KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1910-1911
- Issue
- Heft 9 (1.6.1911)
- Date
- 1911-06-01
- Page
- Seite 145 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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145 erlaubt, den ewigen Juden eine Zeit lang Heide gewesen sein zu lassen. Wer heute vom Ahasver hört, weist es gar nicht anders, als dast die Sage die Wanderung des jüdischen Volkes, sein Schicksal von der Entstehung des Christentums an, das Abstrakte in der konkreten Erscheinung des greisen Ahasver versinnbildlicht. ilitb lieft man die Dichter und Prosaiker, denen allen in dem vom Alter gedrückten und vom Schicksal gemarterten und dennoch aufrechten und nicht sterbenden Ahasver eine unversiegbare Quelle dichterischen Schaffens flost, sie haben alle den Ahasver für einen Juden angesehen und in seinen Leiden und seiner Verdammnis das Schicksal der ganzen Indenheit erblickt. Lhamisso, der die Sage in eiccem Scherzgedichte verwandte, (der neue Ahasver 182K) bringt es zwar nicht wörtlich znm Ausdruck, aber es ist mit Bestimmtheit zn entnehmen, dast er den ''Ahasver nur als den wandernden Juden gekannt hat. dessen Erlösung erst „am jüngsten' Tage", mit den! Erscheinen des Messias, erfolgen wird. ' „Nicht kann AhasvernS sterben. Sterben nicht, noch Ruh erwerben, Bis der Herr am jüngsten Tage Nnft die Toten ans dem Grabe, Und auch er vernimmt das Mort; Und er wankt am Wanderstabe fort und fort." Das ist ja gerade das Schicksal Israels, zu warten, bis der Messias konnnt, es zn erlösen. Und Goethe, der von der Sage so gebannt war, dast er sie wiederholt verarbeitete, bis er von der Faustidee zn sehr absorbiert war, gibt im 24. und 25. Buch seiner Dichtung und Wahrheit einen Bericht von feinem Plane, Zu singen den gereisten Mann, Der Wunder ohne Zahl geseh'n, Die trug der Läst'rer Kinderspotte In unscrm »»begriffnen Gotte?er omnia tempora in einem Punkt gescheh'n." Danach war Ahasver ein Schuster in Ieru salem, der sich an seiner offenen Werkstatt mit den Vorbeiziehenden nilterhielt und Jesus inuner geraten hat, sich znm Parteihanpt der Inden zn erklären. Als dann Jesus ans seinen! Wege zur .Kreuzigung gerade vor der Werkstatt des Ahasver zusammenbrach und Veronika das Tuch wegnahm, das sie über Jesus gebreitet hatte, sah er darauf die Worte: „Du wandelst auf Erden, bis Du mich in dieser (8 e st a l t mied e r e r b l i ck st." Ahasver versinkt in diesen Traum und als er erwacht, findet er Jerusalem leer. Nun beginnt er die Wanderung. Also auch hier jüdisches Milien. Nur Haushofer schreibt in der Einleitung zu seiner Bearbeitung des ewigen Juden: „Vielleicht hat jemand auch Verdacht. Ich käme mit der Indenfrage. Die uns in Zeitungen jegt alle Tage Zuwidrer wird, in meinem Stück daher. Doch fürchtet nichts: Mein Ahasver. Der ist'schon längst kein Jude mehr. Ganz konfessionslos ist das alte Hans. ES nnrd einfach ein armer Mensch daraus. Ein armer Mensch, der ärmste. denn er trägt Den alten Jammer unentwegt Ans einen! in das andere Jahrhundert" .... Aber auch Haushofer gesteht zn, dast er den Ahasver ebenfalls für einen Juden hält, nur »lachte er den Versuch, den ewigen Inden wandern zn lassen itm des Wa n de r n s nullen, während er doch gerade seines Glaubens wegen umherzieht, weil er Jesus, das Ehristentum, nicht bei sich anfnahm, und erst Ruhe finden wird in den Tagen des Messias, wenn er den wiederkonunenden Jesus bei sich anfnehmen wird. Wie eine Schwalbe keinen Sommer, so kann auch ein Haushofer den ewigen Juden nicht ko n fe fsi o ns l os ma che i l. Das Schicksal des wandernden Illden bleibt immer das gleiche „Fürder durch der Erde Weiten Rastlos, müden FusteS wallt er, Läßt die Weltgeschichte fluten. Menschenalter ihm Minuten. Und Minuten Menschenalter. Stehen still vor ihnr die Zeiten, Glüht in ihn! sein Herz das alte, Drin der alte Schmerz gebannt. Lastend über ihm die kalte Schicksalshand". iEhamiffo) Doch wenn der Messias konnnt, hat er fein Ziel erreicht. Und welches ist ''Ahasvers Endee* Des Dichters Phantasie ergriff dieses Rätsel. Joseph See der besingt des ewigen Inden legte Tage. iDer enüge Jude. Episches Gedichr von Joseph See der, Herdersche Verlagshandlnng. Frei bürg i. Br. Preis 2.50). Als JeldHerr Sotörs, des Königs von Jerusalem, l>at ''Ahasver die Könige und Kaiser des Weltalls besiegt und seinem Herrscher als Gefangene gebracht. Den Gipfel. seiner Siege bedeutet die Gefangennahnre des Papstes, den er ebenfalls vor Soters Thron schleppt. Dieser wollte anfänglich auch den Papst töten lassen, wie er es mit so vielen Herrschern schon getan, doch er überantwortet ihn auf Gnad^« und Ungnade seine»! .Kanzler Teitan. Bo.» den Kreuzrittern wird der Papst gerettet und in das Felsentor von Hinom gebracht. Ahasver verfolgt den Papst von neue»!, er gelangt in die Felsengrotte, findet dort nur die christlichen Priester Henoch und' Elias im Gebet tnit einigen Rittern. Er nimmt sie gefangen und schleppt sie