KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1910-1911
- Issue
- Heft 11 (1.8.1911)
- Date
- 1911-08-01
- Page
- Seite 168 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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168 Zweck dieser Zeilen sott sein, die Einzelnen anzuregen, über Verbesserungen auf diesem Gebiete nächzudcnken und auch abweichende Ansichten zu Worte kommen zu lassen. Fern liegt es mir "dagegen, die Verbandsbrüder aufznfordern, sich eurer bestimmten Partei anzuschließen. Soll denn der K. C.er überhaupt Politik treiben, höre ich fragend Ja und abermals ja kann hier nur die Antwort sein. Unser Programm verlangt cs, das Judentum fordert es gebieterisch von uns. Namentlich gilt dies von den alten Herren. Jeder von ihnen hat als K. C.er die Pflicht, sein Leben lang zur Erreichung des Zieles, das er als Student ersehnt und erträumt hat, einzutreten: für die (Gleichberechtigung. Und darüber müssen wir nns klar werden, zu Ende gekämpft wird der Kampf für sie nicht in studentischen Kreisen, erschöpft nicht ün Kampfe mit die Erreichung des Reserveofsizierpatentes, zu Ende gekämpft wird er in den deutschen Parlamenten. Auf die Zusammensetzung dieser Einfluß zu gewinnen, das ist Ausgabe der alten Herren. Im Parlament wird letzten Eudes auch darüber entschieden, das; nicht im Verwaltungswege Verfassttugsvorschriften suspendiert werden. Andere Verbände haben das längst begriffen und handeln danach, uns aber fehlt der Wille zur Tat. Nicht die Zahl macht es, wenige vermögen hier viel, sind wir doch Akademiker, die dem Volke Führer und Wegweiser sein sollen im Kampfe um die Durchführung der Verfassung. Darum ergeht an Euch, Ihr alten Herren, mein Dringt ein in die Euch nahestehenden politischen Kreise, arbeitet wacker mit, veranlaßt Euch gleichgesinnte Seelen mitzuarbeiten. Der Segen wird nicht ausbleiben. Ihr iverdet die Lauen und Halben mit fortreißen, Ihr werdet verhindern, daß Kandidaten aufgestellt werden, die uns nicht genügende Gewähr bieten oder die, wie getaufte Juden, nicht gerade geeignet erscheinen, ttnseren Forderungen Geltung zu verschaffen. Weitere Beispiele bilde sich jeder allein. Wohin er blickt, er wird nur Vorteile sehen. Darum auf, Ihr alten Herren, stellt im politischen Leben Euer» Mann, dein K. E. zur Ehr, dem Judentum zur Wehr. Anders liegt es bezüglich der studierenden K. C.er. Im'allgemeinen gilt es als nobile officium studentischer Korporationen, sich politisch nicht auf eine bestimmte Partei sestzulegen. Und das ist auch richtig. Der junge Mann, der eben des Pennals enge Mauern verlassen hat, er soll sich erst in der' Welt nmsehen, umschanen auch im politischen Leben und, wie es eines gebildeten Menschen würdig ist, frei die Partei wählen, der er Gefolgschaft leisten will. Aber „umsehen" muß er sich, und hierzu muß ihm m. E. auch im K. C. Gelegenheit gegeben werden. - Auch hier brauche ich mich nur auf unser Programm zu berufen. Ich meine, wir tun jetzt manchmal zu viel in rein studentischer Erziehung. Die Studentenzeit ist verhältnismäßig kurz, wichtiger dürfte es sein, wenn wir nnsern Mitgliedern eine Grundlage mitgeben, auf der sie aufbanen können in den langen Jahren des Philistertums, eine Grundlage, von der ans sie als Staatsbürger befähigt sind. Stellung zu nehmen zu den vitalsten Fragen des ässentlicheu Lebens. Auch hier ergeht wieder au Euch der Ruf, Ihr alten Herren. Kommt zu den Diskutiernbenden. haltet Vorträge über die Programme der Euch nahestehenden Parteien, damit den jüngeren Mitgliedern Anregung zur Beschäftigung mit jüdischen Fragen gegeben wird. Ihr sollt sehen', auf welch fruchtbaren Boden Eure Worte fallen, welchen Einfluß Eure Reden für die Fortentwicklung unseres St. E. haben werden. Denn noch einmal, der Endkampf um nufere Gleichberechtigung wird nicht ausgefochten auf studentischem Boden, er wird im harten politischen K.nnpfe gefuchten werden, er ist ein Kampf fortschreitender politischer Einsicht und Reife mit wirtschaftlicher Jnteresseupolitik. Tun wir das unsere, daß in diesem Kampfe jeder K. C.er seinen Mann stehe. Virfferiana. Von Oe. Baum, Cöln a. Nh. (ftitc Komödie vor 10 Jahren. Crt der Handlung: Heidelberg. Akteure: nnrdevvlle lrhrenrichter Allemanniae, Badeniae. Ter Baderum-Fur suhlt sich beleidigt, weil ein Allcuranne den Hund des Badenen mit den geschmackvollen Worten: „6M, weg. Fnddehnnd". morn Tisch fvrttreibt. Wortwechsel, ttvntrahage etc. lnn Allemanne. anssallender Ttipns seiniticns. lmlt folgende Nede: ..Meine Herren, co ist mir nnversländlich. das; die, Herren Badeniae in dem gebrauchten Ausdruck in diesem Zusammenhänge eine Beleidigung erblicken wurden. Legen wir selbst den Worten eine gewisse antisemitische Tendenz zu brrunde, so haben Sie. meine Herren, in keinem Falle das Recht. aus Antisemetismen. die nicht gegen ihre Person gerichtet sind, zn reagieren." Sv sprach Herr Riesser Allemanniae, ein Sproü der Familie Csabriel Riessers, den wir den deutschesten Fuden nennen. Aber bessere Frucht, als solchen Sproß, dessen apostatischeS Nichtvcrstehen ja typisch ist, tneb sonst Niesser's Wirken. Jüdische Jugcndvercine, die vielfach seinen Namen als Epitheton ornans tragen, entkeimen seiner Saat, mit dem oft