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KC-Blätter · 1911-05-01 · Heft 8 (1.5.1911) · p. Seite 122

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Journal
KC-Blätter
Volume
1910-1911
Issue
Heft 8 (1.5.1911)
Date
1911-05-01
Page
Seite 122 (sequence 8)
Language
German
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122 Seite der jüdischen Nationalreligion — die Inzucht. Sie und die Religion waren die „eisernen Reifen, die das jüdische Volk fest umschlossen und als' eine einzige feste Masse durch die Jahrtausende erhalten haben". Und wenn sie sich lockern? Was wird dann die Wirkung sein? Mit diesem Satz schließt Sonlbart sein Bllch. II. Man braucht kein Prophet zu fein und kann doch Voraussagen, daß das Buch Sombarts in der antisemitischen Presse mit Begeisterung begrüßt und aufs äußerste gegen die Juden ansgespielt werden wird. Das liegt zwar sicher nicht in den Intentionen seines Autors, allein darum werden sich die Antisemiten wenig kümmern. Ob Sombart in der Entstehung des Kapitalismus einen Borzug des Wirtschaftslebens unserer Tage gegen die vergangene Zeit erblickt oder das Gegenteil, wird den Antisemiten ganz gleichgültig sein. Sie werden ganz einfach argumentieren: WirMittelständlererblickeu in; modernen Kapitalismus unseren Ruin. Wer ihn fördert, ist unser Feind. Das; er viel Förderung den Juden verdankt, wußten nur zwar schon. Jetzt haben wir auch noch den exakten wissenschaftlichen Beweis dafür. Dafiir sind wir Sombart dankbar: denn jetzt brauchen wir unsere Borwürse nicht mehr ins Blaue hinein zu erheben, sondern können uns auf ganz bestimmte Tatsachen und Daten stützen. Der Kurs bleibt zwar der alte, aber das Steuer gehorcht jetzt noch mehr jeden; Wink des Steuermanns als bisher. Glückliche Fahrt! Der Mißbrauch, der mit Sombarts Buch getrieben iverden nnrd, darf uns natürlich nicht hindern, in eine objektive Würdigung desselben einzutreten. Da ist nun zunächst folgendes zu sagen. Man tut dem Buch bitter unrecht, wenn man es antisemitisch ausschlachtet. laicht nur deshalb weil Sombart ganz anders über die Bedeutung des Kapitalismus denkt als die Antisemiten, sondern auch deshalb, weil das Buch das, was diese Herren herauslesen wollen, gar nicht beweist. Sombart hat mit allen; Flachdruck darauf hingewiesen, daß sein Buch, wie er sich selbst in; Vorwort ansdrückt (S. UN, ein „einseitiges Buch" ist. Er will die Bedeutung der Juden für das moderne Wirtschaftsleben anfdecken. Zu diesem Zwecke trügt er natürlich all das Material zusammen, aus dem sich diese Bedeutung erkennen läßt. Die anderen Faktoren, dieaußer den Juden am Aufbau des modernen Kapitalismus beteiligt gewesen sind, erwähnt er absichtlich nicht. Es wäre unsinnig, wenn man behaupten wollte, daß Sonlbart deren Eürfluß gänzlich leugnen wollte. Dagegen verwahrt er sich ausdrücklich, so wenn er sagt, wenn man ans seinem Buch den Satz ableite: ohne Inden kein moderner Kapitalismus, so sei dieser Satz nur in demselben Grade richtig bezw. falsch wie der Satz: ohne Technik keiner, oder ohne die Entdeckung der Silberschätze Amerikas keiner. Damit null er zum Ausdruck bringen: eine einzelne Ursache, die den Kapitalismus hervorgernfen hat, gibt es überhaupt nicht, aber unter den verschiedenen Ursachen, die hierzu geführt haben, spielt der Einschlag des jüdischen Elementes in unser Wirtschaftsleben eine bedeutsame Rolle. Spielt er sie heute noch? Hat er sie nicht nur gespielt? Sombart spricht sich im Buch darüber nicht ans. Aber im Borivort sagt er, daß sich allem Anschein nach der Einfluß des Judentums ans das Wirtschaftsleben zu verringern beginne. Das zeige sich nicht nur äußerlich darin, daß in den wichtigen Stellen des Wirtschaftslebens, znm Beispiel in den Direktorialposten oder in den Anssichtsratstellen der größeren Banken, die jüdischen Namen seltener iverden, sondern es mache sich auch eine Znrnckdrängnng des jüdischeu Elementes selbst bemerkbar. Sombart läßt es offen, woher dies komme, ob davon, daß sich die Nichts nden den Anfordernngeu des kapila.istischen Wirtschaftssystems mehr angepaßt haben, oder davon, daß die Juden infolge Besserung ihrer bürgerlichen Stellung oder infolge Abnahuie des religiösen Sinnes einen Teil der ihnen früher eigenen Befähigung eingebüs.t hätten, tlud vor allem davon, daß in; Witschaftsleben inuner mehr der Bnreatlkratismus an die Stelle des Kommerzialismns tritt. Wenn man diestn letzten beiden Gründen das Hauptgenricht zugesteht, so wird man doch nicht leugnen können, daß es den Juden heute eigentlich genau so geht wie den Hanseaten zur Zeit der Königin Elisabeth in England. Als sie wirtschaftlich nicht mehr notwendig waren, als die einheimische Bevölkerung fähig war, all ihre Stelle zu Irrten, drängte sie den „Fremdling" zurück. Daran wird die Zukunft kaum etwas ändern. Bon allem den; ist, wie schon gesagt, im Buche selbst keine Rede. Das Bllch eilthült sich aller Werturteile inld aller Zukunftsprophczeillllgerl, die ja letzten Endes allch irur Werturteile sein können. Insofern ist das Buch in der Tat, rvie seiil Verfasser betont, ein „streng wissenschaftliches" Buch. Das hindert nicht, daß das Buch in zwei Masse»; zerfällt, die voll gänzlich verschiedenartiger Bedeutung sind. 1 Die eine Masse umfaßt den 1. m;d 2. Teil.

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