KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1910-1911
- Issue
- Heft 9 (1.6.1911)
- Date
- 1911-06-01
- Page
- Seite 135 (sequence 5)
- Language
- German
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135 Mitglied einer Glaubensgemeinschaft. die zu jeder Zeit und in jeder Gestalt ein selten stark ausgeprägtes Ehrgefühl besaß, das Bewußtsein, die geistige Feuchte der Menschheit zu sein. Wer zum K. C. gehört- oder wie dieser empfindet, muß also ein hervorragendes, ein geraden dreifaches Ehrgefühl haben: ein persönliches als Mensch, ein nationales als Deutscher». ein geistig ethisches alsJude. Denn unser Menschentlun »vird »»nS wohl niemand direkt absprechen wollen. Daß wir Deutsche sind, besagt unser ganzes Fühlen und Wandeln, wenn es das Wohl und Wehe unseres Vaterlandes gilt, das beweisen die Daten unserer Väter und Großväter, die Gut und Blut zur Verherrlichung und Verwirklichung deutscher Ideale gern voll Opfermut Hingaben, das veranschanlicht die lange Ansässigkeit der deutschen Juden, die bei so manchen jüdische»» Familien, besonders in der Bheingegend, um viele Jahrhunderte älter ist als die vieler Nafsenantisemiten, deren Germanentum seine Spur scho»» im 17. Jahrhundert verliert. — Und schließlich, daß nur Inden im Herzen sind, ist eine Gewissensfrage, die in der heutigen Zeit, wo es allerseits im religiösen Bewußtsein der gesamten Menschheit nach den großen .stultnrnenernngen und -erschütterungen der leisten zwei Jahrhunderte gärt, heftig umstritten wird. Und doch: sobald wir hören, das; Menschen um deS Glaubens willen, den auch nur zum mindesten nach außen hin bekennen, zu leiden haben, regt sich in uns das Gefühl geistiger Zusammengehörigkeit. regt sich in uns das jüdische Ehrgefühl. da wir die religiöse Weltanschauung, die wir hochachten, — »aas wir eben, dadurch beweisen. daß wir uns öffentlich zu ihr bekennen, — schmählich mißachtet sehen. Ja selbst wenn einer noch so fern dem religiösen Judentum steht, so wird er gerade als Freigeist, wofern er überhaupt noch eine allgemeine sittliche Weltanschannug zu schäßen vermag, gerade ,;u der geistig so hochstehenden Ethik des Judentums am ersten neigen. So fühlen sich heute viele achtbar als Menscheu, als Deutsche, als Inden, llud besonders der Student, der zun» ersten Male hinaustritt ins menschliche Leben, voll von Plänen »titfc Zielen höchster Ideale, erfüllt von Begeisterung für alles, was ihm recht und hehr erscheint, der noch Zutrauen hat, unendliches Zutrauen zu den: ehrlichen Wollen und Wirken der Menschheit, der nach bestandenem Abitnrienteneramen zum erster; Male ganz in Freiheit handeln darf und so die Möglichkeit hat,' die erstell Schritte zur Verwirklichung seiner hohen Gedanken zu tim — der hoffnungsvolle Jüngling empfüldet alles Erhabene und Edele doppelt und muß darum doppelt tief und schmachvoll ernpfinden, wenn ihn» nilr gar zu bald das herzlose Treiben derer, die rücksichtslos andern, den seinen feindlicheil Idealen nachjagen, auf die nackte Wirklichkeit des Weltenlaufs hinweist. Hauptsächlich damals, in den achtziger Jahren, wo der AutisemitiSmns zur höchsten Blüte gelangt lvar, mußte der jüdische Akademiker unendlich bitter, unnennbar schmachvoll fühlen, wie feindliche Mächte seine Ideale grausam und schamlos mit Füßen traten, sein Ehrgefühl aufs empfindlichste beleidigten. Der Jude galt damals iiberhaupt nichts. Wem es beliebte, der konnte ihn verletzen, so tief wie er wollte: strebte ein. Jude nach Wahrung seiner Ehre, wollte er ihre .stränknng und Herabsetzung selbst mit Einsetzung seines Lebens sühne»; — was machte es? einem .Inden brauchte man ja nicht Genugtuung zu verschaffe»»! Wenn »»»an von allen andern Umständen absieht und lediglich die Frage dieses Begriffs sich klar »»»acht: genügte das nicht schon, den zerstreuten, als einzelne machtlosen jungen Seelen, deren Ideale und Begeisterungsfähigkeit man um einer an sich äußerlichen Ursache »Villen in Trümmer schlagen wollte, den Gedanken einer Einigung und zwar auf den» Boden ihrer idealen Gesinnung nahe zu legen?! Wurde mit dieser Ehrverletzung in ihnen wirklich nur der Jude gekränkt, war es nicht ebenso der Deutsche, dessei» Ehrbegriffe hier in den Staub herabgezogen wurden? Wie »nutzten diejenigen, die ein Herz fürs Vaterla»»d hatten, die bei Festhalten cm ihren» Judentum auf dem Boden deutsch-nationaler Gesin»»ung standen, so tief e»»»pfi»»den, »vns Jacob Lvewenberg in den Versen ausdriickt: »Semit! Ich senk' das Auge nieder. Wem» höhnend dieses Wort erklingt. Mich schmerzt, das; der Verleumdung Hyder Kein Feuerbrand der Wahrheit zwingt; Daß du nicht kannst den Drachen töten. Mein Deutschland, sonst so ritterlich: Als Jude fühl' ich kein Erröten. Jedoch als Deutscher schäl»»' ich mich!- Und mehr noch als das. Sprach »»»an ihnen, indenl man die Mittel, ihre Ehre zu verteidigen, eiufacf) schamlos nicht »»»»erkannte, nicht uberha»»pt jeden Ehrbegriff die Freiheit ur»d Achtbarkeit ihres Menschentums ab? W»»r da nicht die unumgängliche Notwendigkeit gegeben. r»i»ht n»»r die Jünger eines ge»neinsa»nen Ideals der Begeistern»»»; wegen »»»»» eine Fahne zu scharen, sondern auch Mittel und Wege zu finden, jede Mißhandlung der Ehre in gemeinsamen» Vorgehen auf ehrbare, anerkannte Weise zu strafen, — NN» so den höheren Selbsterhaltungs- und Schaffeustried vor Erschlaffung und Verkümmer»»ng zu bewahren — und die verdiente, aber