KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1911-1912
- Issue
- Heft 1 (1.10.1911)
- Date
- 1911-10-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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5 lirfj viel das bedeutet, der nruß an das hervorragende Selbstgefühl und das Bewußtsein vom hohen eigenen Werte beuten, wie es das voll Eltern utib Tanten angestannte itnb gepriesene jüdische Wnllderkind in das akadeilüsche Leben und die Verbindung bringt. Dieses Verdienst des K. C., die llnbestreitbar irr dem so oft belachten Korpswesen vorhandenen Erziehmtgsworte für das gesamte deutsche Jndentrun nutzbar gemacht, Dis.pplill und Selbstzucht verbreitet zu haben, hat die Grundlage zu der ülneren Festigkeit und Geschlossenheit gelegt, die mehr Mld mehr das Auftreten der deutschen Juden und ihrer Vereinigllngen kennzeichnet. Die Eharakterbildung, die ein Arbeiten nach solchen Prinzipien erzeugt, ist ja gewiß in erster Reihe nur bedeutsam für die Mitglieder des internen Kreises der Verbindungsangehörigen. Aber dennoch bietet es einen Vorteil für die Gesamtheit, zum mindesten den des guten Beispiels, wenn in unserer materiellen Zeit, der man nicht mit Unrecht tagtäglich ihren wachsenden Mangel an Idealismus vorwirft, ein Kreis von jüdischen Akademikern sich mit großem Eifer und Arbeitskraft rein idealen Aufgaben weiht. An den jüdischen Studenten tritt wie an keinen anderen der Ernst des Lebens früh heran, das unsagbar traurige und unendlich trostlose Judenproblem des engeren Vaterlandes und der weiten Welt. Ganz besonders groß ist für ihn die Gefahr, sich in unfruchtbare Theorie zu versenken und zu verlieren, um dann ein frühreifer Skeptiker und Pessimist zu werden, ein Apostel der Negation. Lockend und drohend lauert auf ihn die furchtbare Versuchung, sich durch schimpflichen Verrat an seiner Gemeinschaft in feiger Flucht einen Ausweg aus Zweifel und Not. einen Aufstieg zu einem materiell gesicherten Dasein zu erkaufen. Und darum kann der Idealismus, der im jungen Juden erweckt wird, nur dann brauchbare Streiter erziehen, wenn er sich paart mit jugendfrischeln O p t i m i s ln u s, der sich durch keinerlei Enttäuschung erschüttern läßt. Auch diesen Optimismus erzielt der K. E, indem er den jungen Juden lehrt, zur rechten Zeit froh da§ Schöne des Lebens zu genießen. Die Zeit der Studien bietet ja so viele Mittel, um durch eine verständige Würdigung der Lebensgenüsse das seelische Gegengewicht zu den trüben und niederschlagenden Erfahrungen zu geben, die gerade aus dem Kampfe für die Ideale des Judentums entstehen. Und dieses Bewußtsein, daß das Leben, und zuntal das des Juden, nicht nur ein ödes Jammertal zu sein braucht, hilft über manche Enttäuschung hinweg, gibt Freude und Mut. Rechte Erziehung muß harmonisch sein, und so gilt es, aus dem jüdischen Jüngling einen Mann zu machen, der nicht nur für den Ernst des Lebens und die Forderungen des Judenproblems gewappnet ist. sottdern der sich auch den unbefangenen Optimismus und die lebensvolle, kräftigeltde Fähigkeit zu hoffen aus den Jugendjahren in das spätere Alter hinüberrettet. Dieser Ausgleich'ist notwendig, um den Idealismus zu erwecken und zu erhalten, ohne den mm einmal ein Kampf für Ideen, besonders für die des Rechtes ultd der Frechen undenkbar ist. Und jdaß das Beispiel der jungcn Sludentenschar viel dazu beigetragen hat und mehr noch in kommender Zeit beilragen kamt, um das Judentum mit jenem echten, starken Idealismus zu erfüllen, der uns so bitter not tut, kann nur bestreiten, wer die Zeichen der Zelt mit ihrer Hoffnung und dem Glauben an die Zukunft nicht sehen will. Ein Rückblick bedingt auch einen Ausblick! Das deutsche Judentum handelt nur in seinem eigenen Interesse, wenn es auch in Zukunft seine Söhne dem K. E. und seiner Erzehung anvertraut. Was es au Jugendkraft diesen Verbindungen hingibt, erhält es tausendfältig webet an ausgebildeten Kämpfern für eine gute Sache, die in weite, weite Kreise des deutschen Judentums jene Güter tragen, die ihm oft noch fehlen: Vornehmheit und Selbstbewußtsein in der Haltung. Selbstzucht und Disziplin, den Idealismus der Tat und den siegeSgewtssen Optimismus der Jugend! Und da wir wissen, wie viel noch nach allen diesen Richtungen hin trotz aller bereits errungenen Erfolge für die Erziehung der jüdischen Massen zu tun ist, gipfelt der Rückblick auf eute fünfundzwanzigjährige Tätigkeit in dem Wunsche, daß die Ankunft dem K?E. im Interesse des Judentuins unseres deutschen Vaterlandes eine immer größere Anzahl von Pflanzstätten seiner Ideen und überzettgren Anhängern, ein stets wachsendes Feld der Betätigung und immer größeren .Einfluß auf die ^Erziehung der Jugend und damit der Massen bringen möge. Noblesse oblige! Adel verpsttch.et! Den echten, selbstlosen Adel der Seele in den künftigen Führern des deutschen Judentums erweckend, möge der K. C. blühen, wachsen und gedeihen zur Ehre des Judentums, zur Ehre des deutschen Vaterlandes t Studentisches ans der ersten Zeit der Diadrina. Von Dr. 0. K lempner - Berlin. In verklärten: Lichte erscheint mir heute die kleinbürgerliche Philisterkneipe an der Oder, die vor 25 Jahren ans ihren: beschaulichen Dasein so jäh herausgerissen wurde di:rch eine kleine