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KC-Blätter · 1911-10-01 · Heft 1 (1.10.1911) · p. Seite 6

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Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 1 (1.10.1911)
Date
1911-10-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Schar froh begeisterter Jünglinge, welche da ihr Kriegslager aufschlngen. Ein Kriegslager war es m bud)|iälUu1)v'm Sinuc. Schon in früher Morgenstnilde konnte der Vorübereilende den Hellen Klang der Waffen vernehmen; denn die Kneipe war zugleich Fechtsaal. - Aber auch die geistigen Waffen wurden hier geschmiedet zum schweren Kampfe gegen zwei Fronten: gegen den äußeren Feind, das antisemitische Äüdententum, und gegen den inneren, die indifferente oder gar ängstlich ausweichende jüdische Studentenschaft. Kaum je hat eine studentische Verbindung ihre Nlitgljeder für ihre Bestrebungen so in Allspruch genonmlen. Körper und Seele so mit Beschlag belegt, wie die alte Biadrina in ich rer er st eil Zeit. Berwandtschaftliche und gesellschaftliche Beziehungen. Studium und Vergnügungen ivurden der Verbindung olme Besinnen geopfert. Wenn man abends oder richtiger beim Morgengrauen die Kneipe verließ, hatte inan nicht die Empfindung nach Hanse zu gehen; malt verließ sie nur. wie lnan notgedrungen deit häuslichen Kreis verläßt, mn nach wenigen Stunden Schlafes dahin znrürtznstreben; denn hier war nicht nur die Kneipe, hier war der fast täglich ftattfiubcubc Convent, der Fechtboden; hier ivnrde in dem jnltgen Studenten die Begeisterung für die hohe Idee geweckt lind geschürt, für die er källipfen sollte;' hierher gelangten die Nachrichten vom Kriegsschanplahe über Erfolge und Mißerfolge. Wer nicht dabei gewesen ist, kann sich kaum einen Begriff von den enormen Anforderungen machen, die an die einzelneil Mitglieder der jungen Verbindung gestellt wurden. Das Bewußtsein, Vorkälnpfer eines hohen Menschheitsideals zu fein, gab dem einzelnen die Energie zur Anspannung aller Kräfte stählte auch den Schwachen, gab jedem das Gefühl eiites gewissen Uebermetlschentnms. Dieses (Gefühl gesteigerter ^ebeltskrast äußerte sich and) auf den Kneipabenden. Die Trinlbegeislernng und die Trinkfestigkeit war außerordentlich. Die mit eiserner Strenge dnrchgesührte Handhabung des Koilimenls vermochte der feucht - fröhlichen Stinunullg feinen ^lbbruch zu tun. Es mag sein, daß damals ans den Kneipen des Enteil ab und zu etwas zu viel getan ivnrde — wer möchte unter so anßergelvöhnlichen llnistäilden bell gewühillichen Maßstab aulegen — sicher aber lvar die Kneipe eilt vorzügliches Mittel, um den jungen Studenten zur Disziplin zu erziehen. Voll einem Keilfuchsen, der sich auf biefen Kneipen als bierehr!icher K'neipgenosse bewährte, konnte mau mit Wahrscheinlichkeit erwarten, daß er auch ein guter Viadrin e würde. War das Kolnnlerzium von einer weihevollen Stimnulllg getragen, wozu schoil das Absingen des Bulldesnnb Farbeiltiedes beitrug, so trieb in der Fidelität ein fencht-stohlicher, mit Satire gewiirzter Humor seine tollsten Blüten. Solche Aierredner, wie wir sie damals hatten, habe ich feibent nicht wieder gehört. Der Geist, der auf der Kneipe herrschte, belvührte sich als hervorragendes Propagandamittel liicht nur für die Kommilitonen, auch für die Philister. Manch einer, der gleichgültig, zweifelnd, vielleicht sogar ablehnend oder aus bloßer Neugier der Eiilladung zur Kneipe gefolgt ivar, lvurde mitgerissell nnb zu einem begeisterten Anhänger der Sache; und groß war der Jubel, wellll ein Gast, auf dessen Gefolgschaft man Wert legte, in schwnilgvoller Nede sich zu llnseren Ideen bekannte und durch die Spende eines ansehnlichen Stoffguantums seinen Worten die Tat folgen ließ. — Waren sich so die alten Biadrinen wohl benmßt, welch mächtiges, geistiges Kampfmittel sie an ihren Kneipen hatten, so waren sie doch keinen Augenblick im Zweifel, daß die Entscheidung über Sein oder Nichtsein ans dem Mensurboden ausgefochten werden mußte. — Hie Rhodus, hie salta! 9lur wenige unter uns waren, die eine Klinge in der Hand gehabt hatten, aber mit eiserner Energie lvurde in kurzer Zeit ein Stamm gewandter Fechter geschaffen. Allerdings mufften zunächst die meisten ihre Ungeduld, sich aus dem Mensurboden zu betätigen, zügeln, denn die mutigen Urarier iveigerteli sich, mit uns zu fechten, ' selbst auf schlvarze Säbel, und blieben in ihrer Weigerung um so standhafter, als sie von unserer Waffenbegeisterimg llnd unseren ersten Waffenerfolgen hörten. So mnßtell denn zunächst häufig Beleidigungen nach den Negelu des Holzlomments gesühnt werden, nnb gar bald hallten die nächtlichen Straßen Breslaus wider von den ßmsenden Hieben, die von den Unsrigen ausgeteilt ivurden. Schließlich zwangen wir doch mancher! vor die Klinge und ohne uns zu überheben dürfen wir uns rühmen, daß uilsere Waffen bald gefürchtet ivaren. „Stehen rnnßt du, und wenn du zu Beafsteak zerhackt ivirst", rvar die Parole, die dem jungen Fnchst'll immer und immer lvieder eingeblänt lvurde, nnb lvie buchstäblich sie befolgt wurde, ist mir an dem Beispiele eines jungen Fllchsen im erstell Semester erinnerlich. Er hatte nach einem kurzett Fechtknrsus gegen einen Naczek anzutreten, den gewandtesten Fechter des D. C., der bisher stets unberührt abgcstochen hatte. Fast in jedent Gange bekam der Fttchs pon dem routinierten Gegner einen Blutigelt, aber er stand

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