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KC-Blätter · 1911-04-01 · Heft 7 (1.4.1911) · p. Seite 109

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Journal
KC-Blätter
Volume
1910-1911
Issue
Heft 7 (1.4.1911)
Date
1911-04-01
Page
Seite 109 (sequence 11)
Language
German
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109 furtcv Wunsche würde für Marburg eine schwere wirtschaftliche Schädigung im Gefvlge haben. Die grüßte Zahl der Marburger Universitätsbesucher stamme aus Bezirken, die zu Frankfurt nicht weiter als zu Marburg'liegen. Sa seien nach eitler Statistik über die Zahl und Heimat der in Martmrg imumtrikulierten Studenten 399 aus deui Regierungsbezirk Wiesbaden, ans der Provinz Hessen-Nassau stammten OOS und aus der Rhein prvviuz '272, das seien 940 oder nahezu die Hälfte der über 2(KX) Studentell betragenden Zahl der Besucher der Marburger Universität. Würden aber auch nur 300 bis 500 Studenten der Ulliversitüt Marburg cut zogen, io müßte das scholl als eine bedeutende Schädigung der wirtschaftlicheil Interessen Mar lmrgs enlpfllnden lverdell. beim das wären immerhin 15 Prozellt der jetzt in Marburg immatrikulierten Studenten. Für die Stadt Martmrg sei die Ulliversitüt und ihre Studentell der Lebensnerv. Man würde ihn durchschueideu, weilll man die Stiftungsnniversität in Frankfllrt znließe. Bon den Studenten lebe gewissermaßen ein großer Teil der Eiuwvhnerschaft. Die Stadt Marburg hasse mib erwarte, daß der Staat die Interessen der kleinen Städte nach jeder Richtung hin ivahrnehmen lverde. Komme das Frankfurter Projekt zuftailde. so sei es zrveifellos. daß 15 bis 35 Prozent der gegenwärtigen Besllcher der Marburger Universität künftig von Frankfurt allfgellomnlen würdell. Der isaudtagsabgeordrlete Funk-Frankfurt a. Bl. habe ja selbst im Landtage zugegeben, daß die StiftlNlgslllliversität in Frankfurt der Ulliversitüt Marbllrg doch erheblichell Abbruch in der ersten Zeit bereiten lverde; wenn er dailn weiter gemeint habe, das; der Bevölkerlrugsziuvachs hier sehr schlleü einen Ausgleich schaffen lverde, so müsse in biefem Zusammenhang aber auch anf das Bedenken hingewiesen werden, daß dlirch die Stiftllngsllniversität in Frankfurt wieder weitere Kreise zuul Studium allgereizt werdeil würden. Scholl jetzt gäbe es eine Masse akademisch gebildeter Kreise, die sich in ihren Anstellnngs- und Befoldnngserwartnngen getauscht sähen. dadllrch nur zu leicht anf die schiefe Ebene gerieten mib so zur Gefahr für den Staat würden. Außerdem habe die Sache aber für den Staat noch weitere Konsequenzen. Denn wenn er Frankfurt das Recht gebe, eine Universität zu begründen, föunten auch andere Städte dieses Recht für sich in Anspruch nehmen. Der Redner rief den Kvmmunallandtag znm Schutze der ^andesnniversitüt Marburg an und schloß unter lebhaftem Beifall. DerAbgeordneteIustizrat l>r. Harnier-Kassel wies auf die bedenkliche Ueberfüllung der akademischen Berufe hin und insbesondere darauf, daß die Zahl der Referendare beständig znnehme. Wenn Frankfurt eine Universität bekäme, so iverde damit die Gefahr verstärkten Zuges der Studenten und Dozenten nach der Großstadt vermehrt. ''Allerdings würde Frankfurt den Stndellten das nicht bieten künnerl, was sie in Berlin und München fänden. Ein Bedürfnis für die Universität in Frankfurt könne nicht anerkannt werden. Es handele sich hier nicht um ein ivissenschaftliches, sondern um ein lokales Interesse, das Frankfurt an der Eriichtnng einer Universität habe. Dem Interesse dieser ehrgeizigen Stadt, die sich den Firnis einer Universität leisten wolle, stehe das Interesse der Stadt "Marburg und des ganzen Regierungsbezirks Kassel gegenüber. Er bitte daher, dem Anträge des Vertreters Marburgs znstimmen zu wollen. Der Abgeordnete Bürgermeister und Oberstleutnant a. D. Gärtner Rinteln schloß sich diesen "Ansführullgen unter dem Hinweis darauf an. daß vor mehr als 1<X) Jahren die Universität Rinteln habe eingehen müssen, lveil angeblich ein Bedürfriis für sie nicht vorhanden gewesen sei. Der Antrag der Marburger Abgeordneten wurde darauf einstimmig angellommeli. 2. H e l m st e d t. Die Bürger der Kreisstadt Helmstedt im Herzogtum Braunschweig halten immer .noch die Erinnerung wach all die Zeit, in der ihre Heimatstadt Sit; einer Universität war, die ebenso berühmt war durch den Fleiß und die Sittlamkeit ihrer Studierenden — Tugenden, die in früheren Jahrhunderten bekanntlich viel seltener vorkameu als heute wie durch die Gelehrsamkeit und den Wissenseifer ihrer Professoren. Darum will man die alte Universität wieder errichten. Jetzt haben sich in Helmstedt einige Männer zusammengetan, die die Universität zu neuem M'ben erwecken wollen. Sie richten einen "Aufruf au die Bürgerschaft von Helmstedt und das Braunschweiger t/aud und hoffen auf die Unterstützung der herzoglichen Regierung. Derlin. Seit einigen Monaten besteht in Berlin das Arbeitsamt für jüdische Akademiker. Ein solches Arbeitsamt ist eine Notwendigkeit in einer Zeit, in der im üsfentlichen wie im privaten Dienst die jüdischen Bewerber systematisch znrückgewiesen werden, und selbst die Interessel asigkeit jüdischer Arbeitgeber die jüdischen Bewerber ansschließt oder wenigstens nicht bevorzugt. Der Zweck des Arbeitsamtes ist die Förderung und Bermittelung jeglicher Eristenzmöglichkeir für jüdische Akademiker. Zu diesem Zweck hat das Arbeitsamt in vielen deutschen Städten Bertraneusmünuer gewonnelk, deren "Aufgabe es ist. jeweils die Möglichkeit einer "Niederlassung für Aerzte, Rechtsanwälte ustv. und Bakanzen aller akademischen Ätellungen

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