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KC-Blätter · 1911-08-01 · Heft 11 (1.8.1911) · p. Seite 171

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Journal
KC-Blätter
Volume
1910-1911
Issue
Heft 11 (1.8.1911)
Date
1911-08-01
Page
Seite 171 (sequence 9)
Language
German
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171 zu lassen. Die Taufe ist nur ein sehr bedingter Vorteil für die Kinder, aber ein unbedingter Schaden für das Judentum. Ans Fürsorge für die Seinen glaubte er es getan zu haben. In Wahrheit war unverzeihliche Schwäche die Triebfeder, begünstigte bedauerliche Gedaukenlosigkeit die Schädigung der jüdischen Sache. So wird dem Jndentnme schlimmerer Abbruch getan, als es durch die ärgsten Verdächtigungen gewerbsmäßiger Antisemiten geschieht. Hierher gehören die noch viel zu zahlreichen, die es ängstlich vermeiden, sich offen zum Judentum zu bekennen, die vieleil, die lieber Spott und Zurücksetzung Liber sich ergehen lassen, um nur keinen neuen Kampf heranfzubeschwören, die andern, die berechtigte Ansprüche aufgeben, weil sie des Mißerfolges von vornherein sicher zn sein wähnen. Nichts als Schwäche, wo ein starkes, von feinem Wert durchdrungenes Selbstgefühl allein jur Besserung und endlich zum Ziele, das ist zur vollen Geichachtnng. führen kann. llnd deshalb lobe ich mir die K. C.-Tendenz. Sie kann uns — nicht nur uns K. C-.ern, sondern uns deutschen Inden allen — ein Wegweiser sein ins gelobte Umtb unsrer Zukunft, wo der Antisemitismus ausgerottet ist mit Stumpf und Stiel. Wenn frohes Selbstbewußtfein und klare Einsicht allenthalben in nusern Reihen heimisch sind, wenn Gedankenlosigkeit und Schwäche, das häßliche Paar, ihre unheilvolle Wirkung nicht mehr üben, bauu sind wir alle auf dem rechten Wege. Deshalb wendet sich die K. E.-Tendenz mit vollem Rechte nicht bloß gegen den Antisemitismus der Andersgläubigen. Unser Tendeuzdaragraph ist die Kriegserklärung gegen den Antisemitismus in jeder Form. Und nicht zum wenigster! gegen die Erscheinung, die wir den innernAntisemitismus genannt haberr. Dom deutschen Antisemitismus.*) Vvn H. von Gerl ach. Lieber Professor! Wie in Dreiteufelsnamen kommst Du denn auf einmal zur Nossischen Zeitung? Solange ich Dich kenne, habe ich bei Dir nur Deinen geliebten Egytertös gefrurdeu, und gegen deutsche Zeitungen insbesondere hast Du doch als Kern¬ *) Wir bringen hiermit einen außerordentlichen fesselnden Aufsatz des christlichen Politikers H. v. Gerlach pan Abdruck, den wir dem Nanmannschcn. Jahrbuch „Patrm", Jahrgang 1904 entnehmen. (Die Red.) magyar mit dem schönen bcutfdjcn Namen stets eine so tiefgehende Abneigung bekundet, daß Du es für bedenklich hieltest, sie durch Sachkenntnis noch zu verstärken. Und nun muß Dir ausgerechnet die Bossische Zeitung in die Hände fallen, die außerhalb Berlins eigentlich niemand kennt. Du brauchst übrigens nicht zu glauben, da'; Du mich in Verleget!heit bringst, wenn Du von mir Auskunft wünschest, was ich zn den Behauptungen des Blattes, das wir hier „Tante Voß" zu benennen pflegen, über meine Stellung zum Antisemitismus zu sagen habe. Tu kannst Dir gar nicht denken, daß jemand, der Antisemit war, es später nicht mehr ist. ultd Du scheinst wahrhaftig zu meinen, daß die alte Nörgelte nte recht hat, wenn sie meinen Antisemitismus nicht für echt hält. Ja. alter Freund, ich bin eben kein Magyar wie Du — ich bemühe mul), diese Worte ernsthaft niederzuschreiben, wahrhaftig! —. sondern ein systematischer Deutscher. Bei Euch in Ungarn habe ich allerdings die merkwürdigsten Sachen erlebt. Weißt Du noch, wie wir mit devl Abgeordneten Weiß zusammen waren, dem magyarischen Fanatiker'!? Ich kannte den Mann nicht, hielt ihn ihn. offen gestanden, nach Namen und Aussehen auch eher für einen Sohn Abrahams als Arpads. und war darum um so überraschter, als er, nachdem wir uns genau eine Viertelstunde kannten, in dem öffentlichen Lokale mit lautester Stimme eine Schimpfrede gegen die Inden vom Stapel ließ, wie man sie manchmal binnen 4 Wochen im Wiener Gemeinderat nicht zu hören bekonunt. Meine Ueberraschung ging jedoch in den Zustand einfacher Paffheit über, als derselbe Mann, dein Ahlwardt eben noch den Bruderknß hätte auf die Stirn drücken können, sich als Mitglied der liberalen Regierungspartei zn erkennen gab. die nicht nur massenhaft Inden in ihrer Mitte zählt, sondern deren Führer soeben den Juden das Zeugnis ansgestellt hatte, daß sie die „besten Patrioten, geradezu Chauvinisten", seien. Als ich mit meinem deutschen Doktrinarismus ein leises Befremden über diesen Zwiespalt der Natur zu äußeru wagte, beruhigte mich Herr Weiß sofort gründlichst. Er sei keineswegs Antisemit, sondern halte die Inden privatim für Schweinehunde. Und!vie herzlich Ihr alle lachtet, als mein Gesicht immer verdutzter wurde! Ja, alter Junge, damals kannte ich Euch Alagyaren eben noch nicht, die Ihr es meisterhafter als irgend ein Volk der Erde versteht, offizielle und Vcivatmeinung von einander zu scheiden. Du aber scheinst mich auch jetzt noch nicht zu kennen. Gewiß gibt es auch bei uns in Deutschland Leute, die mit der offiziell korrektesten Stellung zur Judenfrage eine starke Dosis

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