KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1910-1911
- Issue
- Heft 5 (1.2.1911)
- Date
- 1911-02-01
- Page
- Seite 78 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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78 lilms. den Mauz deutscher Burschenherrlichkeit! Als aber nach Errichtung des einigen Deutschlands die lange große Hoffnung der Studentenschaft erfüllt war und kein Ziel von gleicher Bedeutung die Flammen jugendlicher Begeisterung zu entzünden ini Stande war, da verschwand mit der politischen Regsamkeit der akademischen Jugend auch der ideale Zug im politischen Leben' der Elation. Die Bewegungen und Kämpfe im Bolke wurden zu Streitigkeiten um die Interessen von Berufs- und Standesklassen. Es gebt nicht mehr um die großen Aufgaben des Vaterlandes, sondern um Macht und Einfluß an den Geschäften der Regierung. Mit der Absicht, zuerst seine materiellen Vorteile zu wahren, behandelt man die Fragen des allgemeinen StaatSwohls: niedriger Haß und wirtschaftlicher Eigennutz bestimmen den Ton im Kampfe um politische Grundsätze. In dieser Misere wünscht man, daß das Interesse des Studenten sich wieder mit freudigem Eifer denr Gedanken der Nation zuwende und, wie einst, die Gestaltung der Volksgeschichte als höchste und idealste Aufgabe zu betrachten lehre. Vor allem aber bricht sich heute innerhalb der Studentenschaft der Gedanke Bahn, daß die Universitätsjahre mehr als für Examen und Broterlverb für die Zeit des späteren Lebens innerhalb der Gesellschaft und Wirtschaft des Vaterlandes vorbereiten, daß sie Persönlichkeit und Ueberzengnngcn bilden sollen. Man wird sich weiter hier bewußt, daß in einem Staate, der einem jeden Bürger das Recht gegeben hat. an seineil Aufgaben mitzuarberten, ein jeder auch die Verantwortung tragen muß. die feiner Stellung im Staate zufällt. Und gerade der Student, der nach seiner Bildung und Erziehung dazu berufen ist. später Führer im Volke zit sein, hat die Pflicht, sich für diesen Dienst der Nation zu erziehen. Deshalb soll er sich mit den Fragen des öffentlichen Lebens bekannt machen, die sozialen und wirtschaftlichen Vorgänge zu verstehen suchen und die politischen Forderungen der Zeit kennen lernen. Er soll es als seiner unwürdig ansehen, mit politischen Schlagworten und Phrasen zu wirken, ohne auf Grund der Arbeit eigenen Nachdenkens die Wahrheit erfaßt und sich seine Weltanschauung aufgebant zu haben. Und mehr als die übrige Studentenschaft hat der K. C. Anlaß und Verpflichtung, seine Mitglieder aus der politischen Trägheit, herauszureißen und ihr Interesse - auf die großen Fragen des Staatslebens und die Bewegungen im Volke zu lenken. Die Tendenz des K. C. fordert die Gleichberechtigung des jüdischen Akademikers innerhalb der deutschen Studentenschaft, sie null aber zugleich unsere Burschen zu der Fähigkeit erziehen, diesen Kampf i m b ü r g e r l i ch e n L e b e 11 fort zusetzen und hier die gesellschaftliche ltiib politische Zurücksetzung der Juden bekämpfen. Sv zielt unsere Idee allerdings zunächst nur aus ihre Verwirklichung Mts studentischem Boden. Die Erlangung gleicher Rechte ist uns die Erringung der Aufnahme in die großen Studentenverbände, der Achtling als deutscher akademischer Voll bürger. Aber darüber Hinalls stellt uns das Programm unserer Bestrebllngen schon Aufgaben für das öffentliche Leben. Wir fordern als Sinn t s b ü r g e r u n s e r e volle st a a 1 l i ch e Gl ei ch st ei ln n g. Damit haben nur den Kamps für eine politische Weltanschauung ans unsere Fahne geschrieben. Und lvir sollten uns klar darüber sein, daß der Geist llild die Par!eibewegnng ans der Hochschule abhängig ist von den Gedanken liub Vorgängen im Lande draußen. Erst dann lvird die Studentenschaft unsere Forderungen anerkennen und verwirklichen, wenn wir inner halb des Staates und der G e feil jch a f t unser Recht erlangt haben werden. Die Entwicklung wird durchaus llicht uulgelrhrt gehen. Der Kampf, in dem zu siege» nufere letzte Hossuuug ist. lvird seine Elltscheiduug auf politische,» Bodeu finden. Deshalb sollte der K. E. im besonderen Maße seine Mitglieder für das politische Leben erziehen. Sie ntüsseu mit dem Stolz des Verantwortlichkeitsbewnßt seins erfüllt werden, daß sie auch innerhalb der staatliche»! Gemeinschaft mit einzntreten haben für die Ideale unserer Tendenz. Für diese Zeit sich vorzubereiten, sei ihnen hohe Pflicht. Cie lnüssen sich das Rüstzeug schmieden für die Arbeit, die ihrer harrt, müssen die Feinde und ihre Kampfesart. den Geist ihrer Gedanken und politischen Ideen verstehen, müssen die Macht mittel der Abwehr kenneli lernen. Rur dann werden sie fähig sein, mit vorgebildeter Kraft den Kampf draußen zu führen und Stellung zu nehmen. Es steht viel auf dem Spiele: Ehre und Recht. Wir dürfen aber nicht klagen, daß der Wagen der Politik den Weg in nufer Elend fährt, wenn wir nicht selbst die Schulter ans Rad legen. Und noch ein anderes. In dein Maße, wie wir an der politischen Erziehung unserer eig e n e n Mitglieder arbeiten, müssen wir auch dazu bei' tragen, das Interesse für die politische Bewegung in die Studentenschaft im allgemeinen Zu tragen und ihr hier neue Wege und Ziele zu weisen zur Entfaltung und Betätigung der ihr innewohnenden Kraft und Energie. Der deutsche Student muß erkennen, daß seiner in der inneren Anteilnahme an den Geschicken und der Gestaltung feiner Nation