KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1910-1911
- Issue
- Heft 11 (1.8.1911)
- Date
- 1911-08-01
- Page
- Seite 175 (sequence 13)
- Language
- German
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175 die städtischen Krankenhäuser in die Universität einbezogen werden sollten. Die Kosten sollten, abgesehen von einen, Bauplatz, den die Stadt hercmszugebcn hatte, von privater Seite aufgebracht werden. Nachdem eilte Kommission sich wochenlang mit der Frage beschäftigt hatte Ulld auch Gutachten von verschiedenen Ulliversitätell eingeholt worden waren, wurde in der Kollllllissioll beschlossen, der Errichtung einer Stiftungsuniversität zu zu st im,neu. Für die Errichtung ftimmtcu sänttliche bürgerliche Parteien. Die Sozialdemokraten waren dagegen lind verlangten die Errichtung einer freien Gvethesti ftung, die unabhängig vom preußischen Staat sein sollte. Genau wie in der Kommission ftimmtcu auch im Plenum sämtliche bürgerlichen Parteien für den Antrag, während die 'irr Sozialdemokraten dagegen stirnlnten. Der Arankfurter Zlniversitä'tsplan und die Anden. Durch die Blätter ging im vorigen Monat die Nachricht, daß Herr Jakob Schiff aus New-Vmk in einer Audienz beinl Kaiser die Absicht geällßert hätte, für die geplante neue Universität in Frankfurt a. M. 2*/a Millionen Mark zn ftiftcu, falls dafür Garantien gegeben würden, daß dort jüdische Gelehrte, abweichend voll der jetzigen Praxis allderer delltscher Universitäten in gleichen' Weise als ordentliche Professoren angestellt werden könnterl rvie christliche. Trotz der sofort entstandenell Zweifel an der Alithentizität dieser Nachricht wurde der ganze antisemitische Troß gegen das Projekt dieser vernieintlichen „senntischen" Ulliversität auf die Beine gebracht. Deshalb ist es mit Genugtuung zn begrüßen, daß utau in Frankfurt selbst jetzt Gelegenheit genommen hat, neben anderen die geplante Universität betreffenden Frageil auch diejeilige des Zusammenhanges faktischer jiidischer Gleichberechtigung all derselben mit dem ganzeil Projekt vor der Oeffentlichkeit zn erörtern llild klar zn stellen. Auch über die Stellnlig Mr. Schiffs zu dieser Angelegenheit erfährt man dadurch Genaueres. Der Fortschrittliche Bolksverein in Frailkfnrt a. Main hatte zn diesenl Zwecke eine öffentliche Versammlung unberufen. Jil derselben ging bei der Besprechung der Organisation l)r. H eil - bru ilil besonders auf die Frage der Erilennling d e r P r o f e s s o r e il ein. Er erwähnte den sozialdenlokratischen Antrag, woilach die städtischen Leistungen vertraglich davon abhängig gemacht werdeil sollen, daß die religiösen, politischen unb wissenschaftlichen Ueberzengungen bei Berufllllgen keine Nolle spielen. Dieser Äutrag ist undurchführbar. weil eine derartige Vertrngsbestlinmung nur ans dem Papier stehen würde. In Jena, wo die Zeiß-Stiftung einen ähnlichen Vorbehalt macht, sind die Verhältnisse um keül Haar anders als an preußischen Universitäten. Die Mehrheit zog es vor, die Freiheit der Ueberzengnng durch praktische Kantelen zu sichern, vor allem durch die Zusammensetzllllg lllld die Vestimmnttgcn für Kuratorium und Bcrwaltnngs ausschuß. - ür. med. Rothschild- Soden (Bad.) bezeichllete die gegenwärtige deiltfche Universität als die reaktionärste Institution istürmischer Beifall), in der jede freiheitliche Bewegung unterdrückt werde. Glicht nur das Ministerium, auch die Professorenkligue sei reaktionär bis auf die Knochen. Kein einziger Jude sei ordentlicher Professor an einer deutschen Fakultät geworden. iHört!) Wollen Sie eine solche Institution nach Frankfurt verpflanzen? (Zuruf: Nein!) Reaktionär sei auch vielfach die Studentenschaft. Die deutsche Burschenschaft trete ihre freiheitliche Vergangenheit mit Füßen; seit HO Jahren habe sie keinen Inden anfge- 11001,10.'u. Die Frankfurter Universität werde nichts sein als ein Zentrum reaktionärer Bestrebungen. Bisher sei es noch mit viel Geduld nwglich gewesen, hier als Jude in die chirurgische Karriere hinein zu kommen. In 12 Jahren sei das ein einziges Mal in den, freien Frankfurt gelungen iHört?). In Zukunft werde das vollends ganz „„nwglich sein. Der Redner bedauerte, daß fortschrittliche Leute den reaktionüren Universitätsplan fördern. lStarker Beifall.) Professor Rößler: Wenn es gelingt, was bestinnnt zu hoffen ist. ,vie bei der Akademie dasselbe Borschlagsrecht zu erreichen, so wird es niemals Schwierigkeiten geben. Der gegenwärtige Rektor der Akademie ist übrigens Irrde und zwar ist er mit Zustimmung der Regierung gewählt. l)r. ned. M a x A! a i „ z e r (Bad.) erinnerte an die Tätigkeit Karl Weigerts, die dieser in Frankfurt entfalte e, weil er als Jude an einer deutschen Universität nicht Ordinarius werden konnte. Vielleicht werde Frankfurt in solchen Fallen in Zukunft nicht ,nehr als Zufluchtsstätte dienen können. (Prof. Rößler: Warum nicht?) Die K anteleu. die von der Stadtvecordnetenkonunission vorgesckstagen iverden, bedeuten wohl einen gewissen Fortschritt, aber bei den, Antisemitismus der Fakultäten würde auch ein Borschlagsrecht nach dem Vorbild der Akademie wenig nützen. Ban 1er Wolf erklärte, nach seinen Informationen habe es Herr Schiff abgelehnt, für eine Frankfurter Universität 21/* Millionen zu stiften, weil unter der preußischen Reaktion die Gleichberechtigung der Konfessionen nicht dnrchgeführt sei. Man solle in der ganzen Frage nicht so eilig vorgeheu und warten, bis mit der preußischen Reaktion im Landtag nach Einlösung des könig-