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KC-Blätter · 1911-04-01 · Heft 7 (1.4.1911) · p. Seite 115

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Journal
KC-Blätter
Volume
1910-1911
Issue
Heft 7 (1.4.1911)
Date
1911-04-01
Page
Seite 115 (sequence 17)
Language
German
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115 als er nach dnrchfeierter CorpSkneipe sich von feinem Begleiter verleiten lies;, verschwiegene Gassen Kiels anfzusuchen. Wenige Tage später, als er Gewißheit über seine' ^utuiift hatte, suchte ititb fand er den Tod in den Finten der Ostsee. Wer ist Schuld an dem traurigen Ende? Der Alkohol, der Trinkzwang-der Bierkomment. „Menschenopfer, unerhört!" Popert führt llns die Corpskneipe in allen Einzelheiten vor: in den schwärzesten Farben mit allen nur erdenklichen Erzessen. Ein Sammelsurium von Blödsinnigkeit und Langweiligkeit. Was vereinzelt ans Kommersen Vorkommen mag. hier wird alles, maßlos übertrieben, in die eine Corpskneipe znsammengetragen. Wer verurteilt eine solche unsinnige Sauferei nicht? Weiß der Verfasser aber nicht, daß in sämtlichen studentischen Verbänden gegen die allerdings möglichen lleberschreitnngen im Bierverkehr — wo gibt es keine Exzesse? — energisch Front gemacht wird, daß diese zu den Seltenheiten gehören? Sollen wir das Kind mit dem Bade ansschütten und den Bierkomment. der uns mit seiner naiven, wichtig tuenden lleberhebnng. mit seinen trefflichen Bierspielen so manche lustige Stunde bereitet hat. ans unsere Mitte bannen? Der Bier komment ist für die Ordnung und die Disziplin auf der Kneipe so wichtig wie die Geschäftsordnung bei aller; Beratungen. Soll man ans der Kneipe Disziplinlosigkeiten mit Ordnungsstrafen oder Ausschluß von der K neiptasel ahnden? Mit solchen Maßnahmen wäre die zu einer gemütlichen Kneipe unerläßliche feuchtfröhliche Stimmung bei manchem Kneipgenossen für den Abend vorbei. Deshalb wird im Rainen des Bierkomments für Recht erklärt: „Der Schuldige hat pro poena in die Kanne zu steigen". Das ist der so angeseindete Trinkzwang. Ihm kann aber jeder, dem das Biertrinken kein besonderes Vergnügen bereitet, durch ein angemessenes Benehmen entgehen. Wer aber die Kneipgeseße Übertritt, den trifft des Frevlers Strafgericht. „Mit jedem Schluck Bier nimmt der Für zugleich eine Dosis Disziplin in sich cms." Wer sich gegen diesen Saß anslehnt und dagegen so schweres Geschüß wie in Wr. i> unserer Blätter aufführt, hat für einen treffenden Scherz kein Verständnis. Daß es zur Erreichung einer straffen Disziplin weit wichtigere Maßnahmen gibt, wohin mit in erster Linie der Sport zu rechnen ist. das hat noch niemand bestritten. Aber aus der Kneipe ist das alte Mittel, von dem Präsiden vernünftig angewandt, schon gut und recht. Und wenn trotzdem noch llebergriffe Vorkommen, dann möge eine „Novelle zum Bierkomment" Milderungen schaffen. Aber: Kneipen ohne Bier sind nicht nach dem Geschmacke des deutschen Studenten. Milch oder Selterswasser. Himbeer- oder Citronen-Limonade sind treffliche l^tränke, aber auf der Kneipe werden sie mir eine nüchterne, fröstelnde „Selterswafserstimmung" hervorrnfem Popctt wird daher stummen Ohren predigen, wenn er die deutsche Studentenschaft in den Dienst der Antialkoholbewegung einspannen null. Das ist feine ''Absicht. die uns am Ende des Buches faustdick vorgetrageu wird. ..kline illae lacrimae!“ Harringa wird ein fanatischer Vorkämpfer im Kampfe gegen beit Alkoholismus. Diesen Kampf zu propagieren, ist das Buch geschrieben. J)r. Alfred Alsberg-Cöln. Ayasvera, Roman von Hans von Kahlenberg. Vi ta, deutsches Verlagshaus. Berlin-Charl. Die ganze große Leidensgeschichte des jüdischen Volkes spiegelt sich in Hans von Kahlenbergs „Ahasvern" wieder. Weite Gestalten reihen sich dem endlosen Ing der Verbannten. Gemarterten. Gedemütigten an. Ueberall derselbe Haß, die gleiche feurige oder geekelte Verachtung. Dem Arbeiter legt sie die Roheit ans die .'junge, der Gebildete höhnt oder hält sich in beleidigender Duldsamkeit zurück. Der blöde und tiefeingewnrzelte Haß de; Andersartigen wendet sich gegen eine intelligente, hochstehende und feinnervige blasse. Dieser tiefe allgemeine Schmerz über alle llngerechtigkeit. alle llnduldsamkeit, alle Grausamkeit gießt ein unstillbares Gefühl des Heimwehs in das Herz des Juden und läßt ihn nirgendwo feste Wurzel fassen. Er raubt ihm Stetigkeit und Wurzelfestigkeit. Das zeigt uns Kahlenberg in seinem Buche. Hub gerade die größten löegensäße führt er zusammen. Das Verhängnis zwingt die Grnndherren. den alten Adel. Frauen der fremden Raffe heimznführen. Damit wird das Element der Revolution mitten in die Kerntruppe, das Bleibende. hiilei «getragen. ''Adeline Goldstein, einem reichen jüdischen Hause entstammend, heiratet den altadeligen Grafen Philipp von Rechtern. Die Würde seines Hauses erforderte die Verbindung. Rachdem Straßenraub und Freibeuterei unmöglich geworden, war dies für verarmte Ritter die einzige Manier, wieder in den Besitz von Talersäcken zu gelangen. Die unter solchen Anspicien beschlossene Ehe ist keine glückliche: der Gegenlaß der Rassen trennt die Gatten zu weit. Auch die Geburt zweier Söhne bringt die Entfremdeten einander nicht näher. Die Bturmischung zeitigt ein ganz eigenartiges Ergebnis. -Ulrich,

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