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KC-Blätter · 1911-05-01 · Heft 8 (1.5.1911) · p. Seite 120

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Journal
KC-Blätter
Volume
1910-1911
Issue
Heft 8 (1.5.1911)
Date
1911-05-01
Page
Seite 120 (sequence 6)
Language
German
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120 Hm mir einen besonders wichtigen Pimli zu nrgieren. die eigentümliche Stellung zum Sexual- Problem, die Nationalisierung des (Geschlechtsverkehrs ist in Judaismus und Puritanismus bis ins kleinste gleich. «S. 202 und 204.) Wie bei Betrachtung der objektiven Eignung der Juden für den Kapitalismus verführt mul) S. bei Betrachtung der subjektiven Eignung sehr bedacht. Das ergibt sich ans der folgenden Aeußerung: (%' ich nun diese allgemein jüdische Eigenart zu bestimmen versuche, muff ich noch einmal ausdrücklich betonen, dast es mir im rliahmen dieser Studien nicht darum zu tun ist, die gesamte jüdische Eigenart zu zeichne«, sondern nur so viel davon, als für die Erklärung der wirtschaftlichen Vorgänge notwendig ist. Dabei freilich kann ich mich nicht in der bisher üblichen Weise damit begnügen, von einem jüdischen „Haudelsgeisle", von einem „Schachergeiste", von einer „Qualifitatiou der Inden zum Daudet" ustv. zu sprechen. Ich sehe ganz davon ab. das; es unsinnig ist. Eigenschaften, wie beispielsweise die Erwerbsgier", als spezifische Eigenschaften einer bestimmten Menschengrnppe Nachweisen zu wollen. Sie sind menschlich iallzumeuschlich). Ich lehne alle bisherigen Analysen der jüdischen Psyche (soweit sie deren Beziehungen zum Wirtschaftsleben betreffen) vielmehr aus folgenden (Gründen ab: 1. ist bis jefft immer zu unbestimmt gelassen, wozu man die jüdische Art geeignet glaubte: „zum Wirtschaften", „zum Handel": das sind ganz vage Bezeichnungen, die gar nichts sagen. Deshalb habe ich in einem besonderen.Napitel schon ausführlich dargelegt, für welchen ganz bestimmten -Ureis wirtschaftlicher Tätigkeit wir die Befähigung der Inden (und somit also jefft: die subjektive Befähigung der Inden) fest stellen möchten: eben für die im Aerns des kapitalistischen Wirtschaftssystems sich ergebenden Strebungen und Tätigungen; 2. sollten wir uns doch klar darüber feirr, daff Umschreibungen keine Erklärungen sind. Wen» ich ttachweiseu tvill, daff die Eigenart einen Menschen ganz besonders zum Börsenspetnlanten befähigt, so kann ich mich doch nicht damit begnügen, daff ich sage: der Mann hat ein hervorragendes Taleilt zum Jobbern. So verfuhr ja bekanntlich Citfcl Brüsig. als er die Arm nt ans der grofferr pnuvreu* ableitete. Aber fast immer verfahren die Beurteiler der jüdischen Wirtschaststalente wie Onkel Brüsig. Was wir vielmehr anssnchen müssen, sind bestimmte Veranlagungen der Seele, die die glückliche Ausübung der kapitalistischen Wirtschaftssunttiouen gewährleisten; sind (srnndznge des (Geistes iiub Charakters, denen bestimmte WeltvorsteUniigen und Iwecksebungen, bestinunte Leistungen und Tätigkeiten. bestimmte Vorstellungs- und Willeuskomplere als Funktionen entsprechen." (S. 4t l und 412.) Diese „bestimmte Veranlagung der Seele" und „Grundzüge des Geistes und Charakters" find nach S. 1. ihre überragende Geistigkeit, die er „Intellektualismus", 2. ihre Zweckbedachtheit, die er „Teleologismus", 3. ihre Zielstrebigkeit, die er „V o l u n 1 a r i s - Witt*" „MmPsttttls" Uttd 4. ihre Beweglichkeit und Anpassungsfähigkeit, die. er „Mvbilismns" nennt. Es find dieselben Eigenschaften, die auch der tüchtige Unternehmer allsiueisen mnst. Daniit ist eigentlich die Aufgabe, die sich S. in seinem Buch gestellt hat, gelöst. Es ist gezeigt, weshalb die Inden jene bedeutsame Bolle gespielt haben und noch spielen, wie sie zu ihren grasten Leistungen teils tmrd) objektive Umstände, teils durch ihre Eigenart befähigt worden sind. Allein S. ist sid) bewusst, dast sich hinter diesen Antworten Jrageu van neuem auftürmen, an denen er nid)t vorüber gehen darf, wenn er nid)t Gefahr lausen will, das; die besten Leser seines Buches dieses „mit dem Gefühl der schmerzenden Unbefriedigtheit" ans der Hand legen sollen. Denn in der Tat muff jeder, der mir bis hierher gefolgt ist, bis zu dem Punkt also, wo ich « ine besondere jüdische Eigenart als die lebte Erllärmig für den groffeu Einflnff angab, den die Inden in unserem Wirtschaftsleben gespielt haben; in der Tat muff jeder jetzt mit dringlichem Eifer fragen: nun, welcher Art ist denn diese indische A r t selb st, woher kommt sie, wohin geht sie f (S. 447.) Somit ergibt sich die Notwendigkeit eines dritten Absd)rlittes des Buches „Wie jüdisdieS Wesen entstand." And) in diesem Abschnitt, der mit einer breiten Erörterung des Basseproblems cinsclst, geht S. methodeologisch äußerst sorgsam vor. Dabei wird ebenso energisch gegen die Milieusnnatiker wie gegen die Bassenfanatiker Jrvnt gemacht. Hierauf stellt C. im Sd)lnßkapitel scitre eigene Theorie ans. Er stellt seinen Ausführungeil folgende These voran: Wollte mau die welthistorische Bedeutung der Juden, insbesondere für das Wirtschaftsleben, mit einem Satze erklären und begründen, so muffte man sagen: l,as ist es. daff ein orientalisches Volt unter B ordlau dsvöl kern verschlagen wurde und mit diesen eine äln ltnrpaa rn ng einging. (3. 404.) Und zwar sind die Hebräer einer jener Beduinenstä mme, die ruhelos iimljcr irrten, die etwa um das Jahr 1200 u. Ehr. raubend und mordernd in das Land Uanaan ein brachen und beschlössehier von ihrem ewigen Wandern auvznrnhen. Das heifft: wenn möglich nichts zu t it it n n d die st a m m e i n fl e f offene Bevölkerung für sich arbeiten zn lassen «das natürliche und selbstverständliche Streben jedes erobernden Volkes!) iS. 40.'..). Und das Bomadentum bleibt den Jlldeli im Lallfe der Jahrhunderte. ..('lenug: wie hoch man auch den Anteil der vorchristlichen Diaspora an der Cyesamtjndenschast veranschlagen möge; darüber kann kein Iweisel obwalten, daff Israel schon über die Erde zerstreut war. e.ls der zweite Tempel siel. Und auch das ist zweifellos, dag das Al ittelaller den Ameisenhaufen nicht zur Ruhe kommen liest, daff Israel rastlos über die Erde zog."

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