KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1911-1912
- Issue
- Heft 1 (1.10.1911)
- Date
- 1911-10-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 Erziehung die künftigen Führer der Gemeinschaft - in ihrer Jugend genießen. Denn die Einflüsse, denen sie unterliegen, die Ideale, denen sie nachstreben, lverdeu einst bestinunerrd sein für das Bild der ganzen Indenheit. Weitere Kreise werden gerade in diesen Tagen angeregt, einen Rückblick anzllstetten und zu untersuchen. von welcher Wirkllug auf die Gesamtheit die bisherige Erziehung des jüdischen Studenten gewesen ist. Denn vor nunmehr fünfundzwanzig Jahren wurde mit der Gründung der Breslauer jüdischen Verbindung „Biadrina" ein Erziehnngsfaktvr ins Dasein gerufen, dessen Schulung seither eine große Menge der Söhne unserer Gemeinschaft genossen hat. lind dieses Jubiläum ist nicht nur für beu engeren Kreis der Mitglieder der K. E.-Berbindungeu sondern für die ganze Indenheit Deutschlands von-Bedeutung, da die beträchtlichen Einwirkungen dieser Gründung auf das jüdische Leben für den aufmerksamen Beobachter auf Schritt und Tritt zu verspüren sind. Wenn man fragt, was der K. C. siir das deutsche Judentum geleistet hat, und sich demgemäß darüber Rechenschaft gibt, welche Ausbildung junge Juden dort genossen haben, muß man wohl unterscheiden zwischen der positiv jüdisch e it E r z i e h n n g inid der m e th o - d i schen S ch u l u n g d es Charakters. Was zunächst die jüdischeLebensallschannng betrifft die die Verbindungen ihren Mitgliedern uüt auf den Weg geben, so ist — und das mag der einzige je erhobene Vorwurf sein — die dabei beobachtete strenge Objektivität der Grundlage zuweilen getadelt worden. Malt hat ihr zum Borwurf gelllacht, daß sie deit jungen, empfänglichen Studenten mdjt genügend begeistere und kein nachhaltiges Interesse an jüdischen Problemen erwecke. Gerade iu dieser Objektivität liegt aber eill uilendlicher Borzug. Der junge Mensch wird bei seinem Eintritt iu die Verbindung nur auf seinen Willen zürn Jlldentum festgelegt, auf llichts sollst, vor allein auf keine Sonderrichtung religiöser oder politischer Natur. Wer da weiß, wie' leicht Leute in diesem Alter zu beeinslnssen silld, wie leicht lnau ihnen die Scheuklappen eines Parteistalldpllllkts aulegeu kann, wie schwer es aber ist, sich von diesen Jngendeindrücken später zu befreien, der rvird einen schätzbaren Vorzug darill erblicken, daß lnall die Gegeluvartsfragen der Religion und der jüdischen Politik Mlr referierend behaildelt. Die Charakterbildung, die auf allgemein jüdischer Grulidlage voll der Verbindung gegebell wird, läßt selbverstündtich ein jedes Mitglied fühlen, wie feige und unwürdig es ist', dereinst einer klaren Steltungnahlne auszuweichen, weist jeden darauf hin, daß er im Leben zu den jüdischen Problemen Stellung nehmen und seine Anschauung mannhaft verfechten m u ß. Aber der junge Student lernt, daß eures ehrlichen Sfandpullkts Grundlage llicht hohle Begeistermlg sondern Ueberzeuguug seilt soll, mtd diese ist das Produkt reicher Erfahrung. Sie envirbt malt, iltdem man sich im Leben nmschaut, lticht aber dilrch den Drill der Fllxenstllttde. Wessen Ideale nur auf jugendliche Begeisterung, die Ztt erzeugen so tvenig Schwierigkeiteit bereitet, zurückgehen. der weiß gewöhnlich im Leben selten diesseits der Grerlze zu bleiben, wo aus Begeisterung Intoleranz und Fanatismus wird. Nicht alle 3tnbciitou - Bereinigungen, die nach dem K. C. kamen. I-aben seinen für das jüdische Leben so ersprießlichen Standpunkt angetlolnlnen. Manche machcn entweder die Mitgliedschaft von dem Bekenntnis zu einer Sonderrichtung des JudeutllNls abhängig, odir sie geben zwar an, die kaum der Schule entwachsenen Jünglinge auf dett Boden der Objektivität ztt sammeln. führen sie aber nichtsdestotveitiger iu zielbervtlßter Arbeit einem bestimmten Parteistnlidpnnkt zu. Was sie dadurch wider ihreit gewiß guten Willen erreicht haben, ist weiter llicht erfreulich. Es fiub dadttrch auch im Judentum Strömungen großgezvgcn worden, die alles nur im engen Gesichtswinkel einer Partei und llichts von der Warte des ganzen Judentums betrachten. Beide Vorbilder haben mm weit über ihren Entstehungspreis hinaus gewirkt und das jüdische Leben beeinsülßt. Das letztere trägt indirekt die Schllld, welln manche Teile des modernen Judentllnls eilte Begeisterungspolitik treiben, die den Gegner nicht mehr verstehen will und in ihren Answüchsen bem Gesamtwohle des Judelltllms gefährlich wird. Demgegenüber dringt der Standpnllkt und das Borbild des K. C. es mit sich, daß die späteren Gegensätze des Lebens unter Männern, die einst zusammen auf aUgexueittem Bodeil gestrebt imb dabei Fr.'nndschaft miteinander geschlossen, zuin mindenrn aber gegenseitige Achtung gelernt haben, llicht so schroff empfunden werden köniten, da eine Allsartullg ins Persönliche ausgeschlossen ist. Alls beu jungen jüdischen Studenten »lögen später Orthodoxe, Liberale, Koliservative ulld Zionisten werden, die sich sachlich scharf bekämpfen. Tie persönlichen Beziehuligcn der Jugendzeit werde: r aber dem Streite eine vornehllie Note geben. Wäre der erzieherische Einfluß deä K. C. llvch größer als er schoir ist, würden alle jüdischen Studenten nach feinen Grundsätzen erzogen, so würde dem innerjüdischen Leben jene unerquickliche Seite persönlicher Kampfesweise, die ihnc noch immer anhastet, völlig fehlen, und eine größere Friedlichkeit und Vornehmheit würde der heute so häufigen