KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1910-1911
- Issue
- Heft 5 (1.2.1911)
- Date
- 1911-02-01
- Page
- Seite 79 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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79 eine höhere Aufgabe wartet, als in ehrloser Befehdung und Herhebung. Je wehr die Gedanken der Studentenschaft sich den Vorgängen der politischen Welt znwenden, umso eher wird mich die Strömung ihre Nahrung verlieren.! die zersetzende Parteikämpse. dünkelhafte Verachtung und niederträchtigen Haft als Gegenstand ihrer Betätigung betrachtet, die auch uns den Kampf anfgeznmngen hat. Ich verkenne keinesivegs. das; die prakt i s et, e B e r w i r k l i d, u n g dieser Gedanken, die Frage. in welcher Weise die Verbindung die die politische Erziehung ihrer Mitglieder leiten soll, ein neues und schwieriges Problem ist. Vor allein ivird der einzelne selbst sich mühen müssen, sich in fleiftigem llmsichblicken und Nachsinnen zu bilden und zu fördern. Die Anssprache und der Meinungsaustausch mit den Bundesbrüdern ivird ihm andere Anschauungen bringen und den Blick weiten. Er mnft hinaushvrchen in das Getriebe der Welt, mnft Fühlung stichen zu den verschiedenen Gebens- und Interessenkreisen und seine Urteilsfähigkeit durch Lesen geeigneter Schriften anszngestalten trachtem. Daneben rvird eS aber Aufgabe vor allem der alten Herren sein, durch geeignete Hinweise und Vorträge Anregung und Belehrung zu bringen. Auch der Fnrennnterricht soll die ersten Gedanken geben und das Interesse wecken. Natürlich erfordert diese Erziehungsarbeit feinsten Takt und groftes Geschick. Man wird sich hüten müssen. Parteidogmen zu vertreten und die Politik des Tages von diesem Gesichtspunkte ans zu behandeln. Das könnte für den noch nicht llrteilSrejfen nur Schaden fein. Er soll politische Bildung, aber keine Parteigesinnnng erhalten. Vor allem aber heiftt es. in der studentischen Jugend das Pflichtgefühl politischer Anteilnahme regsam machen, das Friedrich Naumann mit den Worten kennzeichnet: Politik ist kein bloßes Sonntagsvergnügen, sondern eine nationale Arbeit,'von der Leben und Sterben des Volkes abhängt. OierKomment. Von Oe. wert. Pau'l Alsberg (Bndeniae) in Berlin. ES ist naturgemäß, daß diejenigen Akademiker, welche jenseits des UniversitütSlebens im bürgerlichen Berufe stehen, einengroßen Teil ihrer früheren studentischen Begierden und Gepflogenheiten über Bord werfen und die fade, dafür aber zuträgliche Suppe des Philisterinms mit mehr oder weniger großen Zügen schlürfen. So werden sie auch ,n puncto „Alkohol" sich ihrer mlnmehrigen respektablen Philisterwürde stets bewußt bleibend und ihre ehemaligen titanenhaften Dnrsterpansivnen ans ein abgemessenes Quantum znrrckschrauben. Sie werden den Thee schätzen lernen und im übrigen jenen hausbackene,!, schon durch seine anspruchslose Selbstverständlr.chkeit imponierenden Satz: Mens sana in corpore sano über ihre Ha ns tu re fetzet,. Mitunter träumen sie schwere Träume, und ihre Augen füllen «ich dabei mit trocknen -führen. Sie träumen v.m einer rnärchenschönen Bowle in Schivetzingen oder bei Dreesen. von einer magisch-gleißenden Feuerzange hoch oben auf dem Königsstuhl, von einem schwierigen Abstieg vom Nockherberg, von einem verschwiegenen Winkel im Schweidnitzer Keller und haben am nächsten Morgen einen argen Katzenjammer. Dabei denken sie nicht an jenes opulente Abendessen mit den schweren Zigarren — lauter den Studenten unbekannte Dinge —, das ihnen den nächtlichen Alb und das morgentiche Ausstößen verursacht, sondern sie denken nur an ihren „leider" so schlechten Magen und — in gerader Logik — an ihre früheren Alkoholsünden. Und mit Begierde werden sie zum Morgenkaffee den Aussatz unseres l. K. B. Dr. Marnm genießen, der im vorigen Hefte zu lesen stand. — Darüber, glaube ich. wird nur eine Meinung herrschen, daß nur älteren K. E.er verpflichtet sind, etwaigen gehäuften Alkohvlerzessen der jüngeren Geirerationen zu steuern. Doch möchte ich dieses ganze studentische Aierwesen (oder auch Biernuwesen) „ich, von jenem tragischen Gesichtswinkel aufgesaßt sehen, wie l)r. Marnm es tut. Wer- und Fechtschneidigkeit sind von jeher Attribut!' des deutschen Eonlenrstndententnnis gewesen, und wenn wir K. E.er deutsche Couleurstudenten — und nicht etwa wissenschaftliche Vereinter —- sein wollen. so werden wir jener beiden Charakterzüge nicht entraten können. Damit soll natürlich nicht unmäßiger Sauferei oder gar unsinniger Narnscherei das Wort geredet werden. Jedoch soll ausgesprochen sein, daß an dem unversehrten Fortbestände des Bierkomments (— wie auch des Fechtwesens —) nicht gerüttelt werden darf. In diesen beiden Institutionen liegt für das deutsche Eouleurstudententum ein Haupterkennungs-, aber auch -Erziehungsmittel. Daher sind sie für den K. E. im Sinne seiner Gründer und seiner Geschichte eine conditio sine qua non. lieber Zweck oder Unzweck des ganzen Couleurstudententums an . sich mit seinen äußeren und inneren Widersprüchen sich auseinattderzusetzen, ist hier nicht