe unserer Festlichkeiten, bekommt an ihren: Hochzeitstage das hübsche, bunte Band umgehäugt und snngiert zuletzt etwa noch als weniger angenehn:e, aber nötige Anstandsdame — voila tout. Und er mag recht haben, der so sagt. Tie Frau hat bis jetzt dem K. C.-Gedanken ferner gestanden, als es sich mit ihrer Kulturansgabe vertrügt. Ties mag seinen Grund in der oft besprochenen Tatsache haben, daß die Frau in: Gegensatz zun: Manne überhaupt dem wirklichen Leben rnehr oder weniger fremd gegenübersteht. Ihre Ailfgabe hält sie meist in engem Kreis fest. Sie sieht das Leben nicht so sehr, wie es ist nnt seinen Mängeln und Forderungen, sondern mehr, wie sie es sich in ihrer Ideenwelt ansmalt, und wie sie wünsch!, das es sein möge. In dieser Idealwelt gibt es natürlich keinen K. C.-Gedanken. In ihr füllt alles, was Menschen trennt und entzweit, als verwerflich fort und somit auch der K -C., der ein trennendes Lebensmoment, die Abstammungsgemeinschaft, ausdrücklich betont. Selbstverständlich aber bleibt der Tag nicht aus, wo die Frau einmal hart mit der wirklichen Welt zusammenstößr. Sie fühlt sich wohl