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KC-Blätter · 1911-07-01 · Heft 10 (1.7.1911) · p. Seite 158

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Journal
KC-Blätter
Volume
1910-1911
Issue
Heft 10 (1.7.1911)
Date
1911-07-01
Page
Seite 158 (sequence 12)
Language
German
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158 MkaSemischr WachvichLen. N. Peaischer Kreistudententag. Wie alljährlich in der Pfiugstwvche versamnu'lten sich auch dieses Jahr wieder die Vertreter der freistndeutischen Organisationen — sechsnnddreißig sind diesmal vertreten — in Weimar. Zwei Punkte standen ans der Tagesordnung, bei denen die Meinungen aufeinanderplatzten: das Freistudentische Programm und das VertretnngSprinzip. Der erste VerhandlnngStag tbcr l». Juni) tünchte das Vorspiel, in dem die Waffen geschärft wurden für den Kampf der folgenden Tage. Schon seit dem Pfingstmontag berät der Freistndentische Bund, der die Vereine der ehemaligen Freistndenten umfasst: auch er wird in den wichtigsten Tages fragen der Bewegung Stellung nehmen müssen. Nachmittags 8 Uhr fand im Etablissement „Armbrust" zunächst eine geschlossene Sitzung statt, in Vertretung des Generalsekretärs geleitet von Referendar Eicker-Munster. Es wurde der Geschäftsbericht entgegengenommen, dem wir folgendes entnehmen: Generalsekretär war seit 1. Oktober 1010 cand. phil. Be l)ri ch Leipzig, nach dessen Erkrankung Mitte November 1),-. Kurt P o t e r s - Oetzsch, gleichzeitig Vorsitzender des Freistndentischen Bundes. In den Verband der Deutschen Freien Stndentenschaft neu ausgenommen wurden am 18. Februar Strasstmrg. am 17. Februar Greifswald, am 28. März Aachen, am 10. Mai Dresden (Techn. Hochschule!. Die Karlsruher Organisation lüste sich aus. ausgelöst wurden Leipzig (18. Mai) mib Halle. Folgende Aemter entwickelten eilte nn'hr oder weniger rege Tätigkeit: die Hauslehrerzentrale, das Zentralarbeitsalut, das Aint für Auslandsreisen (veranstaltete eine Studienreise nach England), das Preßamt und das Versandamt. Beim Hochschnltag des „Vereins zur Wahrung der Ehre des Studierendelt" war die Deutsche Freie Studentenschaft vertreten. Mit den cinzelnelt Organisationen wurde ein ständigcr, reger Verkehr unterhalten. Hierauf wurde eine EutlastungSkominission gewählt. Abends 8 Uhr folgte der öffentliche B e - grüstttugsabend, eingeleitet von 1 )r. Peters. Jur 'Ou\mVn der Stadt Weiucar hieß Oberbürgermeister Dr. Don udorf den Kongreß ivillkommen. Dozent I)«-. Karl Hesse, Generalsekretär der Comeniusgesellschnft, betonte den Znsanunenhang zwischen dieser und der Freistndentischeu Bewegung. Es sprach sodann Dr. Bruno Meyer- Berlin, Delegierter der Gesellschaft für Hochschulpädagogik, über „Hochschulpädagogik". Erwiderlegte zunächst die Behauptung. daß diese mit der akademischen Freiheit nicht verträglich sei. Sie sei für den Studenten notwendig, dieser müsse selbst Mitarbeiten und seine Ergebnisse milteilen. Der Hochschnlnnterricht weise noch bedelltende Mängel mif >z. B. Ueberfülllmg der Seminare». Die Hochschulpädagogik Nliisse sich ans das gesamte studentische Leben beziehen irnd namentlich Schädigungen des Charakters verhindern. Dr. Peters dankte dem Redner ulld teilte mit, daß der Freistndentische Blllld korporatives Mitglied der Gesellschaft für Hochschulpädagogik sei und dessen Vorsitzenden Dr. Schuüdkunz sehr viel verdanke. Hieran schloß sich ein Vortrag von! h. W. O f) r -München über „Die Pflichten des akademischen Standes iu der Gegenwart". Der Redner führte etwa ans: Alles Sichabschließen von der' studentischen Gemeinschaft bedeutet Anarchie, wir müssen vom Studenten soziales Denken verlangen, die Abschließnng entspringt, einer intellektuellen Pathologie. Die Re ch t e des Akademikers sind o groß und weit, daß man sie kaum umfassen kann. Rur er hat die Möglichkeit. die Kultur seiner Zeit kennen zu lernen, er erregt dainit den Neid der attdereu Stände. Er verdient ihre Abneigung, wenn er keine weiteren Pflichten anerkennt, als die, fein Erameu zn machen. Das Volk glaubt heutzutage noch, daß der Akademiker alles wisse, der Doktortiiel erleichtert die literarische und journalistische Tätigkeit außerordentlich. Ans dieser Vorzugsstellung ergeben sich die Pf li ch teu des Akademikers. Es muß ein Stand da sein, der einen Neberblick über die Kultur behält. Staatliche Funktionäre auszubildeu, darf nicht der höchste Zweck des akademischen Studiums sein. Wir müssen verlangen, daß der Akademiker wahrhaft gebildet sei — waS nicht alle sind. Alles, was ihn davon abzieht, ist nnakademisch lmö unstudentisch. Die Frage: Was ist Bildung? ist auch eine vielumstritteue. Ein enzyklopädisches Allmnsassen ist heutzutage nicht mehr uröglich. Der Gebildete nmsz daS a u s glei chude El e m e tt 1 im BolkSlebett fein, er tnnß gar nicht anders können, als für die höchsten Ideale der Mertschheit einzutreten. Wir müssen der steigenden E n t f r e in düng d e r e i n z e l n e n Volksschichten entg e g e n a r li e i t e n. Der Akademiker spielt heute nicht mehr die Nolle wie früher. Man empfindet diesen Stand als etwas

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