KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1910-1911
- Issue
- Heft 11 (1.8.1911)
- Date
- 1911-08-01
- Page
- Seite 170 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2268830-2268861-2268873--0226-2269431- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
170 ist einer von den Konflikten, die sich ohne unser Zutun in Zukunft lösen, das entsprießt der soviel mißverstandenen organischen Entwicklung im Völkerleben, Und darum, weil solche Erwägungen junge Köpfe nur verdrehen können »mb" von Gegcnwartsarbcit ablenken, raus mit Zionismus nnd Anti-Zionismus ans den Reihe»: der jüdischen Jugend. Den» anfinerksarneu Beobachter der Gegcn»vartströn»u»»gei» der Indenheit wird es aber nicht entgehen, daß speziell die zionistische Bewegnng, wie infolge aller intensiv arbeitenden jüdischen Bestrebungen mit Gegenwartsnrbeit, so auch unter der Jugend-Organisation leidet. Es ist klar, vor ca. 10—20 Jahren, als Centralverein, K. C. usw. nur relativ wenig positiv jüdische Arbeit oder doch nur rein äußerliche verrichtete»», da war die zionistische Beivegung die einzige, die den», der etivas mehr in unserer Sache wollte. ^als sich nur mit Antis herumprügeln, Gelegenheit gab, jüdisch zu sein. Und all'"die Heißblütigen, U»»befriedigten n»»d zahlreichen kritiklose»» J»»»»ge»» und alten nuiubtcn sich ihr z»». Sie w»»rde das A»»sstußrohr unserer Gefühle. Als da»»n aber, d»»rch sie ge»»ötigt, die übrigen Orga»»isationer» anfi»»gei» zu arbeite»» und"aus ihrem Schlendrian zu envachen, da sahen viele jener Mitläufer ein sie »»»ehr befriedigendes Betätignngsfeld »»»»d wandten sich dem zu; »»r»d in diesen» Si»»»»e »verden die Jugend Organisatione »»ngervollt dein Zionis»»»»»s ganz besonders Abbruch tun, der das »vohl fühlend, sucht, teilrveise mit Erfolg, diesen unbebauten. doch fruchtverheißenden Boden zu erobern. Aus all diesen Gesichtspunkten heraus ist die jüdische Jngend-Orga»»isatio»» ein wichtiges Feld der Znkunst. die Stätte, auf der dem Gros unserer Jugend seine Erziehung, feine Richtschnur gegeben wird. Nütze»» »vir K. C.er das Gebiet in unser»»» Si»»ne — der praktischen Lösung jüdischer Fragen, »»icht der unfruchtbaren Disk»»ssion der Judenfrage! Dom inneren Antisemitismus. Vvn vr. Zernik (Licariae) Leipzig. Wir Juden haben Feinde in jedem Lager. Daß Andersgläubige uns aus Mißgunst, Unverstand und schlechter Gewohnheit iibelwoUcu, ist schlimm für uns und beschämend für die Zeit. Schlin»»ner noch sind die a»»tise»»»itischen Erscheinungei» i»n eig»»en Lager. In diese»»» Sinne kann mar» von innere»»» Antisemitismus sprechen. Er »»»»terscheidet sich von de»n der Gegner dadurch, daß er schadet, ohne es zu »vollen. Den»» die Fälle, wo ein Jude bewußt jndenseindlich handelt, sind glücklicherweise so rereinzelt, daß wir sie bei unsrer Betrachtung be feite lasse»» könne»». Die jüdischen Antisemiten, »in» denen hier die Rede ist, si»»d Antisemiten »»icht der Gesinn»»ng nach, sondern in Ansehung der Wirkung. Und »»»er etrva Antiscmitislnus nur als Gesiunungsfarbe gelten läßt, darf »»»»lern» Begriffe jede Berechtigung absprechei». L.lir fassen aber Antiseinitisinus iveiter, i»ä»nlic) als jedes in die Erscheinung tretende jndenfchädliche Wirken. Ist dar»»acl» der jüdische oder in»»ere A»»tise»nitis»n»»s »veniger verächtlich, so ist er i»m so gefährlicher. ^)en»» er ist, »vie es immer mit eigenen Fehler»' geht, nur widenvillig und schlver einzusehen und ebendaru»»» auch nur sch»»»er abzulegen. Der einzelne Jude hat mai»nigfache Gelegenheit, d»»rch sei»: Tun und Lassen, Handeln linb Reden, dem Judentum zu nützen — oder zu schaden. Wir wissen, »vie oft er ihm schadet. Glicht in böser Absicht, sondern aus Gedankenl»»sigkeit und a»»s Schwäche. Beispiele si»»d jede»»» ans eigner Erfahrung bekannt und gclä»»sig. Jeder feunt den Juden, der die a»»tise»»»ilische Tendenz einer Zeitung verachtet und ih»' gleichivohl durch Abonner»»er»t oder Jnsertionsa»»sträge die Ezistenz»r»ittcl mit zur Berfügung stellt. In gleicher Linie steht, »»»er den Bor»» feiner Mildtätigkeit für srcmde Zlvecke (non benen oft »»icht einmal ansgemacht ist, ob sie nid)t antisemitische werden können» reichlick» stieße»» läßt, ih»t aber verschließt, wer»»» es sich un» di? Unterstiitznng seiner Glaubensgenvssen handelt. Ebenso viel ist der Jude »vert, der nur christliche Fainilie»» se»»»es Umganges würdigt und sich von Inden und ihren Jnt'eressen ferne 'hält. Sie alle handeln so, oh»»e sich von der antisemitische»» Wirkung Rechenschaft zu geben, ans purer Gedankenlosigkeit oder eitler Schlväche. Machten sie sich Gedanken darüber, so würden sie einsehen, daß ihr würdeloses Verhalten ii» Wahrheit nur geeignet »st. ihr A»»sehen »»»»d — infolge d^r Verallge»»»ei»»ern»»gss»»cht der Menge — das ihrer Glaubensgettossen zu n»i»»dern. U»»d »veite». Der J»»de, der sich des ver- »neintlichen bessern Fortkon»»»»eus ivegen oder a»»s sonstige»»» eigennützige»» Gr»»»»de von der Religion seiner Väter lossagt, h»»»»delt gegen das Indent»»»»». Was s»»ll »nan aber gar zu de»n feigen, der es für unehrenhaft und unvereinbar mit seinen» Gewissen hält, selber zum Christentum überzutreten, sich jedoch kein Gewisse»» macht, seine unmündigen Kinder taufen