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KC-Blätter · 1911-04-01 · Heft 7 (1.4.1911) · p. Seite 114

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Journal
KC-Blätter
Volume
1910-1911
Issue
Heft 7 (1.4.1911)
Date
1911-04-01
Page
Seite 114 (sequence 16)
Language
German
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114 Wuchers unö WläLtevschau. „Airfinut Karrivga.« Eine Geschichte au$< nuferer Zeit non Hermann Popert fürs deutsche Volk heransgegeben vom Dü r erkunde. (Verlegt bei Alexander Köhler in Dresden) INI. Preis geheftet 1,05 Mark, gebunden 1 rH0 Mark. Härringn! Wer kennte nicht den Helden des Romans. Um den in jüngsten Tagen ein so Heister Kampf entbrannt ist, dem von den einen begeistert zugestimmt, von den andern schärfste Fehde angesagt worden ist? In unser» Blättern (Nr. 6) wurde er gepriesen als „ein herrliches, köstliches Buch, das jeder K. C.er unbedingt lesen müstte, um die Frage zu beantworten, ob die Schilderung der Handhabung des Bierkomments iit diesem Buche falsch oder übertrieben ist und ob ihm beim Lesen nicht Ekel und Scham die Kehle hinanfsteigt ob der Menschenopfer, die da dem Bierkomment verfallen — Menschenopfer, unerhört!" Ein Schauder überkommt einen ob der Entrüstung über die Erbärmlichkeit unseres alt-ehrwürdigen Bierkomments. „Menschenopfer, unerhört!" Und man versteht den Jubel, das; endlich sich eine scharfe Feder gegen das „todbringende" Nebel gefunden hat. Und auf der anderen Seite? Da schreiben die „Akademischen Monatshefte", das Organ der deutschen Corpsstndenten (Heft 82H E. 8N2), „das Buch und seine Tendenz sei in hohem (hrade verwerflich, weil es geradezu dolos und perfide geschrieben sei." So scharfe Worte liest man in den Monatsheften selten. Popert must es den Corps gehörig gesagt haben! Und die Corps reagieren auch in würdiger (!) Weise. In einer verschwiegenen Ecke der Zeitschrift findet man eine Rotiz der Redaktion: „Popert stamme väterlicherseits von Inden ab. llinc illae laerimaeAha! Ein Buch, dem eine solche Beachtung geschenkt wird, verdient eine eingehende Lektüre. Rach wenigen Seiten schon hat man die Empfindung, das; man es mit einem Schriftsteller von großem Können zu tun hat. Eine kräftige, schöne Sprache ist ihm eigen; seine Schilderungen sind spannend geschrieben. Und über dem ganzen Buch ist ein shmpathischer Hauch der Liebe zum deutschen Vaterlande, der Liebe zur engeren Heimat des Helden, dem Friesenlande, gebreitet. Alles Vorzüge, die einem das neue Buch lieb und wert machen. llnd sein Inhalt? In einer bunten Reihe von Bildern führt uns Popert eine große Zahl von Knltnrfragen, die unsere Zeit bewegen, vor Augen. Glicht in lehrhaftem Tone, jedoch mit dem stets fühlbaren Bestreben, bessernd ciuf die Mitwelt einznwirken. So schreibt er über die Alkoholfrage und die mit ihr eng liierte Prostitution, über geschlechtlichcErkrankungenund über Aufklärung derIugend in sexuellen Dingen. Er spricht von dein ärztlichen Berufsgeheimnis, das den gewissenhaften Arzt verurteilt, stummer Zeuge zu sein, wie ein blühendes Weib durch Heirat mit einem in seiner Behandlung gewesenen Wüstling oder einem „armen Kerl, der sich einmal oder zweimal in seinem Leben nicht hat halten können und dann gleich Unglück gehabl hat", rettungslos verloren ist. Er bekämpft die Auswüchse des Duells und den Trinkzwang in den Corps, womit erwohl alle einen» gleichen Branche stöhnenden Korporationen treffen will: er wendet sich gegen Streberei nnd Protektionsunwesen, das so viele Studenten gegen ihren Willen, aber einem Drucke ans dem berechnenden Ellernhanfe folgend, in die Corps treibt. Er schildert die Macht der Presse und die Bedeutung des Kapitals. Er richtet sich gegen die Juristen, die nach Schablonen ihre Falle konstruieren nnd aus den Akten sich ihr Urteil über eine Straftat bilden, anstatt sich in die Seele des Angeklagten zu vertiefen nnd sich selbst in dessen Milien verseht zu denken. Diese Tendenz; ä g e r e i, die mir in ihren Hauptpunkten hier angedentet wurde, ist der Fehler des Romans, an dem er troh seiner vielen Schönheiten scheitert. Mit voller Absicht hat Popert nicht auf sie verzichtet: denn — wie man bei näherem Eindringen bald merkt — gerade auf die Tendenz kam es ihm an. Solange diese sich einer gewissen Zurnckhaltnug befleißigt, mag man sie übersehen oder wenigstens nicht gar zu scharf ankreid/n. Man wird anfangs dem Verfasser oder vielmehr dem ihn verkörpernden Landrichter De. Helmut Harringa — der den ,'stisammenhang in dem stets wechselnden Milien »ermittelt — gerne folgen. Diese prächtige Figur Harringas, dieser grundehrliche Charakter bestrickt den Leser und schafft ein Vertrauensverhältnis zu ihm. Aber plötzlich ändert sich das Charakterbild. Friedrich Harringa, den jüngeren Bruder Helmuts, ereilt das Los jener „Unglücklichen",

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