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KC-Blätter · 1911-05-01 · Heft 8 (1.5.1911) · p. Seite 118

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Journal
KC-Blätter
Volume
1910-1911
Issue
Heft 8 (1.5.1911)
Date
1911-05-01
Page
Seite 118 (sequence 4)
Language
German
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118 Jnhaltswiebergabe seines Werkes versucht und dann in die Kritik desselben eingetreten werden. I. Sombart's Buch zerfällt in drei Teile. Der erste behandelt den „Anteil der Juden am Aufbau der modernen Volkswirtschaft", der ziveite beschäftigt sich nnt der „Befähigung der Inden zum Kapitalismus", der dritte zeigt „wie jüdisches Wesen entstand". Der 1.' Teil wird durch ein methodologisches Kapitel eingeleitet. Da es naturgemäß von der größten Bedeutung ist, zu wissen, wie Sombart zu seinen Resultaten kommt, sehe ich ein paar entscheidende Sähe hierher. Sombart stellt zunächst den Satz auf, daß uns, um den Anteil festzustellcn, den eine Benölkerungsgruppe an einer bestimmten wirtschaftlicheil Tatsächlichkeit hat, zwei Methoden zur Verfügung stehen: die statistische und die genetische, wie er sie nennt. 1. Mittels der statistischen Methode, wie es der Name ansdrückt, würde man versuchen, die Anzahl der Wirtschaftssnbjekte zu ermitteln, die überhaupt an einer wirtschaftlichen Aktion beteiligt sind, also beispielsweise den Handel mit einer bestinunten Gattung in gegebenen Zeitepochen ins Leben rufen, und daun die Prozentzahl heranszurechneu, die von diesen die Angehörigen der untersuchten Bevölkerungsgruppe ausmachen. (S. 1.) 2. Die genetische Methode. Diese läßt sich etwa, wie folgt, kennzeichnen: Ermittelt! wollen wir vor allem, inwieweit eine Benölkerungsgruppe (Juden) bestinnnend wird (oder geworden ist) für Gang und Richtung, Wesen und Art des modernen Wirtschaftslebens, gleichsam ihre qualitative, oder wie ich es oben nannte, ihre dynamische Bedeutung. Das aber können wir am ehesten, wenn wir untersuchen: ob bestimmte, unser Wirtschaftsleben besonders auszeichnende Züge ihre erste entscheidende Prägung etwa von den Juden erfahren haben: sei es, daß gewisse äußere Gestaltungen standortlicher oder organisatorischer Natur auf ihre Wirksamkeit sich zurückführeu lassen; sei es daß Geschüftsgruudsätze, die sich zu allgemeinen, unser Wirtschaftsleben tragendeil Wirtschaftsmarimen ausgewachsen haben, alls spezifisch jüdischem Geiste geboren find. (SB. 5.) Im Allschluß hierall handelt Sombart davon, ob es möglich sein wird, zu einer richtigell Dimensionierung der Juden am Wirt« schaftsleben zll gelangen. Er ist sich zunächst darüber klar, daß ihr Anteil an demselben zll groß erscheiileil wird, weil alle Erscheinungen unter dem einen Gesichtspunkte betrachtet werden: wie waren die Juden an ihrer Lebendigmachullg beteiligt? (S. 7.) Andererseits wird der Einfluß aber auch teilweise zu klein erscheilwn, weil sich ein großer Teil der Vorgänge, bei denen die Inden eingegriffeu haben, unserer Kenntnis entzieht, weil sich nicht immer feststellen läßt, wo Juden beteiligt waren und wo nicht, weil der Einfluß der getauften Juden nicht in Erscheinung tritt, weil das jüdische Blut, das durch getaufte Juden in christliche Jamilien gelangt, nicht gebucht wird, weil die „Scheinjuden" tso nennt Svnibart z. B. die Marüllen. Ich miirde den Ausdruck „Scheiilchriften" vorziehcn) äußerlich als Christen erscheinen, während sie ihrer Abstanlmllilg nach Inden, waren \u\b weil die Juden bis zum Jahre 1848 häufig im Verborgenen unter Benützung christlicher Strvhmäniler wi.ken mußten, da ihnen das (besetz die Ausübung ihrer Berufe verbot. Die folgenden Kapitel bringen die tatsächliche Schilderung des Anteils der Inden am Aufbau de: modernen Bolkswirtschaft in den letzten drei Jahrhunderten. Zunächst wird gezeigt, wie sie von Bedeutung waren für die Verschiebung des wirtschaftlichen Zentrums seit dem 18. Jahrhundert. S. konnnt dabei zu dein Resultat, daß sich Parallelität zwischen jener Verschiebung und den Wanderuugen der Inden feststellen lassen. Da aber das „I'ost hoc“ noch nicht ein „Lropter hoc“ sein muß, können wir uns voll der Nichtigkeit der Hypothese. daß liier das „I'ost hoc“ auch tatsächlich ein „l'ropter hoc“, nur dadurch überzeugen, nu’iui mir versuche», aus den L. n e l l e u die l'-rünntnis ,;» schöpfe», welche» Anteil die Juden wirtlich u»d u»»l) rl,»fti rt »» dem VI»fluni unserer »wderne» Aollswirtschnst. also »ui inaner geunii im Ansdrruf bleiben: »» der (^ntsaitniig des mudernen lnpilnlz'tischen Wirtschnstssuitems gehabt Huden. <3. "! ) Tein, erit diese Jeststelliing gestattet uns anch ci.1 endgüttiges Urteil in der Irage-. in welchem Ulntangc die Aerschiebnng de-; Wirtschaftsgebietes jüdisch''»! littst ns; Ulpiictireide» ist. <3. -l.i Znsammenfassend tvird sodann dieser Einfluß folgendermaßen charakterisiert: och sehe die Bedeutung der Juden für de» Aufbau u»d Ausbau des mudernen Napitalismtts i» einer mehr üusrerliche» und einer innerlichgeistigen b-ntwirUnnp. Aensterlich habe» sie wesentlich da,',» beigetragen, das; die internatianale» Wirtschastsde,',ieh»»ge» ihr heutiges l^leprüge erhielten. »der anch. das; der inuderne 3taat dieses b-edände des Napitalisums - in der ihm eigenen Weise erstehen lannte. 3ie Huden sudann der kapitalistischen Organisation seldst dadurch eine desvndere J-arm gegeben, das; sie eine ganze 'Hciljc der das maderne lveschäftsleden beherrschenden Einrichtungen ins tteden riefen und au der Ausbildung anderer hervurragenden Anteil nahmen. Innerlich-geistig ist ihre Bedentnng für die Ausbildung kapitalistischen Wesens deshalb so groß, weil sie es recht eigentlich sind, die das Wirtschattüleden mit modernem (leiste durchtränken; weil sie die innerste Idee des Kapitalismus erst zn ihrer vollen Entwirklnng bringen. lS. ’M.)

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