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KC-Blätter · 1911-03-01 · Heft 6 (1.3.1911) · p. Seite 94

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Journal
KC-Blätter
Volume
1910-1911
Issue
Heft 6 (1.3.1911)
Date
1911-03-01
Page
Seite 94 (sequence 12)
Language
German
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94 beklagen mit» bekämpfen, aber selbst ihre jüdischen Kommilitonen ausschließen und sie dadurch zum Zusammenschluß zu jüdischen Verbindungen zwingen. Der Widerspruch in den sie dadurch geraten, wird noch viel krasser durch die faktische Unmöglichkeit. die Rassenabstammnng immer sestznstellen. Die meisten Verbindungen nehmen daher getaufte Inden ans, die ja doch durch die Taufe ihr Wesen und ihre Rasse nicht abstreifen können: sie machen also — was sie den katholischen Verbindungen zum Vorwurf machen — de facto ein bestimmtes Religionsbekenntnis zur Voraussetzung der Mitgliedschaft. Difficilo est. satirani non scribcre. Gerade in dieser Verquickung mit nationalen Bestrebungen liegt die große Gefahr des Rassenantisemitismus. Indem er die Unterschiede der Begriffe von „Rasse" und „Nation" verwischte, schasste er dem Judenhaß auch in solchen Kreisen Eingang, die ihn sonst weit von sich gewiesen hätten. Man fragte nicht mehr, ob die Inden gute Deutsche seien, sondern sprach ihnen einfach das Recht ab, sich Deutsche zu nennen, weil sie keine „Germanen" ivären. Wer die mittelalterlichen Vorurteile bekämpfte ließ ihnen unter dem neuen Mäntelchen des Rassenantisemitismns bereitwillig freien Lauf und ließ sich gerne als „natürliches Rassenempfinden" suggerieren, was nichts anderes war. als ein Rest des Glaubenshasses des finstersten Mittelalters. Unsere Aufgabe muß eS aber sein, gegen den Rassenantisemitismns mit allen Kräften anzukämpfen gemäß den mutigen Worten Gabriel Rieffers. „Wer mir den Anspruch ans mein deutsches Vaterland bestreitet, der bestreitet mir das Recht auf meine Gedanken, meine Gefühle, auf die Sprache, die ich rede, auf die Luft, die ich atme; darum muß ich mich gegen ihn wehren, wie gegen einen Mörder". Sport oder Alkohol?*) Von Dr. Otto 3 iui 011 lBadeinnc) in Mannheim. Die Artikel von vr. Marnm und lr>. Paul Alsberg haben mir eine ganz außerordentliche Freude bereitet, denn sie beweisen, daß es vorwärts geht, daß sich der Fortschritt gesunder Ideen wohl etwas zurückhalten, aber niemals aufhalten läßt. *) Mit dieser 'Arbeit wird die Diskussion Über dieses Thema geschloffen. (Amn. d. Red.) Vor 5» oder 10 Jahren wären Betrachtungen, wie die Marums entweder als Irrlehren eines studentischen Ketzers betrachtet, oder, was vielleicht noch nimngenehmer ist, als Ansbrnt eines nicht ganz ernst zu nehmenden Schwärmers entsprechend .gewürdigt worden. Heute kann man mit diesen bequemen Mitteln solche Dinge nicht mehr bekämpfen; der Bierkomment ist ernstlich in Gefahr. Zu sciuem Schutze zitiert mein lieber Eon bursch Paul Alsberg all die guten Geister, die Rhein, Neckar und Isar umschweben: als ob die Schönheit dieser Erdenwinkel allein n u r den alkoholisierten Sinnen mitznteilen wäre; als ob sich ihre Reize nicht reiner und reicher dem darbieten, der sie ohne „Freund Alkohol" begrüßt. Gewiß, es kann Stimmungen geben, die uns ein Glas Wein zum Munde zwingen. Goethe, der Straßburger Student, hat vom Allane des Münsters ans die funkelnden Römer der nntergehenden Sonne geweiht und mit dem Rebensäfte des Landes, das weit ansgebreitet unten zu seinen Füßen lag, nach Sesenheim hinunter gegrüßt. Es trinkt sich auch heutzutage noch herrlich an schönen Sommerabenden ans den Hängen der.Hardt, wenn die Lichtbringerin hinter den Bergesketten des Westens verschwindet. Aber T r i n k e n n a ch B e l i e b e n, dem gilt der Kampf nicht; es geht gegen den unsinnigen Trinkzwang, gegen das Trinken ans Kommando, dem sich Verstand, Denken und alle gesunden Sinne widersehen. Vor kurzer Zeit ist ein Buch erschienen „Heltmut Harringa", ein herrliches, köstliches Buch, das jeder K. E.er unbedingt lesen müßte, um die Frage zu beantworten, ob die Schilderung der .Handhabung des Bierkomments in diesem Buche falsch oder übertrieben ist, und ab ihm beim Lesen nicht Ekel und Scham die Kehle heraufsteigt ob der Menschenopfer, die da dem Bierkomment verfallen — Menschenopfer, unerhört! Zur Verteidigung des Bierkommeuts, denn er ist Angeklagter, wird angeführt, er sei ein vorzügliches Erziehungsmittel; wir haben aber unendlich viel bessere und würdigere Erziehungsmittel. d. i. das körperliche Training des Sportes. Sport, jeglicher "Art. zu jeder Jahreszeit; vor allem aber unbedingt Wintersport; das Wunderland des Winters ist nur zu erringen durch Einsehen all unserer Kraft, all unserer Energie und — all'unseres Willens; wenn wir dies aber errungen und die Elfen des Winterwaldes erblickt haben, dann find wir für die Schönheit und Notwendigkeit des Bierkomments völlig verständnislos.

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