KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1910-1911
- Issue
- Heft 11 (1.8.1911)
- Date
- 1911-08-01
- Page
- Seite 180 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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180 weil sowohl die Person des Verfassers wie die Konfession der „Eheleute" selbst (Herr Stern, Herr Livland und ihre mit ihnen wechselnde Frau Susann« geb. Anschütz) den literarurfreundUchen K. E.er auf das Buch aufmerksam machen soll. B e r a d t ist ein junger Rechtsanwalt am Kammergericht, der durch seine von Maximilian Harden begönnerten Abhandlungen über die Richter- und Anwaltspsyche Aussehen erregt hat und kürzlich infolge eines literarischen Mißverständnisses in Conflikt mit einem Teil der deutschen Anwaltschaft geriet, die sich durch seinen artistischen Stil beunruhigt fühlt. Die literarische Abteilung seiner Begabung wies Beradt auch auf die Betätigung in. der schonen Literatur hin, und so legte er nach seinem Kinderroman „Go" uns am Ende des vorigen Jahres seinen Roman die „Eheleute" vor. die der angesehene Verlag von S. Fischer Berlin herausgab. Bei der abstrahierenden Natur des Verfassers, die in seinen sozial-psychischen Studien hervortrat, ließ sich erwarten, daß er im Roman, der einen so einfachen und grandiosen Titel führt wir „Eheleute", uns an der Hand eines Einzelschicksals das Wesen der modernen Ehe beweisen würde. Natürlich gibt es tausendfältige Arten von Ehen, aber in der Ehe des nur tin Geschäftlichen lebenden, ungebildeten Kaufmanns mit einer sensiblen Frau feinerer Kultur erwachsen so viel typische Züge für eine große Anzahl jüdischer Großstadtehen, daß es für Beradt eine ideale Aufgabe war, ein solches Menschheitsbild zu zeichnen. Beradt bemüht sich auch sehr uns die komplizierte und sch a, er faßliche Atbmosphäre eines solchen Zusammenlebens und Jneinandergewöhnens mitatmen zu lassen; ob er aber die hohe Aufgabe erreicht, die der Titel kundgibt. und ob dieser nicht für sein Buch zu prätentiös erscheint, will ich dahingestellt sem lassen. Seine Darstellung, so viele feine Einzelzüge sein wohlkultivierter Verstand auch aneinanderreiht, läßt doch seine Menschen nicht recht lebendig erscheinen. Es ist zu viel, wenn auch sehr geschickte Construktion in dem Roman, schon die logische Gliederung der Schicksale der verwöhnten Susanna läßt den klaren Verstand des Schriftstellers, doch nicht die künstlerische Seele eines Dichters erkennen. Hierbei soll aber nicht verschwiegen werden, daß manches sehr schön geriet, so z. B. die frauenhafte Sehnsucht kauflustiger Damen, mit wertvollen Stoffen sich umzutun. sodann die soziale Lage des kleinen Berliner Rechtsanwalts, der ein Bureau aus dem lieber« fluß der Großen nur sich schaffen kann, und rein dichterisch das Beste, die vorzügliche Zeichnung des Elternpaares der Susanna. der kernige, einfache Vater, die geschmacklose Pute von Mutter. Aber freilich, wir haben vorher „Jetlchen Gebert" gelesen. und da ist dieser Reichtum an Typen noch größer. Und so macht Beradt in seinem Roman den Eindruck eines durchaus gebildeten, höchst geschmackvollen Menschen, der vieles kennt und ein richtiges literarisches Gefühl hat. Ein begabter Nachempfinder, der beweist, daß man lediglich mit dem Verstand auch dichterische Bücher schreiben kann, die nicht einmal schlecht sind, weil der Verstand genau weiß, was schlecht sein könnte. E. H. Die «Ägrardemagozie in Deutschland, Hurt. Bürger. Sel b st verlagGr. Lichterfelde W. Ringstr. 34 (Pr. 1.50). Der Verfasser hat eine Menge recht brauchbares Material zusammengetragen, um ein grelles Schlaglicht auf die Tätigkeit des Bundes der Landwirte und der biefem nahestehenden Parteien zu werfen. Es liegt durchaus kein ins Einzelne gehendes Werk vor. in dem zu wirtschaftSpolitischen Fragen Stellung genommen wird, aber an der Hand konkreter Beispiele bringt es eine für die politische Agitation in Wort und Schrift durchaus wertvolle Zusammenstellung. — Was von der kousessionellcn Hetze des Bundes der Landwirte gesagt wird, ist nicht neu. Wir wissen, was wir von einer Partei zu halten haben, die als politischen Leitsatz den „Kampf gegen die zersätzenden Mächte des Freisinns, Judentums, und der Sozialdemokratie proklamiert". Sicherlich nicht ohue Absicht ist das Büchelchen jetzt kurz vor den Reichstagswahlen in die Oesfentlichkeit geschickt worden. Möge es. indem es der freisinnigen Agitation dient, dazu beitragen, den Antisemitismus im politischen Leben zu vernichten. Walter Glaser (Stettin). Schluß der Aedaktiorr für Ar. 12: für den studentischen Teil: 22. September 19tl für Anzeigen:.25. September 1911 Anfsähe für den allgemeinen Teil werden jederzeit entgegengeuvmmen und kommen möglichst in der nächsten Nummer zum Abdruck. Verantwortlicher Redakteur für den allgemeinen Teil: Dr. Ernst Hochschild in Colmar i. (£., Hohnackstr. 7, für den studentischen- und Nachrichtenteil: I. V.: Dr. Sewald Iafs6 in Stettin, Elisabethstr. 12. Kassenverwaltnng: K a r l L ö w e n st e i n in Cöln, Salier-Ring NO. Verlag, Expedition und Druck: Philipp Amsel in Cöln, Mauritinswall 52.