Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1911-10-01 · Heft 1 (1.10.1911) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 1 (1.10.1911)
Date
1911-10-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2268830-2268846-2268848--0257-2269457
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

7 seine W Gänge und pauftc aus, zu miserer großen Freude'und zur sprachlosen Verblüffung der D. C.er. Vereint schlagen, getrennt marschieren, das schien in der erstell Zeit die Parole ans unseren Conventen zu sein. In unserer Begeisterung für die Sache waren wir alle gleich, über das Ziel einig; aber über die Mittel zur Erreichung desselben standell sich die Meinungen oft und scheinbar unüberbrückbar gegeniiber. Die beißen Wortgefechte zwischen den Dauerrednern. deren es einestattliche Zahl gab, zogen sich gar oft bis in die dritte Morgenstunde oder noch länger hin. Manch junger Bursch war langst saust in einer Ecke entschlummert, wenn die Meinungen am heftigsten anfeinanderplatzten und wurde durch einen fünften RippenstG seines Leibalten ansgerüttelt, sobald es zur Abstimmung kam. Denn das er so stillnute wie der Leibalte, war selbstverständlich. lleberhaupt das Verhältnis zwischen Leibalten und Leibsnchs : Es lag darill etwas Väterliches, Brüderliches, Freundschaftliches, voll allem diesen etwas und dieses Verhältnis übertrug sich in unverminderter .Straft ans des Leibfuchsen Leibfnchs. So entstand in der Verbinduilg, die selbst eine große Familie war, Familiengruppen, die das Verbilldnngsleben stark beeinflußten. Unter allen Verhältnissen aber, ob ans Kneipe, Fechtboden, .Konvent oder inlPhilisterkreise, waren die alten Viadrillen erfüllt voll echt studentischer Jngendlnst und Ingendkrast, liub in ihrer Brust erstrahlte der Abglanz der alten Burschenherrlichkeit. Vlit srendigein Stolze blicken sie heilte auf jene Zeit zurück. Zwar silld die Ideale, für die sie damals gekämpft haben, noch nicht alle zllr Wirklichkeit geworden, aber sicherlich werden sie darin mit mir übereinstimmen, daß jene Tage für sie eine große Zeit waren, vielleicht der Höhepunkt ihres Daseiils. Stoßt an, Kreslau soll leben: Dr. (v. Lvwiwlill (Thuringiae). Breslau? Wo liegt Breslau? So hört mail nicht etwa nur im Änslande frag eil. Nein, aus einem Rheindampfer wünschte alten Ernstes eine westdeutsche Danie zu wissen, ob man nicht iil Breslau, das doch bei Nußlalld liege, dauernd Pelzwerk zu tragen gezwungeil sei. O, wäre sie llur einmal im letzten Sommer hier gewesell. So ist die Königliche Haupt» lmd Residenzstadt VreSlan, weil sie fernab liegt von den flutenden Straßen des internationalen Fremdenverkehrs, zllr Aschenbrödelrolle verllrteilt. obwohl sie sagenumwoben Ulld durch die (beschichte verklärt, das geistige und industrielle Centrum des Ostells bildet. Eilie der ältesten Städte, deren Anfänge um das Jahr 200 n. Chr. gelegt nurrden, steht sie nach einer uralten Sage auf einem Morast, in welchen eine prächtige Stadt in grauen Vorzeiten versunken sei, heute in Pracht und Herrlichkeit wie ein zu neuem Leben erwaihies Vineta. Traumverloren und in stiller Weltentrücktheit zieht noch heute in ihrer märchenhaften Stimmung die Donünsel, von wo Areslau seinen Anfang nahm, selbst die unruhigsten Großstadtgemüter in ihren Bann. Maler wie Wülsfl, Wislicenns, lllbrich Ulld Labvschin Haberl in Oelbildern und iliadierungen dies einzigartige, entzückende Städtebild festgehalten. Wenn in sommerlicher Mondnacht die üppig blühenden Gürten der fürstbischöflichen Ntesidenz sich magisch spiegeln im breiten Strome, die ehrwürdigen Türme des uralten Domes gespenstisch zitternd ans der Tiefe des Wassers hervorlenchten. steigen mi! bem heimlichen Klange der Glocken die Erinnerungen auf an das wechselnde Geschick der Vratislavia. Polnische und böhmische Herrschergeschlechter kommen und gehen. Die Scharen des Weltenstürmers Dsrhingis-Ehan zerbrechen ihre Kraft an den Festen der Dominsel., roährend die Bewohner die in Brand gesteckte Stadt verlassen haben. Aber schon im Beginn des 13. Jahrhunderts ward Breslau eine deutsche Stadt, in der die ruhmreichen Kaiser Karl IV. und Marimilian gerne weilten. Also 700 Jahre ist Breslau „bei Rußland" deutsch und heute merkt man nichts von polnischen! Einschlag und kann getrost — wenn man nicht verstanden werden null — polnisch sprechen. Ja, Breslau ist die deutscheste Stadt. Ging doch von hier aus der d e u t s ch e st e Gedanke der Erhebung wider die Knechtung, erfüllten doch die Gassen und Plätze der Stadt zuerst die markigen Worte des Aufrufs an mein Volk. Die großen Freiheitshelden, Arndt, Lntzvw. Th. Körner, Frh. v. Stein u. a. mehr sammelten hier ihre begeistertsten Scharen, um Preußen vom Tyrannen zu befreien, auf daß es einig sei und frei. Und etwa 75 Jahre später, im Jahre 1.3H6, vereinigten sich wieder in Breslau deutsch gesinnte A k a d e m i k e r, die trotz ihrer Jugend die Charakterfestigkeit des Mannes zierte, um einen flammenden Protest zu erheben gegen Knechtung und Geisteszwang, um. die indifferente Studentenschaft jüdischen Glaubens anfzureißen aus dem Schlaf, der sie nicht die eisernen Ketten fühlen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.