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KC-Blätter · 1911-08-01 · Heft 11 (1.8.1911) · p. Seite 176

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Journal
KC-Blätter
Volume
1910-1911
Issue
Heft 11 (1.8.1911)
Date
1911-08-01
Page
Seite 176 (sequence 14)
Language
German
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176 licherr Wahlversprechens aufgeräumt sei. Es handle sich um ein Lieblingsprojekt des Oberbürgermeisters, dessen gewaltige Verdienste inn die Stadt sicher anzuerkennen seien. Aber die ganze Frage sei so wenig geklärt und die Meinungen in der Partei gehen so weit auseinander, daß die Stadtverordneten die ungeheure Verantwortung nicht auf sich nehmen können. Auch Baronin Wilhelm von Rothschild hat dem Vernehmen nach, als sie zur Zeichnung anfgefordert wurde, die Garantie verlangt, daß wenigstens an dieser, in der Hauptsache von jüdischen» Gel de gestifteten Universität die Parität gewahrt werde. Diese Gewähr konnte ihr »licht geboten werden, und sie hat demzufolge eine Zeichnung abgelehnt. Gleichzeitig hielt auch der Frankfurter National liberale Verein eine Versammlung ab, dessen Fraktion dem Projekt sehr sympathisch gegenüber stehe. Gegner der Universität, meinte einer der Redner seien diejenigen, die ansstreuen, es solle eine spezifisch „semitische" Universität gegründet werden. Eine derartige Behauptung sei aber einfach lächerlich. Wenn Juden gleiche Rechte erhalten, so sei dadurch die Universität nach lange keine Talmud-THvra-Schule. Aus allen diesen Debatten geht hervor, daß bisher genügende Garantien für eine künftige gerechte Behandlung der Juden an der geplanteil Universität Frankfurt noch nicht geschaffen werden konnten und daß bis zil den» Zeitpunkte, wo das geschieht, die Bürgerschaft Frankfurts nicht gewillt ist, um einer neuen Universität nach dem Vorbilde der bestehenden »uillen größere Opfer zu bringe»!. Uns Juden ka»»n eine solche Haltung nur mit Besriedig»»ng erfüllen. Wie lange studieren die deutschen Studentenl Ueber den Zeitraum von 1899—1909 sind Erhebungen über die Stndiendauer unserer Studenten angestellt »vorden. Wie die von» Königl. preußischen Statistischerl Landesaint herailsgegebene Statistische Korrespondenz »nitteilt, haben in diesen» Zeitraum mit der geringsten zulässigen Studiendauer ihr Studiuin beendet: von je 100 Studierenden der evangelischen Theologie nach 6 Senrestern 21,2; der katholischen Theologie 40,2; der Jurisprudenz 60,7; der Medizin nach 10 Seinestern 40,2; der Philologie nach 6 Semester:! 7,6; nach 7 Semestern 8,7; nach 8 Semestecu 26,8. Hieraus ergibt sich, daß nur der kleinere Teil der Studenten die vorgeschriebeue lürzeste Studiendauer innehält. Weiter wurde berechnet, daß die durchschnittliche Dauer des Aufenthalts auf der Universität für Theologen fast 8 Seinester, für Jurisprudenz 7,2, für Medizin 12,7, für die Philologen und Historiker 10,2 Semester beträgt. Hierbei sind alle Studenten, a»lch die beiuovsteu .Häupter in Rechnung gezogen. Infolgedessen dürften die Zahlen etwas zu hoch gegriffen fein. Illach ForUasstmg der alte»» Semester fauu man die normale Studiendauer bei der Theologie auf 7,4, bei der Jurisprudenz auf 0,0, bei der Medizin auf ll, der Philologie auf 9, der Matheiuatik und Naturwissenschaft auf 8,9 augeben. ^rolestverjammknng der berliner freien Studentenschaft. Gegen die Auflösung der Freistndenteilschaften von Leipzig und Halle hat die Berliner freie Studentenschaft in einer Versammluug im Tiergartenhof protestiert. Es »vnrde eine Resolution angenon»»nen, in der das Vorgehen der akademischen Senate gegen die ältesten Freis udentenschaften Deutschlands, deren Arbeit steigende Anerkennung von Behörden und Studentenschaft gefunden habe, bedauert wird. Die Auflösung bedeute eine schwere Schädigung der Interessen derNichtiukvrporierteu u»»d »»»iisse als Eingriff i»l die akade»nische Freiheit auf das schärfste zurückgeivieseu werden. Man stehe den aufgelösten Freistudentenschaften mit s»i»npa1 hi scher Teilnahme gegenüber und hoffe auf eine baldige Wiedergründnng. Zun» Schluß »vnrde die kürzlich ergangene Anordnung des Berliner Senats, vor der Universität das Verteilen mm Flugblätter»» zu verbieten, besprochen, »md ei» e Resolution gefaßt, die ausführt, daß man im Gegensatz zu dein Senat nicht der Ansicht sei, das; Ordnung und Reinlichkeit durch die Flugblattverteilung, bei genügenden Vorkehrungen zur Unterbringung wcggeworfeuer Flugblätter, gefährdet sei. Das Präsidium der Versammlung wurde ersucht, beim Senat »ucgci» Aufhebung des Verbotes vorstellig zu »verdeu. WrvbanSs--Nachrichten. Wuringia. Wie alljährlich peranstalteten »vir auch dieses Jahr an» Himmelfahrtstage einen größeren Ansflug. Unter großer Beteiligung führte unser Weg durch das herrliche Schlcsiertal über dir Kynsburg nach Charlottenbrunn. Am späten Nachmittage fuhren wir nach der Kynsburg zurück, wo der schone Ausslug »nit einer Vowlenkneipe endete.

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