KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1910-1911
- Issue
- Heft 10 (1.7.1911)
- Date
- 1911-07-01
- Page
- Seite 156 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Und das nenne ich die hohe, ethische Mission des K. C. Und so ruse ich Euch K. C.ern, die Ihr im öffentlichen Leben steht, zn: Geht an Eure Plätze! Arbeitet mit an den großen jüdischen Verbänden, die in unserem Sinne arbeiten, stellt ihnen Eure Kraft zur Verfügung, denkt daran, daß das Letzte, was mir zu schaffen haben, nur geschaffen werden kann, wenn jeder Mann von uns hilft die Ideen, die wir für Recht erkannt baden, unter die große Masse zu bringen, helft auch im politischen Leben dort, wo es gilt den Ideen zum Siege verhelfen, die uns in unserem Kampfe beistehen. Denkt daran, daß Eure Söhne an der Universität andere Verhältnisse nur dann finden können, iikmiu Eure christlichen Kommilitouen später, mit denen Ihr im Leben zusammen arbeitet, ihnen die Mär vom bösen Juden nicht mehr erzählt haben, lvenn ihnen die Schreckensbildnisse der minderwertigen jüdischen Rasse unbekannt sind. Die Väter müssen belehrt werden, daß ivir Inden die gleichen Rechte beanspruchen und verdienen, damit ihre Kinder es non ihnen kernen, die Lehrer müssen in der Schule lehren, daß der Unterschied zwischen Jude und Ehrist kein Wesensunterschied ist und daß für beide gleiches Recht gelten muß? Erst dann kann die Besserung kommen. Das Gift der 70er Jahre wirkt jetzt noch in den Eliten. Arbeitet im öffentlichen Leben, damit die alten ihren Judenhaß verlieren, damit die Alten den Juden als vollberechtigten Rk.itbürger anerkeuueu, dann wird die neue (Generation von selbst besser werden, denn Judenhaß mußgelerntwerden, derchristlicheKnabervendetsich nicht instinktiv von seinen jüdischen Spielgenossen, erst, ivenn das Gift, das ihm von bcu Eltern beigebracht wurde, — wirkt — säugt er an bcu „Inden" zu verachten. Wo Ihr hinseht, findet Ihr K. C.er Platz für die Durchführung der Ideen des K. C. In den jüdischen Verbänden, im politischen, im kommunalen Leben, in größeren und kleineren Vereinen, allüberall kann der alte K. E.er im Sinne des K. E. wirke,:. Denn nicht mir zum Kampfe gegen den Antisemitismus in der Studentenschaft tritt der Fnx in den K. E. ein, nein, er will sich auch zu einem Alaune, heranbilden, der bereit ist, im bürgerlichen Leben für die Ausrottung der menschenunwürdigen, uns Juden überall noch zurückdrängenden Vorurteile zu arbeiten. Hub diese letzten Zeilen gelten Euch j unger: St. E.ern. Nehmt die Zeit wahr und bcuft bei aller studentischen Fröhlichkeit daran, daß mm: auf Euch wartet und daß man Euch gern als Mitkämpfer in den Reihen unser Mitbürger aufnehmeu wird, nieitu Ihr die Ausbildung, die der K. E. Euch bietet, voll in Euch aufgeuonunen habt, Rach alter jüdischer Lehre hat jeder Einzelne hohe Pflichten gegen die Gesamtheit, alle müssen „Bürgen für einander" sein, um so an der Erfüllung der höchsten idealen Forderung des Judentums mitznarbeiten, m: der Vereinigung der Individuen zn einer geschlossenen Gesamtheit, an der Erhebung aller Völker zur sittlichen Einheit des Menschengeschlechts. In ioeiter, für uns nicht erkennbarer Ferne steht die Erfütl:u:g dieser Ideale, die Kraft sie zu verwirklichen besitzen ivir nicht, der Wille aber ari ihrer Verwirklichung mitzuhelfen, muß bei jedem St. E.er vorhanden sein. Tie ill so kurzer Zeit errungenen Erfolge nüissen uns zwingen im weitern Verfolge des ethischen Prinzips des K. E., das jene alter: Viadrincn in ihren: Aufruf so klar zum Ausdruck brachter:, für diese alten Ideale weiter zu streben und zu arbeiten, urrbekünunert tmnim, ob die Erfolge uns, der nächst.'!: oder gar späteren Generation zu Gute kommen werden. „Das Ideal erttbehren, heißt auf der: Wert des Lebens und der Geschichte verzichten."