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KC-Blätter · 1911-08-01 · Heft 11 (1.8.1911) · p. Seite 173

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Journal
KC-Blätter
Volume
1910-1911
Issue
Heft 11 (1.8.1911)
Date
1911-08-01
Page
Seite 173 (sequence 11)
Language
German
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173 bei. Glagau nntr mu sein Gelb ärmer, aber um eine Erfahrung reicher, bie fiir sein ganzes weiteres Leben bestimmend sein sollte. Er begann in der banmls verbreitetsten Familienzeitschrift Deutschlands, der „Gartenlaube", eure Serie über den Börsen- und Gründnngsschwindel. Die Artikel erregten Sensation, wurden Gegenstand der parlamentarischen Verhandlung. Sie erschienen, vermehrt und antisemitisch zngespitzt, als Buch. Andere Schriften ähnlichen Inhalts und derselben Tendenz folgten. Der journalistischpolitische Erfolg war ungeheuer. Was der Inhalt der Veröffentlichungen allein vielleicht noch nicht erreicht hätte, bas erreichten die maßlos heftigen Angriffe, die die betrcffeubcu Kreise gegen den kecken Journalisten schleuderten. Glagau wurde eine Macht. Er, der zuerst eigentlich nur zufällig und feuilletonistisch in Antisemitismus gemacht hatte, wurde allmählich grundsätzlicher Antisemit. Er ging der ganzen liberalen Gesetzgebung, die er für eüien Ausfluß jüdischen Geistes hielt, zu Leibe, er prägte das Schlagwort: „Die soziale Frage ist die Judenfrage", er wollte gegen den jüdisch-liberalen Geist — beides gebrauchte er immer als indentisch — einen neuen Kulturkampf beginnen und gab zu dem tfioecfe seit 1880 eine Halbmonatsschrift „Der Knltnrkämpfer" heraus. Ich habe den alten Glagau gut gekannt uub bereite es wahrlich nicht. Wir kamen regelmäßig einmal in der Woche in dem Hinterzimmer einer kleinen süddeutschen Weinstube zusammen. Mancher war darunter, dem es heute außerordentlich peinlich sein würde, wenn man ihm daran erinnerte, daß auch er zur Glaganschen Tafelrunde gehört habe. Glagau wußte prachtvoll zn erzählen. Er war nicht tief veranlagt und hatte eine sehr ungenügende wissenschaftliche Bildung. Aber er war angefüllt bis oben mit interessantem Stoff, und er wußte ihn interessant wiederzugeben. Er hatte wirklich hinter die Kulissen geguckt, und was ihm an eigener Kenntnis abging, das war ihm von eingeweihter Seite zngetragen worden. Seine Beziehungen reichten sehr weit. An seinem „Knltnrkämpfer" arbeiteten sehr hochgestellte Leute, hohe Beamte, einflußreiche Politiker der verschiedensten Richtungen mit. Er war ein Samelbassin fiir alle Unzufriedenheiten geworben. Ob man auf die Inden eine Pike hate, ob man Bismarck eins answischen wollte, ob man sonst an einem Minister sein Mütchen zn kiihlen wünschte, ob man sich gegen Miguel, Bennigsen oder sonst einen großen liberalen Politiker wandte, immer war bas Glagansche Organ bereit, alles zn verwenden, was sich irgendwie unter dem Begriff des Kampfes gegen den jüdisch-liberalen Geist einreihen ließ. Nie gab er seine Gewährsmänner preis. Alle Artikel sahen ans, als ob sie von ihm selbst herrührten. Tatsächlich arbeitete er auch jeden einzelnen so durch, daß er sein eigenes Gepräze annahm. Sein Stil war eigenartig. Jeden'alls schrieb er niemals langweilig. Und da der Stoff fast immer mit pikanten Personalien gewürzt werden konnte, so bot er immer eine reizvolle Lektiire. Der Reiz war um so größer, als mm wußte, baß. so schief die Beurteilung auch »ein mochte, ein tatsächlicher Kern fast immer vvrhanben war. (Forts, folgt.) Die Saale-Zeitung über den ft. ff. Die politische Presse beginnt über die Institution bes K. C. zu reflektieren und ans seiner Sonderstellung Rückschlüsse auf unsere kranken akademischen Verhältnisse zu ziehen. Daß dazu die „K. C.-Blätter" den Anstoß geben, ist natürlich, da durch unser junges Organ Tausenden erst die Existenz des K. C. bewußt geworden ist. Ein akademischer Verband, der über sich publieieren kann, ist etwas anders als ein Stttdentenverein, dem die Commnnikativu in die Außenwelt fehlt. So ist es denn sehr erfreulich, was die weitverbreitete, in Halle erscheinende „S a a l e- Z e i tu n g" über uns im Verlauf eines Leitartikels „Student und Politik" schreibt, erfreulich, weil die politischen Geister breiter Bernfsstünde und aller Evnfessionen so den K. E. kennen lernen: „Auch die Burschenschaften verlangen jetzt, daß ihre Angehörigen politisch empfinden lernen sollen. Auf dem letzten Reichskommers der Anrschcn schäften fielen denn auch scharfe Worte gegen die Eonlenrsimpelei und nationale Hurrastimmnng, gegen die kritiklose Unterwerfung unter rlles Bestehende, Offizielle, mit serviler Beugung vor der jeweiligen Autorität. Solche Worte müssen den „nationalen" Hurraschreiern in der Studentenschaft arg in den Ohren geklungen haben. Für moderne Kultur kämpfen auch noch energisth die akademischen Freischaren und der akademische Freibund, der dem Liberalismus im weiteren Sinne sich zurechnet. Wie wenig aber dcr Toleranzgedanke bei den oberen Verwaltunzsbehörden' und entscheidenden Stellen Geltung hat, beweist eine interessante Statistik, die die kk. C.-V e rb i n d u n g e n ausgestellt haben. Das sind jüdische farbentragende Verbindungen, die streng vaterländisch gesinnt sind und unbedingte Satisfaktion geben. Sie sind zur Abwehr antisemitischer Uebergriffe an den

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