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KC-Blätter · 1911-06-01 · Heft 9 (1.6.1911) · p. Seite 134

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Journal
KC-Blätter
Volume
1910-1911
Issue
Heft 9 (1.6.1911)
Date
1911-06-01
Page
Seite 134 (sequence 4)
Language
German
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134 Dir innere Ursache der Entstehung des H. E.-Gcdanke«s. Avil Adolf Levy chrhibellittiae). Gar oft hat der K. <L.er Gelegenheit, sei es in Fuxenstunden. sei es in Vorträgen oder schriftlichen Berichten, von den äußeren Anlässen zu hören, die die Gründung unserer Borkämpferin, der Viadrina-Breslan, nitb damit die Gründung des ganzen K. C. herbeigeführt haben. Aber auch nur von äußeren Anlässen wird gesprochen und geschrieben; man ivird sich häufig dessen nicht bewußt, daß allzu oft ein unbestimmtes Etwas, ich möchte sagen: ein instinktives, n a t u r n o t w endige s d'uifwviov mitspricht, wenn es gilt, ein neues Ideal anfznstelten, ein tatkräftiges liegen zu seiner hohen Berwirklichung ins Leben zu rufen. Sollten mm wirklich die Gründer unseres Verbandes bloß durch die .Meinigkeiten des Alltagslebens sich zu dem entscheidenden Entschluß veranlaßt gesehen haben, gewissermaßen nur rein äußerlich zur Notwehr getrieben worden sein? Sind sie uidjt vielleicht vielmehr von dem innern, unwiderstehlichen Drange der ansgleichenden Gerechtigkeit in der ganzen Weltorganisation bewogen worden. den Schritt zu wagen, der für die Inknnft der deutschen Akademiker südischen Glaubens so viel bedeutet? Die Vorkämpfer unseres Gedankens brauchen sich ja gar nicht dieser inneren Naturnotwendigkeit bewußt gewesen zu sein, wie es so oft ja nicht der Fall ist: aber doch glaube ich, hätten sie ohne diese günstigsten Falls einen geselligen Verein oder so etivas schassen, nimmer jedenfalls ein so lebensfähiges, tief begründetes Gebilde ins Dasein rufen können, wie es der K. C. nun einmal ist. Ein hohes Ideal trägt seine Grundgesinnung; es ist der Gedanke eines würdigen Menschentums. der Gipfelpunkt menschlichen Empfindens, der seinen Ausdruck findet in dem Streben, das Wertvollste und Edelste zu leisten und danrit sich Ehre zu verschaffen. Ehre, die Anerkennung verdient und wirklich erlangt. Das Ehrgefühl gerade ist es. das dem Menschendasein höheren Wert verleiht,das den Me» scheu weit hinaushebt über die anderen Lebewesen der Schöpfung, indem es sein Wollen und Wandeln nach Gesichtspunkten höherer Geister, als die irdischen Notdürftc des,Alltags es sind, regelt. Mögen allzu krasse Materialisten sich noch so sehr sträuben, die Notwendigkeit eines Ehrgefühls anzuerkennen, und sich bemühen, jedes Ringen um dieses unmotivierbaren Ideals willen zu verhindern — es läßt sich die Tatsache nimmer ans der Welt leuchten: ohne den Trieb des Ehrgefühls uni re der Mensch nur eine Maschine, die lediglich um ihrer.strafterhaltnng willen arbeitet, wäre nur ein Geschöpf, das sich vom Tier durch praktischen Verstand und die Gabe der. Möe.lichkeit eines artikulierten Gedankenaustausches unterscheidet. Mögen weltabgeschiedene Philister noch so sehr sich jedesmal ereisern, wenn sie von neuem die Schreckensknnde vernehmen, daß ein Jüngling, dessen El>re man angetastet, zur Waffe griff, den Beleidiger zur Rechenschaft ,yi ziehen: der junge Mensch ist lebenssrischer, idealer veranlagt und sucht sich heißbliitiger seines Rechtes Hochhaltnng zu wahren als der ansgereifte, wetterfahrene Mann. Es ist hier nicht unsere Aufgabe zu entscheiden, wie weit man darin geljeu darf oder sollte: aber wem könnte ein Mensch, der nur halbwegs Lebenswärme und Gerechtigkeitsgefühl hat. es verdenken, wenn er für die Erhaltung seines höheren, edleren Lebenstriebes sein Leben selbst in die Schanze schlägt?! Inm rein Individuellen kommt noch der Begriff eines >’ö>ov mhnxhv des Aristoteles. So wenig, wie der normale Mensch isoliert leben kann, kann er es auch bloß in einer Universal gemeinschafl. Der Heimats. der Vaterlands begriff wurzelt fast ebenso tief int Wesen des Meuscheutnms wie das Ehrgefiihl. Besonders bei uns Deutschen, die so oft in der Weltgeschichte am Vorabend großer nationaler Ereignisse standen, ist dieses Vaterlandsgefühl stark ausgeprägt, so sehr, daß es mit dem Ehrgefühl ans gleicher Stufe steht, ja völlig mit ihm verschmilzt. Wer meine Ehre beleidigt, rüttelt an der einer dem scheu ehrenhaften Persönlichkeit, wer mein Dentschtnm bekämpft oder bezweifelt, der verletzt mich in meiner persönlichen Ehre. Das Gleiche aber gilt auch von dem Gtaube 11. Der Drang nach denr Idealen, der jedem Menschen so ureigen von Natur ist, daß er. selbst wenn er noch so sehr jedes göttliche Wesen leugnet, doch sich ein höchstes Etwas, ein Negierendes — und wenn er es auch nur als den völlig abstrakten höheren Wert seines persönlichen Seeleniuhaltes bezeichllet — vorstellt, ist gleichfalls so mächtig, das; ein jeder es bitter empfindet, ja als Beleidigung seiner Persönlichkeit betraä)tet. wenn man ihm seine höchste und heiligste Ueberzcngnng hohnlächelnd in den Schmutz zieht und verächtlich mit Füßen tritt. Ter Jude, der nodi ein Herz hat. mit andern genteinsant zu etupfinden, den Lehren und Legenden seiner Ahnen pietätvoll ihre Schönheit und Lebensweisheit, ihre Poesie abznlanschen und daran seinen eigenen Glauben aufznbaneu, nrag er persönlich twch so frei denken, auffassen und anstegen, der fühlt sich oft stolz als Jude, als

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