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KC-Blätter · 1911-10-01 · Heft 1 (1.10.1911) · p. Seite 8

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Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 1 (1.10.1911)
Date
1911-10-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 ließ, die auf einem Teil intellektueller Deutscher lasteten!. Ban unserer Hochschule ging der streitbare Ruf zur Gründung van Verbindungen, die in erster Linie deutsch-vaterländische Gesinnung und Zugehörigkeit zunr Iudentnme auf ihre Fahnen schrieben und in keinen ritterlich-studentischen Künsten zurückstehen sollten gegenüber den Kommilitonen christlichen Glaubens, die pochend auf ihre arische Abstammung dem ..Fremdling" keinen Platz an der Sanne gönnten. Wer je sich an dev! glutheißen Feuer der Begeisterung eines Magen, der Ehrenfrieds, des leider zu früh verstorbenen prächtigen Krügers und anderer inehr entslauunen tonnte, dein wird die Größe der Idee bewußt, die vor allen! in der grundsätzlichen Forderung der Pflege deutsch-vaterländischer Gesinnung bestellt, lind wenn auch die Viadrina als Verbindung ihren dornenvollen Weg beschlossen hat. so sind ihr allerorten gesinnungsverwandte Korporationen gefolgt, die die Verteidigung von Mensthenrechten zum Zwecke haben, die zeigen sollen, daß in den fast geächteten Mnsensübnen der frische, ungezwungene, echte und frohe Stndentensinu schlummert, daß auch in der Brust des jüdischer! Studenten die Kraft der Jugend lodert, und daß die jüdische Studentenschaft genullt ist. durch Selbstzucht das Ghettokleid abznstreisen und im Wettstreit männlicher Tugenden sich die Achtung der (Gegner zu ertrotzen. So weht noch heute von Breslaus Hochschule der Hauch des Geistes der alten Viadrina und die Saat, die hier gelegt, muß dereinst aufgehen in den dentschenLanden in der Frucht anerkannter Gleichberechtigung. Dann erst wird die Universitas litierirum auch eine Universitas commilitommi sein zum Wähle unseres Vaterlandes, auf daß es einig sei und frei! Co betritt der junge jüdische Studentin Breslau historischen Boden, und itnK'.E. sollte es zur Tradition werden, daß wer irgend kann, e i n S e in e st e r in Breslau studiere. Bietet doch die ehrwürdige Stadt trotz ihrer Größe noch die Reize, un! die man die kleinen Universitäten beneidet. Unser prächtiges gothisches Rathaus, dessen Ban im Jahre IM begonnen wurde, birgt in seinen! Kellergeschoß das prächtigste Kneiplokal, den alten S d) w eidni t; e r K eile r. Hier entwickelt sich das echte, gemütliche, schlesische Volksleben : Bürger und Bauer, Kaustnann und Akademiker stärken sich in trauter Runde vereint von der Last der Geschäfte. Im alten Fürstensaal, den eine wenig poetische Sttchentensprache „Sanbncht" nennt, befinden sich die alten Stammtische der Burschenschaften, der Sängerschaft und der V. i. K. C. Thuringia. Fröhlich kreist der der Becher und lustige Studentenlieder erklingen. Franz l V., der Kellner, kennt jedweden nach Nam' und Art, und sein Geburtstag ist ein Festtag der Korporationen. Die Philister aber freuen sich des fröhlichen Gesanges und der lustigen Burschen, und manches Mägdlein am.Anne eines Andern sendet glückversprechende Blicke dem Fuchsen wie dein Burschen. Und gar am Fasching geht's hoch her, daß inan am Rheine sich wähnt und nicht an östlicher Oder! Die Poesie des Kneipenlebeus verschönte von je das Breslauer Studentenleben. Wenn ich zurück denke an die alten, schmalen, finsteren Räume des „Bär auf der- Orgel", wohin kein Sonnenstrahl drang und die Erleuchtung nur durch inneren Gebrauch reichlicher Alkoholmengen ebenso rasch kam wie verschwand, iveun ich der Bowlenabende gedenke, die Ehrenfried, der Thor, und Ehren sried, der Odin, iin Stadthauskeller „schmiß" und wo gar manch reckenhafter Held bald inaktiessinuig wurde, da steigen die Erinnerungen auf au längst verschwundene Zeiten, allwo noch der Nachtwächter lediglich zu Ulkzwecken für die Studenten von seiten der Stadt bestellt schien. Besäße ich nicht — bezahlte — Strafmandate, so hielt ich noch heute diese Vertreter der heiligen Hermandad für die liebenswürdigsten Menschen. Oder kann man sich etwas Entgegenkommenderes denken als wenn ein Strafmandat wegen nächtlicher Ruhestörung nach der Melodie sangbar ausgestellt wurde, derentwegen mau uns ans die Wache sistierte? Und das kan! so? In lauer Sommernacht zogen wir plaudernd uttd schwankend die äußere Promenade entlang und verabschiedeten uns von Peritz und Friedmann Au I*ax) mit leisem Gesänge: „Grüß deine Frau, grüß deine Frau" nach dem Rythmus des damals so beliebten „mein Herz ist wie ein Bienenhaus". 10 Minuten später wäret! wir, Magen, tueiu kleiner Bruder und ich. auf Wache und nach 3 Tagen kan! in unsere Buden das nach derselben Melodie sangbare Strafmandat: Sie haben am 23. August, zirka 3hri Uhr niorgens, am Lh lauer Stadtgraben in Gemeinschaft mit zwei anderen — Personen laut gesungen, wodurch die öfsentli — che Ruh gestört : die öffentliche 3tu!) gestört." Das eben ist der Vorzug Breslaus, daß neben den raffinierten Genüssen der (Großstadt noch der Sinti für die Romantik des Skudentenlebens nicht erstorben ist. Bei Kißling und Wiesner fließt noch ein guter Tropfen, das Feldschlößchen draußen lädt öffentlich zntn Tan; und heimlich wird manch harter Strauß im Ballsaal ausgefochten und Alma, die Biermamsett, lebt noch und Birnefeld, der Mensurenkutscher, trinkt immer noch eins — nach dem andern. Heute aber, wo jede Verbindung ihren Faxen hat, ist er nicht mehr regelmäßiger Berkehrsgast ans den Kneipen, verschwunden ist auch der Original Rettigkarle, der sämtliche Bierreste auszutrinken pflegte, aber andere sind auserstanden und die gesalzene oder

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