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KC-Blätter · 1911-03-01 · Heft 6 (1.3.1911) · p. Seite 88

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Journal
KC-Blätter
Volume
1910-1911
Issue
Heft 6 (1.3.1911)
Date
1911-03-01
Page
Seite 88 (sequence 6)
Language
German
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88 kennen, daß in zahllosen Fällen die Sprache , ebenso wie andere Knlturelementc von! einem Volke auf das andere übertragen wird, ohne R ü ck si ch t auf die phy si sch e Ab stam in u ng. Die Romanisierung germanischer Stännne. die Ausbreitung des Germanentums in slavischeu Ländern sind bekannte Beispiele dafür. „Arier" und 1 „Semiten" kommen daher böchstens als Kultnrgeme in schäften in Betracht, sie sind aber keine Nassen. 4lach den beule herrschenden Theorien stammen z. B. die Ftlden, welche dem semitischen Multurfrm angehörten. zum weitaus größten Teil von Völkern ab, welche den Germanen näher verwandt sind, als den „semitischen" Arabern. Als ein ebenso unzuverlässiges llnterscheidnngsmerkmal der Nassen haben sich aber auch die physischen und anatouischen Eigenschaften erwiesen. Man teilte nämlich die Nassen ein nach Schädelformen und Körpergröße, nach Haut-. Haar- und Angenfarbe. Jede „llrrasse" sollte einen besonderen Typus aufweisen, und an dem Körperbau glaubte man die Rassenzugehörigkeit jedes Menschen feststellen zu können. Wie die Ehemiker durch die Analyse aus der chemischen Verbindung ihre Elemente bestimmt, so glaubte man an den Kürpereigeuschafleir noch die „Urrassen", aus deren Mischung die heutigen Rassen entstanden sein sollen, erkennen zu können. Gewiß, für die Hanpttypen. Neger, Weiße und Mongolen war das wohl möglich. Tenn bei ihnen finden sich bestimmte Körpereigeuschaften, lvelche ihn von jeder anderen Rasse unterscheidet, wenn! auch da noch viele Uebergänge zu Zweifeln! Anlaß geben. Anders bei den europäischen Kullurrassen. Je mehr man bei ihnen die Ausbreitung bestimmter Körpereigenschaften verfolgte. um so mehr zeigte es sich, daß alle Merkmale bei sämtlichen Kulturvölkern Vorkommen. wenn auch bei den einen mehr, bei den andern weniger. Verschiedenheiten der H a u t f a r b e kommen hier überhaupt fast gar nicht mehr in Frage. Ebensowenig kann "eine bestimmte H a a r - färb e als" ein Unterscheidungsmerkmal eines Volkes gelten. So hat die bekannte Schnlenquetc Virchows über die Haarfarbe der Schulkinder das überraschende Resultat erbracht, daß in Preußen 11,23% der jüdischen Schul' kinder blond waren, während auch unter den andersgläubigen Schulkindern nur 81.8°/,, Blonde waren." In Bayern gar standen 10,350/« Blonden unter den jüdischen Schulkindern nur 20,8(>°yo unter den christlichen gegenüber. Dabei zeigt sich ganz allgemein, daß die Pigmentierung in einer bestimmten Beziehung zur geographischen Lage steht; helle Haut-, Haar- und Augenfarbe nehmen nach Süden hin mit einer ausfallenden Stetigkeit ab. sowohl bei Juden, wie bei Nichtjuden. Während die Blonden in Schweden noch 75,3"'« der Bevölkerung ausmachten, finden wir in Preußen — wie erwähnt — nur 31,8".«, in Bayem 20,38%, in der Schweiz nur noch 10,1% und in Sardinien gar nur l".o Blonde. Entsprechend sinkt die Zahl der blonden Fuden non 11,23% in Preußen auf 4.8"/,» in Ftalien und 2% im Kaukasus. Diese Tatsache scheint den lange Zeit so verketzerten Gedanken an den starten Einfluß des Klimas auf die Pigmentverteilung doch als! richtig zu erweisen. Denn die große Znhl j blonder Juden und namentlich ihre ungleiaii mäßige Verteilung in den verschiedenen Län-; dern kann durch die heute übrigens widerlegte! Amoritertheorie Luschans, die sie auf eine Kreuzung mit den angeblich blonden Amoritern in Kanaan zurückführte, ebensorvenig erklärt werden, als durch den Hinweis auf die in der; Diaspora erfolgte Mischung mit den nmwoh-! nenden Völkern, die in erheblicher Weise nur i mit den dunkelhaarigen Völkern derMittelmeer-! länder stattgefunden hat. Ebenso versagen die anderen physischen | Eigenschaften, welche zur Rassenscheidnng der , abendländischen Kulturvölker verwandt wurden. So wird es kaum noch ernstlich bestritten, daß die Körpergröße sehr stark von dem Milien abhängig ist. Insbesondere haben alle Forschungen dargetan, daß bessere Wohn- und Rahrnngsverhältnisse regelmäßig mit einem höheren Wuchs verbunden sind. Selbst die S ch ä d e l f o r m, die man lange Zeit als das bedeutsamste Rassenmerkmal betrachtete, kann nach den neuesten Forschungen dafür nicht mehr in Frage kommen. Es war ja natürlich, daß man der Form des Schädels, der das Gehirn umschließt, besondere Aufmerksamkeit schenkte. Demgemäß teilte man die ganze Menschheit in Langschädel und Breitschädel ein. Man maß das Verhältnis der Breite des Schädels zu seiner Länge und nannte das Resultat den Lüngenbreiteninde; An dem j Schädelinder wollte man nun nicht nur die! Stammeszugehörigkeit, sondern auch die Rassenj begabnng und den Rassencharakter erkennen, lind! da es die Rassenantisemiten nun einmal darauf! abgesehen hatten, die lleberlegenheit der ger l manischen über die jüdische Rasse nachznweisen, i sollte der besonders bei den nordischen | häufige Langschädel das Zeichen der Fntelligeuz, i des Adels der Rasse sein, während man in der Vreitschädeligkeit der Juden einen neuen Beweis ihrer Minderwertigkeit erblickte. Charakteristisch dafür ist der Lobgesang Chamberlains auf den

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