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KC-Blätter · 1911-03-01 · Heft 6 (1.3.1911) · p. Seite 93

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Journal
KC-Blätter
Volume
1910-1911
Issue
Heft 6 (1.3.1911)
Date
1911-03-01
Page
Seite 93 (sequence 11)
Language
German
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übertragen werden, die aber erst durch die Kultur erworben und durch die Erzi e l) u u i; e r l) n (t c u werden, aljo a n e r - zöge ne Eigeuti'nnlichkeiten. Bildet nnn auch die Elation vielfach einen geschlossenen Bllitkreis. «wie übrigens oft and) die Bernfsklaffen n>«d Stände innerdald eines Volkes'» so schasst sie doch keine Blutsverwandtschaft von der Dauer und der Intensität, um eiue ueue Basse zu erzeugen. N a s s e n a b st a m m n u g d e ck t s i ch d a li e r keineswegS mituatioualer Zusaiumengehörig keit. Alle unsere heutigen großen Nationen, die deutsche, französische, englische, spanische, italienische, sie setzen sich sämtlich aus heterogenen, ethnischen und anthropologischen Elementen zusammen: keltische, germanische. slavische, ronianische, zum Teil auch arabische und mongolische Volksstämme bilden ihren Unterbau. Dabei zeigt sich, das; die ursprüngliche Blutsverwandtschaft nationale Beziehungen wenig beeinflußt. Finden nur doch trotz engster Blutsverwandtschaft oft starke nationale Gegensätze: der deutsclie Germane hat seine romanisierteu Stammesverivandten Jahrhunderte laug als seine Erbfeinde betrachtet, trotz aller Nassenverwandtschaft haben Engländer und Niederländer jedes natiorrale Band mit ihren deutschen Stammesbrüdern gelöst. D e n n w i rf) t d i e (SS e m e i n s ch a f t des B lutes, s o u d e r u d i e I u t e r e s s e u g e m e i u s ch a f t. »v e l cl) e die Einheitlichkeit der K u t t u r u u d d e s st a a t l i ch e n Z u s a m nt e n s ri) luss e s l» e r v o r g e b r a cl» t l» a b e n , e r ze u g t d e n Willen' zur Nation und schafft 91 atio n e n. Feder Nationalstaat hat daher auch das Streben, alle seine Beivohuer zu einem einheitlichen Kulturkreis zusammenzufasfen und die abseits stehenden Volksteile der herrschenden Sprache znzusühren und ihnen die organisch damit zusammenhängenden Literaturen. Sitten mib Gebräuchen aufzuziviugeu. Alle 9l a t i o - n a l p o l i t i k richtet sich daher auf die Gewinnnng und Assimilierung nationalfremder Be völkerungsgrnppen. DaS ist der Inhalt aller Kümpfe zwischen den Deutschen und Clauen in Oesterreich. Sie erstrebt datier das Gegenteil von der N a s s e u p o l i t i k. ivelche die „9ieinhe.it" der Nasse aufrecht erhalten null, «nicht zu verwechseln mit rasseuhngienischen Bestrebungen). Die Nassenpolitik verlangt strengste Absonderung ttnd^lbsperrung gegenüber rassefremdenElementell. ivährend im Gegenteil die Natioualpolitik die fremden Volksteile au sich zu ziehen mit» ihnen ihre nationale Kultur aufzuprägeu sucht. Die Nasseltpolitik strebt nach Abschließung, die Nationalpolitik nach Ausdehnung. Wo Nast'enpolitik und viationalpolitik sich be gegneu, nlüssen sie daher e i n a n der ent g e g e n - wirken. Das zeigt sich z. B. deutlich in unserer Ostmark. Dort finden mir nebeneinander Nassen- Politik der Antisemiten gegen die Inden und Natioualpolitik aller Deutschen gegen die Polen, ilitb die Folge: Durch die antisemitische ^tassenpolitik wurden die Juden, die stets eifrige und trene Vorküiripfer des Demschtums waren ruid die gerade desivegen auch von den Polen bedrängt wurden, vielfach in ihrer Eristenz verttichtet ttnd zur ^Auswanderung gezwurrgeu. Wo sie früher für das Deutschtum bcu Ausschlag gabeu. hat sich jetzt vielfach durch ihre ^Abwanderung die deutsche Bevölkerung so verringert, das; dis Polen dort die Oberhand gewinnen konnten. Der 9i a s s e u a u 11 s e miti s m it s h a t d a h e r nr i t il a ti o n a l e n B e st r e b n n g e u n i ch t S g e ru e i n. Das zeigt sich auch in den verschiedenen Zielen des Antisemitismus. je nachderu er ^Rassenvorurteile oder nationale Bestrebungen zur Grundlage hat. Der national gesinnte Dreitscl»ke verwirf! daher auch nichts schärfer, als Absonderung mib fordert folgerichtig von den Juden nur: „siesolleuTeutsche werden, sich schlicht und recht als Deutsche fühlen — unbeschadet ihres Glaubens und ihrer alten Erinnerungen, die uns allen ehrwürdig sind." Er fährt dann fort: ..Es wäre sündhaft zu vergessen, das; viele Juden, getaufte wie ungetanste, Felir Mendelsohn. Veit, Niesser u. A. — nm der Gebenden zn geschweigen — deutsche Männer waren im besten Sinne. Männer, in denen wir die edlen und guten Züge deutschen Geistes verehren". Diesen Worten können nur gerade vorn K. C. Standpunkt voll und ganz zustiuunen. Der Fehler Treitschkes war nur, daß er die deutsche Gesinnung dieser Männer als eiue Ausnaluueerfcheinuug betrachtete und daß er gerade durch fein Bündnis nur rasfeuantisentitischen Bestrebungen das Gegenteil von dein förderte, was er erstrebte. Derul die Nassenalttisemiteu wirken nationaler Politik direkt entgegen, indern sie sich gegen die Juden abschließen und dadurch eine Mauer zwischen Deutschen und Deutschen errichten. Sie untergraben so die Eilrheitlichkeit, welche das Ziel ivahrhaft nationaler Politik ist. Nur zu berechtigt war daher die warnende Stimme des Dichters Scheffel, der bei der Weihe der Straßburger Universität dem neugeeinten Deutschland als Wunsch widmete: „Gott bewahrs vor Nassen«,aß. vor Klassenhas; und Massenhaft und derlei Teufelswerken." Den unnationalen Rassenhaß finden wir aber nirgends schärfer ausgeprägt als in den „nationalen" studentischen Korporationen, welche die Absonderung katholischer Studenten

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