KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1911-1912
- Issue
- Heft 1 (1.10.1911)
- Date
- 1911-10-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Zersplitterung unserer schrvachen Kräfte entgegenwirken. Das; der U. E. mit seinem objektiven Standpunkt das richtige getroffen, daß er auf diesem Wege großen Einfluß ansüben konnte, beweißt die große Anzahl seiner ehemaligen Mitglieder, die in allen unseren Institutionen und Organisationen, gleichviel welcher Parteirichtung sie dienen mögen, treu und aufopfernd sich den Ausgaben des Judentums widmen und erhebliche positive Arbeit leisten, beiveist vor allem die Tatsache. daß gerade jene nnterden nichtakademischen jüdiststen Verbänden, die im leiste des K. C. auf allgemeinem Boden unter Ausschluß einer bestimmten Parteirichlnng sich gebildet haben, am besten gedeihen ttnd die wichtigsten Erfolge erzielen. Zn iveit höherem Grade als die Stellungnahme zit den Problemen imb Parteiungen des modernen Judentums ist die Tätigkeit des K. C. durch die methodische Ausbildttng charakterisiert, die sie dent jungen Akademiker von jeher gab und danlit in das Leben hinanstrng. Es war eine uerbliisfettde, wem: auch einleuchtende Wahrheit. die von der ersten K. E.-Berbindnng neu verkündet und in die Praxis umgeseßt wurde, daß ncan seinein Gegner mit seinen eigenen Waffen entgegentreten ntüfse. Man hat anfangs dieses Bestreben belächelt, es als klein mtd oberflächlich betrachtet, tveil eben die Waffen dein niedrigen Mvean des Gegners entsprechen mußten. Aber bald kant die Eittsicht, daß diese Methode lveit wirksamer war als die alte, die im Kampf gegen dett Antisetnitisttltls vornehmste Zurückhaltung nitd deit Streit mit rein geistigeit Waffen empfahl, sich im übrigen aber auf den unausbleiblichen Sieg der Gerechtigkeit intd die innere Kraft der Wahrheit verließ. Nur siegte leider die Gerechtigkeit von selber nicht! Die Inden hatten vergessen, daß es Leute gibt, denen man durch vornehme Zurückhaltung absolut nicht imponiert und die sich dtlrch stille Verachtung seitens des Gegners durchaus nicht sonderlich gestraft fühlen. " Die neue, frische Methode hat seither überall Schule gemacht. Wie die jungen Studenten der K. C.-Verbindungen mit der blanken Waffe sich gegen Eingriffe zttr Wehr fegten, so machten es alle später entstandenen akademischen Korporationen und mutatis mutandis die allgemein-jüdischen großen Verbünde auch. Geistiger Vater des Gedankens, daß man sich nicht auf das Gerechtigkeitsbewnßtsein der Welt und das Wohlwollen Andersgläubiger, sondern auf die e i g e n e rast verlassen nrüsse, lvar gewiß ein ai.derer, war der edle G a b r i e l Äiieffer, aber das Verdienst des K. C., die Wege gewieseit zu haben, wie man diese Theorie zur allgenieincn Praxis erheben könne, darf von der deutschen Iudenheit nicht hoch genug angeschlagen werden. Von ebenso großer Wichtigkeit ist die innere Erziehtnig geworden, die der junge Jude in der Verbindung erhielt. Teils mochten es Kleinigkeiten sein, belächelte Kleinigkeiten, auf die sie sich erstreckte, aber Imponderabilien, die bei unseren Lebensverhältnissen Bedeutung gewannen. Der junge Student bekam gesellschaftlichen Schliff, er lernte die Umgangsformen beherrschen, lernte auf sich tmd seine Haltung achten, und das nulßte auf weiteste .Kreise heilsam wirken. Es ist interessant, durch daS Studium alter Bierzeitungen der antisemitischen Verbände — diese Art Literatur kann also unter Umständen auch die Bedeutung einer historischen Quelle erhalteil — zu erfahren, welche Vorwürfe man in den achtziger Jahren dem jüdisihen Studenten machte. Der ganze geistvolle „Wip." ergießt sich, natürlich stark übertreibend, über krumme Haltung, unsauberes Aussehen, schiefgetretene Hacken und schmntstge Kragen, die ansthrinenend von unseren „Deutschen" als Zeichen eines schlechten Charakters angesehen wurden. Auch auf diesem Gebiete mußte der Jude lernen, und diese äußerlichen Schwächen, die in einem ernsten Kampfe so wenig wichtig erscheinen und die. da man sich auch bei ihrer Beurteilung auf das geistige Niveau des Gegners stellen muß, doch von Bedeutung sind, nmßten überwunden werden. Und daß durch die Arbeit des K. E. diese Aufgabe in. seinen Kreisen wie and) sonst fast überall in der deutschen Iudenheit gelöst worden ist. erhellt daraus, daß wir heute derartigen „Scherzen" völlig verständnislos gegenüber stehen. Der deutsche Jude tritt eben genau so auf wie jeder seiner andersgläubigen Mitbürger. Die Erziehung des K. E. erfüllte auch den jungen Inden — und das war natürlich weit wichtiger — mit dein Gedanken an Disziplin und nnbedingte Unterordnung, und wenn man einerseits bedenkt, wie wenig leider bei der so stark intellektuellen jüdisthen Gemeinschaft in innerjüdischen Fragen dieser Sinn entwickelt ist, wenn malt andrerseits aber sieht, wie mit geringen Ausnahmen eine beachtenswerte Disziplin ilnnterhin schoit in unsere Vereine unb Organisationen eingedrnngen ist, wird nmn die Niesenarbeit, die der K. E. durch diese heilsavte Beeinflussung der deutschen Juden geleistet hat, als volles Verdienst anerkennen. In der Schule des Soldatenlebens wllrde und wird der jltnge Mensch zum blinden Gehorsam erzogen, in der Verbindung lernte er sich freiwill i g einer s e l b st g e lv ü h l t e n Autorität unterordnen, vor alleln aber wttrde ihm die Achtlmg vor den Ueberzeugungen anderer beigebracht und die Fähigkeit, mit seinen eigenen Meinttngen mtd Anschauungen an der rechten Stelle zurückzuhalten. Wer genau wissen will, wie unend-