Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1911-07-01 · Heft 10 (1.7.1911) · p. Seite 153

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1910-1911
Issue
Heft 10 (1.7.1911)
Date
1911-07-01
Page
Seite 153 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2268830-2268861-2268872--0204-2269408
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

153 ihrer Gemeinde abivcichen, ermöglichen, ihren: religiösen Gewissen, ihrer eigenen Anffassnng von der jüdischen Religion Rechnung zu tragen, vor ollem sich ^it besondere»: S»i»»agogengen»einbcu zusammeuznschlleßen, ohne ihre Eigenschaft als Inden i»n staatsrechtlichen Sinn verlieren zu müssen. Auch der Austritt ans der S»magogenge»»:einde »vird vor den: Richter des Woh»»- orts erklärt, jedoch niit dem Hinznfügen, daß der Austritt ons religiösen Bedenken beruhe. Da diese Versicherung ons ihre Wahrheit weder nachgeprüft werden soll noch ka»»n, so dient das in ganz anderer Absicht erlassene Gesetz vielfach solchen Personen, die ans irgendwelchen Gründen „Jude" bleibe»» »volle»», d»»zn. sich der Stenerpslicht zu entziehen. Denn. Üh»»lich »oie nach den» Gesetz von 1373. erlöschen auch hiernach einiger Zeit die steuerlichen Verpflichtungen der bisherige»» Gemeinde gege»»über. Auch vor» den» Einträge auf Anfnahcn'e dieser Austrittserklärnng »vird der Vorstand der Synagogenge»»»e»nde benachrichtigt. Be» de»n Austritt a»»s der S»)nagogenge»nei»»de bleibt die Wirk»»ng der Anstrittserkläru»»g in» Hinblick ans die abz»»gebe»»de Versicherung notwendigerweise a»»s die Person desA»»stretendei» beschränkt. Dageger» »virkt die Erklärung des Anstritts aus den» Judentum auch für die Kinder des Erklärenden, soiveit sie noch nicht .14 Jahre alt sir»d: die älteren Kinder und die Ehest»»»» werden jedenfalls nicht betreffen. In» übrige»» steht es dem Vater auf Grund seines Erziehnngsrechtes frei, die Religio»» desKindes zn bestiinmen, bis dies nrit 14 Jahre»» sei»» Selbstbestimmnngsrccl»t erhält; er kann daher »ücht nur das Kind mit religiöser Wirk»n»g einer anderen Religion zuführen, sondern auch mit bürgerlicher Wirk»»»»g de»: A»»stritt des K»»»des aus de»»: Indent»»»»» — »»i»ht aber, »nie errvüh»»t, ans der S»)»»agoge»»ge»»»e:»»de — erklären. D»e rechtliche Beha»»dl»lttg der jüdischen Auslä»:der ist :»»: »vese»»tlichen dieselbe »nie die der christliclien Ausländer. A»»ch ihre ^laturalisation steht im Belieben der Verwaltungsbehörde; sie erfolgt durch den Regierungspräsident^», in dessen Bezirk die Niederlassung erfolgen soll. Die Anstellung von anslündischen Rabbinern und S»inagogenbean»ten ebenso die Annahme mrsländischer jüdischer Dienstboten »»»»terliegt der bei Vermeidnng van Strafe vorher zu errvirkelldeu Genehmigung des Regierungspräsidenten, der seinerseits, wenn es sich nrn Rabbiner oder S»)nagogenbea»»rte harcdelt, die E»»tscheid»»»»g des Ministers des Inner»: einzuholen hat. Uebcige»»s darf a»»ch in de»: christliche»» Kirche»: ei»» geistliches A»»:t »»ur eine»»: Deritschen übertragen werde»:. (Ges. v. 11. 5. 73). Für die Stellung der deutschen Juden in» Ausland ist rechtlich maßgebend Art. 3 Abs. 6 der Rcichsverfnss»l»:g: „Dein Auslände gegenüber haben alle Deutschen gleichmäßig Anspruch auf der» Schutz des Reichs". Die ethische Mission des ft. %. Acm Ur. Dat»id iftMirmliru uh H. A. Bilidrina- Breslau) Tvranffurt a. M. „Ich sage, die »vahre innere Zusau»»»»enschließung. das Gefühl der Ei»»heit, das Be»vnßtfetu der Zm'an»»»lengehörigke»t, das Streben der Bereinigung im Geinüte, der Eintritt der cmzel»:e»: Perstu: in die Gefa»ntpersv»»lichkeit. dies ist das Ziel aller Sittlia)keit und darum der höchste Zweck »»»»fres Daseins." Mit dies?»» Worten »veist uns Lazarus in seiner „Ethik des Judentums" die alte ideale Forderung des jüdischen Volkes, seiner Lehrer »»ad feiner Lehre»». Als, besonders von der Gesaintheit, unsäglich schtver z»» befolgerrd, bezeich»»et Lazarus dieses Ideal, diese Bereinigung aller Individue»» zu einer geschlossenen Gesamtheit, das Arrssteigei: von allen einzelnen, kleinen und großen, gemeine»» itub edlen Lebenszwecken zn»»: höchsten Zweck der Sittlichkeit. Hub dennoch sagt Lazarus, trotz aller Schwierigkeiten, trotz aller scheinbnren Unmöglichkeiten, soll uub »vird der Einzelne oder sotten und rverden Einzelne für die anderen diesem alten Ideale nachjagen, für es kämpfen, streben und arbeiten, »md — »venu es sein muß — sterben. Denn ein Ideal, eiumat in der menschlichen Seele erdacht, kann nienlals wieder anshören ein Ideal zu sei»»; im Gemüte der Menschen »uns; es als eine Hoffnung gehegt, immer mehr erläutert uub befestigt rverden; es must eben im Geiste der Menschheit als ein Ideal allezeit leben »rnd lenchten, die Willenskraft »vecken uub zu rüstiger, sieghaft ringe»»der Tätigkeit treiben. Das Ideal entbehren, heißt auf den Wert des Lebens uub der Geschichte verzichte»». ' Frohe Hosstmng gäbe»» diese erhebenden Worte von Lazarus uns K. E.crn, den ganz alten, die a»» der Wiege des K. E. gestanden, uns, die »vir ihn in den erste»» Jahre»» mit aufbanen halfen, und a»»ch wohl de»» jüngeren »»nd allerjü»»gsten, die sich »»ns »»»»gereiht haben, um mit uns für unsere Ideale zu kämpfen. Innere Zusammenschließung, das Gefühl der Einheit, das Bewußtsein der Zusammen-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.