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KC-Blätter · 1911-08-01 · Heft 11 (1.8.1911) · p. Seite 179

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Journal
KC-Blätter
Volume
1910-1911
Issue
Heft 11 (1.8.1911)
Date
1911-08-01
Page
Seite 179 (sequence 17)
Language
German
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179 sie nur erzählt werden. Denn er will ans dem Buche weniger eine Belehrung als eine Unterhaltung schöpfen. Und diese Unterhaltung wird er in reichlichem Maße haben und wird sich freuen, manche alte Bekannte wiederzufinden, auch wenn er von deren Eigenschaft als „Wauderanekdoten* bisher vielleicht noch gar nichts gewußt hat. vr. Sewald Jaffe (Stettin). Kermann ZSeinheimer: Die Knisteh,rüg des Audentums. Zweiter Teil der Geschichte des Volkes Israel. Buchverlag der Hilfe. Preis drosch. 3, geb. 4 M. Im Zeitalter des doktrinären Rassen-Dünkels, der in der Form populärer Unwissenschaftlichkeil Herz und Geist kritikloser Fanatiker erobert, ist em Buch wie das vorliegende eine erfreuliche Erscheinung. Chronologisch umfast es die Geschichte des Volkes Israel non der babylonischen Gefangenschaft bis zur Zerstörung Jerusalems durch die Römer. (597 o. Ehr. — 70 n. Ehr.) Nach Schilderung der Heimkehr und des Wiederaufbaues des Tempels werden wir in die innerlichreligiösen Kämpfe des Volkes eingeführt: auf der einen Seite diejenigen, welche in der durch die äußeren Verhältnisse der Diaspora längst aufgegebenen nationalen E i n z w ä n g u n g der Religion ihr Heil sehen, auf der andern diejenigen, welche entgegen der scharfen Betonung der national kultmäßigen Religions-Ausübung eine Verinnerlichung und damit I n d i v i d u a l i s i e ru n g der Religion erstreben. Der Gegensatz dieser Richtungen wächst sich allmählich zu einem Contrast zwischen den Bewohnern Palästinas und den in der Diaspora lebenden Juden aus. Diese, unter dem Einfluß der welterobernden hellenistischen Kultur-Ideen, erstreben eine Verelniguitg des Judentums mit griechischer Philosophie. Zugleich assiinilieren sie sich in Sprache. Sitte und Körperpflege ihrer Umwelt. Die Palästinenser verstehen sich auf ein äußerlich-orthodoxes Judentum, von dem die Brücken der Priesterherrschaft und der Scheidung des Volkes in Priester und Laien zum späteren Katholizismus hinüberführen. Auf die Dauer aber hält selbst d'e feste Burg orthodoxer Abschließung in Jerusalem dem Anprall kosmopolitischer Ideen des Hellenismus nicht stand, und auch hier zieht hellenistische Kultur ein. Im Jahre IG8 erobert Antiochus IV. Jerusalem und errichtet in der heiligen Stadt dem Zeus einen Altar. Jüdischer Religion und jüdischem Wesen droht der Untergang. — Da erhebt sich im Gebirge in treuer Hingebung und tapfrer Opferfreudigkeit ein Häuflein Altisraeliten, die Makkabäer. Ihnen schließt sich die übrige conferoativ-bänerische Bevölkerung zum Kcnnpf gegen die brutale Willkür der Feinde an. Jerusalem wird wiedererobert, hellenistisches Wesen ab^eschüttelt, man besinnt sich auf sich selbst. Ja noch mehr : die Dynastie der Hasmonäer gründet ein n a t i o n a l e s K ö n i g t u m. 3llto Landesteile, in der Zeit des Verfalls verloren gegangen, werden zurückerobert. Mit dem steigenden Kraftgefühl entwickelt sich der Fremdenhaß, der Erreger des A n t i s e m i t i s m u §. Doch der alte Hader erwacht von neuem: hier Sadduzäer, „aristokratische Fürstenfreunde mit moderner Lebensführung und altem Glauben*, dort Pharisäer, „die demokratische Masse mit alter Sitte, und neuem Glauben* — eine eigentümliche Constellation! Der Bürger-Krieg tobt. Die Pharisäer, in dem Glauben, ihre religiösen Vorschriften desto genauer vollziehen zu können, je weniger sie sich mit Politik zu beschäftigen brauchten, entmannen sich so weit, von Pompejus die Fremdherrschaft zu erbitten. Sie wird ihnen gewährt. Das Recht der Juden auf Freiheit ist verscherzt, das Judentum als Volk vernichtet. Die endgültige Zerstörung des Judenreiches im Jahre 70 n. Ehr. bildet nur den formellen Abschluß der zur Vernichtung des Judenftaates führenden Entwicklung der letzten hundert Jahre. In einem Punkt muß hier dem Verfasier widersprochen werden. Er meint, mit der Bannung in pharisäische Unfreiheit habe das Judentum seine religiöse Entwicklung bis auf den heurigen Tag abgestoßen. Weiß Weinheimer nichts von den religiösen Erneuerungsbestrebungen im vorigen Jahrhundert, oder will er nichts davon missen? Das schwierige Problem, das sich der Verfasser gestellt hat. hat er glänzend gelöst. Besonders gut ist die wahrhaft plastische Darstellung der hevortretenden Persönlichkeiten gelungen — ohne tendenziöse Phantastik L la Ehambarlain. ohne parteiisch aufdringliche Deutung ihres Wesens. (An manchem Hinweis spürt man aber den protestantischen Liberalen heraus!) Jedem, der sich für Religions-Geschichte, besonders jedem Juden, der in traditionell-berechtigtem Stolz auf die kulturellen Leistungen seiner Vorfahren hohe Persönlichkeits-Werte erblickt, sei das Buch empfohlen. Uns K. C.ern wird es außerdem ein gutes Abwehrmittel gegen die Behauptung der Rasse- Antisemiten sein, das Judentum entbehre der Tiefe und des Gemüts. Ludwig Czapski (Heidelberg). „Kheleute". Roman von Martin Beradt. S. Fischer. Verlag Berlin. Die Besprechung dieses Romans in unsern Blättern ist um dessentwillen nicht ohne Ursache,

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