Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1911-05-01 · Heft 8 (1.5.1911) · p. Seite 123

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1910-1911
Issue
Heft 8 (1.5.1911)
Date
1911-05-01
Page
Seite 123 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2268830-2268861-2268870--0164-2269366
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

123 Von ihr )m;t Son;bart selbst stolz, das; er glaube, das; dieser Teil seiner Ausführungen, der den Anteil der Juden am Aufbau der modernen Volkswirtschaft und ihre Eignung zum Kapitalismus behandelt, „im Grundgedanken nicht erschüttert werden" könne. Und dem ist auch in der Tat so. Gewiß ist es möglich, das; vielfach seine Ausführungen Berichtigungen und vor allem Ergänzungen erfahren werden, aber die Nichtigkeit der größeren Gedaukeugäuge erscheint auch uns unwiderlegbar. Ans diesen Teilen wird auch der künftige Historiker des jüdischen Volkes unschätzbaren Gewinn ziehen; denn sie stellen gleichzeitig eine musterhaft geschriebene Wirtschaftsgeschichte des jüdischen Volkes, unter dem Gesichtswinkel des Kapitalisinus gesehen, da. ftiir die Bibliographie sind die Anin. 11, 12, 18, (>1, 12!), 131 und 13!) von Bedeutung, da in ihnen die wichtigsten Werke der Litteratnr, die sich auf die Geschichte der Inden in England, Frankreich, Holland, Amerika, Deutschland, Spanien, Portugal und Oesterreich beziehen, nahmhaft gemacht sind. Ganz anders steht es mit der 2. Blasse, dem 3. Hauptabschnitt des Bnches, der die Frage nach der Herkunft des jüdischen Wesens und nach dessen Eigenart zu beantworten sucht. Sombart sagt selbst von diesem Abschnitt, das; er hinsichtlich desselben ganz dasselbe Gefühl der ruhigen Sicherheit hat, wie hinsichtlich der ersten beiden Abschnitte. Hier seien wir eben heute noch — und vielleicht für immer — an entscheidende!; Punkten der Beweisführung ans Vermutungen angewiesen, die selbstverständlich ein starkes persönliches Gepräge tragen müssen. Wenn er ferner betont, das; er in dem Kapitel, das er der Erörterung des Rassenproblems gewidmet hat, bestrebt gewesen sei, diejenigen Ansichten kritisch zusanunenzustellen, die nur heute als einigermaßen gesichert betrachten dürfen, und vor allen; die vielen unsicheren Hypothesen als solche aufzuweisen, so kann ihn; in; allgeineinen nur beigestinunt werden. U;n diese Kapitel wird dann auch der u;eiste Streit entbrennen. Während Sombart wohl in; großen und ganzen ^nstinnnnng finden wird, wenn er sagt, es gibt keine jiidische „Rasse", wird sich vielfach der Widerspruch regen, wenn er den Saß anfstellt, aber es gibt eine jiidische Eigenart. Ich n;nß u;ich in diesen; Streit schon jeßt an die Seite Sombarts stellen. Gleich ihn; halte ich „die paar sehr verständlichen Worte des ausgezeichneten Judaisten A. Rnppin" mit für das „beste, was Liber die jüdische Rasse geschrieben worden ist". Ich setze sie dar;;;;; auch hierher. ..Man darf", meint Rnppin. „den Begriff der Rasse nicht »verspannen. (Rnppin denkt hier nur an die eine Bedcntuna, die man dem Warte bei- ,;ele.;t hat.) Versteht man unter Rasse nur eine solche Coemeinschost. die ihre charakterisiischen anthropologischen Merkmale in vorgeschichtlicher 3cit ansgebildet nnd sich in geschichtlicher.'teil von jeder geschlechtlichen Vermischung mit anderen lSemeinschasten sreigehalten hat. so gibt es unter den Menschen mit weisrer Hantsarbe überhaupt keine Rasienverschiedenheit. denn sie alle sind im ^anse der Jahrhunderte wiederholt durcheinander gewirrselt worden. £t> die gnden wo» ihrem Eintritt in die (beschichte an eine einheitliche 'Kaffe gebildet und diesen einheitlichen Eharakter stets bewahrt haben, steht wollig dahin. Als sicher kann aber gelten, das; die Bekenner der mosaischen Religion noch gegen Ende des 13. Jahrhunderts nach vielen Jahrhunderten strengster gn.nicht innerhalb eines relativ kleinen räumlich beschrankten Kreises eine durch anthropologische Merkmale von ihrer christlichen Umgebung scharf unt.'rschiedene (4eu;einschnst bildeten. Tie (Sesamtheit derjenigen Personen, welche genealogisch won dieser Eremeinschast nbstammen. kann man - mangels eines besseren Wortes für anthropologisch einheitliche Mcnschengrnppen — als eiim Rasse und .;n>ar als die jüdische Rasse bezeichnen." Des weiteren wird es Streitgegenstand sein, das; Soinbart die bisher eigentlich kaum geleugnete Aehanptnng, daß die Juden erst im Laufe des Mittelalters in das Geldleihgeschäft hereingezogen wurden, weil ihnen alle Berufe verschlossen waren, als „Mär" bezeichnet. Ich glaube ganz gewiß nicht, daß inan mit dieser Behauptung die wirtschaftliche Entwicklung der Inden in; Mittelalter restlos erklären kann. Mir scheinen die Ursachen, die Sombart angibt, die durchschlagenden gewesen zu sein. Allein so ganz als Mär möchte ich die andere Behauptung doch nicht bezeichnen. Dafür bringt auch Soinbart zu wenig beweiskräftiges Material. Wenn em Bevölkernngsteil einmal an den Handel gewöhnt ist, so ist es kein Beweis hierfür, das; es nicht znn; Handel gezwungen wurde, wenn es später, wenn ihm die Landwirtschaft und das Handwerk frei gegeben wird, nicht zu diesen; zurückkehrt! Mit Sonlbart glaube ich allerdings, daß die Begabung der Juden für Geldgeschäfte zu allen Seiten entwickelt war. Allein es ist doch zu viel gesagt, wenn man daraus, daß viele Rabbinen in; Talnnld so sprechen, als ob sie mindestens. Ricardo oder Marr gelesen hätten, bezw. als ob sie ein paar Jahre als Broker auf der stock exchange oder als Prokuristen in einer großen Speknlationsbank oder als Rechtsanwälte in Wucherprozessen tätig gewesen wären, den Schluß ziehen null, daß die Juden das Geldverleihen „zu einer Kunst ausgebildet haben". Dieselben Rabbinen machen noch über unendlich viele andere Gegenstände (z. B. medizinische und juristische) nicht minder bedeutsame Ausführungen. Das beweist aber nicht, daß diese Wissenschaften

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.