KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1910-1911
- Issue
- Heft 6 (1.3.1911)
- Date
- 1911-03-01
- Page
- Seite 87 (sequence 5)
- Language
- German
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87 Rassenlmtisemitismus. *) Bon .U ö v l y ö iw c u st c i u (yicavtac, iUf)Cuo=3ilc|irte) att'i 'Aachen. Wenn es noch eines Beweises dafür bedürfte, eine wie große Rolle die R a f fe n f r a g e in der modernen' jndenfeindlichen Beivegnng spielt, so brauchte ich nur an ihre Bezeichnung als „Antisemitismus" zu erinnern, die zun» Ausdruck bringt, das; imm die Hilden als Angehörige der „semitischen" Rasse bekämpfen will. Der Rame „Antisenntislnns" ist demgemäß auch erst in den 70er Jahren anfgekommen, nachdem um die Mitte des vorigen Jahrhunderts die Rafsentheorien mehr und mehr Ausnahme gefunden hatten und nachdem man in dem Gegensah von „Ariern" und „Semiteil" die Quelle des Judenhasses gefnilden 511 haben glaubte. Denn man stellte die Rassenuerschiedenheit als die Ursache der Abneigung gegen die Inden hin und iuollte so den Judenhaß durch die Autorität der Wissenschaft decken und ihn zugleich als eine nationale Beioegnng adeln. Dadlirch gelang es den ''Antisemiten, ihrer Beivegnng auch in solchen .Ureisen Gingang zu verschaffen, welche den mittelalterlichen Glaubenshaß ebenso verabscheuten. als die lärmeiide ilud verlogene Hetze des politischen Aiitisemilisiuns. Der Rassenantisemitismns stellt mir eine besondere Richtung der R a sse n t h e 0 r i e il dar. Wie diese, so erblickt auch er in der Rassen - verschiedeliheit der Völker bou lvichtigstell Erklärungsgruud aller geschichtlichen Vorgänge. Wie die theistisrhe Weltaiischauiiilg ben Eutwicklnngsgang der Vien sch heit als das Werk der Vorsehilirg betrachtet, wie die inaterialistische Geschichtsauffassung die ökonviiiischen Verhältnisse in den Mittelpunkt der geschichtlichen Betrachtung stellt und alle historischen Vorgänge als .Ulassenkäiiipfe zu erklären sucht, so wollen die Rassentbevretiker alles durch die blasse erklären. Alle.Rümpfe betrachten sie als Rassenkümpfe, hervorgerufen durch die natürliche Ver schiedenheit und Abneigung der Rassen, ivelche durch unüberwindliche Scheidewände von einander getrennt seien. Die einzelnen Eigenschaften der Rassen, nicht nur die körperlichen sondern auch *) Z"m Studium dieser fvrnge ist zu empfelileu: Herd „Moderne Ausseutheorieu"; .gollschou „I'ao Aasseuprodlem" '1. Ausl. tvtt; „Dos Rassenvorurteil" UX Hi; In dt ..Die Juden als Rasse": Bnfchon ..Menschenkunde" IN!»'.»: d'lnunderlain ..Die t^rnndla^en des XIX. Ialirhnnderts" Aolksansgade: Lazarus „Was heißt national?" 1880: 'Reumann ..Bolk und 'Ration" l^: .Nirchlioff „Was ist national?" 190*2: derselbe ..'stir Aerftändignny über die Begriffe 'Ration und 'Rationalität" 190.7; diese Bücher, sowie die „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" sollten in keiner Berbindttttgsbibliothek fehlen. die geistigen, sollen sich nach den Rassentheoricn von' Generation Zn (Generation fortpflanzen. Daher bleibe die edle Rasse immer edel, die minderwertige immer niedrig. Jeder Fortschritt der Menschheit beruhe ans dem Wirken edler Rassen: das Streben der Völkerpolitik müffe sich daher darauf richten, die edel« Rassen zu fordern, die niedrigen zilrückzudräitgen oder gar zu vernichten. Der Rassenantisemitismns lehrt mm, daß tue Semiten, insbesondere die Juden, eine inferiore. minderwertigeRasse gegenüber denAriern bilden. Hieraus entspringe ein unüberwindlicher Widerwille gegen alles Semitische. Diese instinktive Abneigung wurzele tief in der menschlichen Ratnr und sei berechtigt, weil die niedrigere jüdische Rasse die germanische Kultur bedrohe und weil eine Vermischung beider Rassen den .tiulturwert der germanischen vernichten müsse. Denn während den Inden jede Originalität und schöpferische Rraft fehle, seien alle großen .tt ulturtalen von Germanen hervvrgebracht worden. Eine Nachprüfung dieser Theorien zeigt jedoch bald ihre ivissenschaftliche Haltlosigkeit. Wie stehr es doch schon mit dem (Grundbegriff der „Rasse?" Jeder Rassentheoretiker versteht etwas anderes darunter: aber selbst in dem Wissenszweig. dein der Begriff angehört, tu der Anthropologie, besteht keine Klarheit darüber. Unterschieden z. B. Euvier 2. Blnmenbach ü. andere 7, 12, IK, Hackel 24 Rassen, so wieder andere tnehrere Hundert Äkassen. Diese auffallende Uneinigkeit rührt daher, das; heute noch jede Klarheit darüber fehlt, ivelche Eigenschaften für eine Völkergruppe so charakteristisch, so dauerhaft und'so bedeutsam sind, das; sie als j R a s s e n m e r k m a l e verwandt iverden könnten. Denn bisher hat man noch keilt Rassenmerkmal gefunden, das; eine nur einigermaßen genaue und sichere Einteilung und Abgrenzung unserer a b e n d l ä n d i s rh e »t .U u 1111 r r a s s e n gestattete, ivelche ja allein bei den Lehrelt des Rafsen-! antisentitisilins in Betracht konmten. früher glaubte imm allerdiitgs. in der Sprache einen zuverlässigen Einteilnngsgrund gefunden zit haben. Darauf beruht ja auch die Unterscheidung voit „Ariern" und „Semiten". 'Als mait nävtlich in der ersten Hälfte des vorigelt Jahrhunderts die indoeuropäische Sprachverivandtschaft entdeckte, da glaubte man, daß i alle die Völker, bereit Sprache vont Sanskrit, den man für die CucUc der indoeuropäischen Sprachen hielt, abstamntten, auch von dem Volke abstautNlen müßten, welches sich des Sanskrits bedient hatte und das sich „Arrias" nannte. So schloß mall von der Gemeinschaft der Sprache auf die Gemeinschaft des Blutes. Attf die Dauer konnte man jedoch lticht ver-