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KC-Blätter · 1911-06-01 · Heft 9 (1.6.1911) · p. Seite 146

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Journal
KC-Blätter
Volume
1910-1911
Issue
Heft 9 (1.6.1911)
Date
1911-06-01
Page
Seite 146 (sequence 16)
Language
German
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146 vor seinen König. Da die Gefangenen der Aufforderung SoterS, ihrem Glanben zu entsagen, nur * mit Spott und Hohn antworten, werden sie ans die grausamste Weise zu Tode gemartert; die Priester werden ans Kreuz geschlagen. CotLr aber proklamiert sich 311111 Herrn der We lt und ruft sich in dem neu errichteten Tempel Jerusalems zum einigen, einzigen Gott der Wahrheit ans: „Ich grüße dich, mein Volk, Du neue Wett im neuen Gottesreiche! Ihr seid willkommen, Fürsten und Veziere, Die fromm das Jener meines Sternes nähren In Nord und Süd. vom Morgen dis zum Abend! Vollendet ist der Riesenbau des Reiches, Vollendet ist der Menschheit großes Werk. Der Zeiger weist der Erdenuhr auf Mittag. Lang schlief die Welt, in Not und Ir oft erstarrt, Nun endlich springt die Knospe, prangt die Blüte. Gekommen ist mit Macht in Glanz und Farbe Der ewig reine Frühling der Statur, Das Blütenalter der gereiften Erde, Da die Natur sich auf sich selbst besinnt. Jetzt soll der Schleier fallen von der Wahrheit. Ich will sie herrlich all den Meinen zeigen Im vollen Glanz der ungetrübten Reinheit. E s g i b 1 ii 11 r e i 11 e ii iSS oll, n nd der bin ich; Durch mich, den König Himmels und der Erde, Hat die Statur ihr hohes Ziel erklommen, Den ew'gen Kreislauf iu sich abgeschlossen". , Um seine Gottkröuuug zu verherrlichen, verlangt Soll'r von seinem Feldherrn Ahasver den Uebertritt zum neuen Glauben. Ahasver, der sich um all seine Hoffnungen für sein Volk gebracht sieht, verläßt mit Haß und Verwünschungen und, von Sotör seines Augenlichtes beraubt, den Hof feines Königs. Sara, die Tochter Rabbi Labans, führt ihn bis zu einer Felsschlucht, sie selbst stürzt sich in ihrem Wahnsinn, in den sie seit der Verführung durch Teitan verfallen war. tu die Schlucht. Im dunkel der Nacht bleibt Ahasver zurück, er verfängt sich im Gestrüpp und füllt zu Boden. „Da rang ein Schrei sich los ans seiner Brust, Ein Schrei der Wut, gesättigt mitVerzweiflung;... Verflucht die stacht, die mich zur Welt gebar, Die sternenleere! Mein Gedächtnis fei Für immerdar aus jeder Brust vertilgt! . . . . Wie von dem Strunk des Oelbaums immer wieder In alter Kraft ein Sproß znm Lichte steigt. So keimt' und trieb mein Leben unverwüstlich, Und spurlos ging die Zeit an mir vorüber. Die Menschen starben, mich vergaß der Tod . . . O Tod, ich rufe dich, du mein Erlöser, Und kann ich Blinder nicht dein Antlitz schauen, Du schwebst mir vor als Gottes lichter Engel! O preß mit starker Faust mein Herz zusammen, Damit es Ruhe finde, Frieden, Frieden!" Sein Schreien hären die Kreuzritter, sie suchen ihn auf und bringen ihn in' jene Grotte, in der sie den Papst verborgen halten. Der Papst pflegt den, Kranken und berichtet ihm von den Greueln die Soter inzwischen an den Juden verübte, die sich zu seinem Glauben nicht bekehren wollten. Im Traum der Nacht erscheint dem Ahasver Jesus am Kreuze, ein Tropfen Blut fließ! ans dessen Wunde und behebt Ahasvers Blindheit. Vom Papst geleitet, geht er zur heiligen Bnndeslade, die noch feit dem Auszüge der Inden ans Jerusalem in einer Felsenschlncht steht. Dgit nimmt der Papst an Ahasver, der seit seinem Traum an die Wunder Christi glaubt, die Taufe vor. Inzwischen waren die Henker weiter an der Arbeit, das Iudenpack, „das durch sein Dasein schon des Todes wert", hinznmorden. Einhalt gebietet ihnen ein Erdbeben, das eine schreckliche Verwüstung anrichtet, auch den Tempel SoN-rs zerstört. Ahasrer eilt herbei und versucht, seine Brüder zum Christentum zu überreden. Manche folgen, Andere zaudern, sie haben das Vertrauen zu ihm verloren. Da kommt Solör und ermahnt die Inden, ihn als Gott anznerkeuneu. Ahasver sagt dies zu. wenn er die gleichen Wunder vollbrächte, wir sie eben sein Ehristengott geschehen ließ, bt r während des Erdbebens die gekreuzigten Priester Heu och und Elias habe zum Himmel emporsteigen lassen. Sotör verspricht das: „Ich bin dein 6lott, znm Himmel will ich steigen lind über Sternen meinen Thron errichten. Vom morschen Sitz den alten Wahngott schleudern! Der Himmel soll, die Welt im Staube sich Vor meinen Augen winden und vergehen; Daun wehe dein, der mir zu trotzen wagt!" Wirklich erhebt sich Soll'r auf einer Wolke gen Himmel. Doch siehe, der Himmel öffnet sich, und vom Blitz getroffen zerschellt Sou'r am Boden. Die Erde Int sich ans und verschlingt mit ihm den letzten Rest seiner Pracht. Ein Gottesdienst vereinigt die Juden, den getaitfteu Ahasver und den Papst, (hott erscheint mit den Gekreuzigten über der betenden Menge. Ahasver har den Messias gesehen in jener verklärten Gestalt, die einst ihm zurief: „Ich gehe, du aber bleibst bis ich wiederkomme". Das Volk geht anseinander. „Nur einer bleibt von allen Im Staube regungslos, das Haupt gesenkt Znm Fuß des Kreuzes: Ahasver der Alte; Sein Herz ist still, der müde Pilger schläft, Und sel'ger Friede ruht auf seinein Antlitz." Die Lösung des Rätsels ist ein Produkt der Phantasie des Dichters. Hier gibt es nichts zu rechten. Warum mußte Ahasver sich taufen

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