KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1910-1911
- Issue
- Heft 5 (1.2.1911)
- Date
- 1911-02-01
- Page
- Seite 77 (sequence 11)
- Language
- German
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77 t>ci einer nationalen Gelegenheit! DerUebermut der Bonner Corps kannte zu damaliger Zeit eben keine Grenzen. Ein wenig gedämpft wurde allerdings seine Freude, als er ~ angeblich einem höheren Winke folgend. >— ein schon bei dem Rektorat eingereichtes Gesuch uni Bewilligung eirres Bismarckfackelzuges, den er am folgenden Tage ganz allein veranstalten wollte, znrückziehen mußte. Aus ben welligen Beispielen leuchtet derselbe Geist hervor, der aud) unserer Ausnahme in die V. V. sich mit Erfolg, unterstützt durch die Statuten uub die ziffernmäßige Uebermacht. widersetzen fomite. Hier wie dort ein Kampf mit uilgleichell Wasfell, der lloch dlirch den geschilderten Mangel an Allfrichtigkeit seitells unseres Gegliers einen befvllders unsympathischen Eilidruck erwecken illnßte. llnd null liegt die Frage nahe: „lassen sich die andern Korporationen und Verbände dieses Verhalterl des S. C. gefallend Sehen sie diesem Treiben, der einer kleinen Schar die ihr zustehenden Rechte entziehen und sie so in der Studentenschaft isolieren will, ruhig zu? Die Bealltwortung dieser Frage brillgt einige Lichtblicke iu die leidige Angelegenheit. In derselbeil Sitzullg, in der der Antrag des D. C. nllf Aufnahme der Rhellv-Silesia in die V.-V. abgelehllt wurde, wllrde — wiederum auf Antrag des D. E. — der Beschluß gefaßt, die Satzungen der V. V. uell zu. regeln. Erstrebt wurde dabei die Einführung einer Z weidrittelMehrheit für die Aufnahme voll Korporationell. Ob diese Statutenänderung bereits erfolgt ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Im bejahenden Falle wäre die Lage der Rhena Silesia bedeutend verbessert, da sie ja das vorige Mal schon eine Fweidrittelmehrheit für sich hatte. Aber auch wenn noch drei Viertel der Stimlllen zur Allfllahvle erforderlich sind, muß die Rheno-Silesia die Angelegenheit. die eine Lebensfrage für, sie ist, weiter verfolgell. Nunquam retrorsum! Der Antrag nlllß voll Feit zll Feit lviederkoumieu. unb zivar j so lange, bis er Erfolg hat. Mlur ja ilicht darf Ulan sich von timmen aus dem eigenen langer leiten tassell, die da voll der Gefahr einer neuen „Blamage" reden. Eine Blamage haben wir uns in dieser Sache nicht zugezogen; wir sind ill bem nngleichell Kampfe mit dem übermächtigen S. C. ehrenvoll lmterlegell. Das kanll Ulls nicht entnmtigen. Ermuntern muß uns noch der Unlstmld, > daß die Verhältnisse iu Bonn sich im Laufe der Seuwster noch zu unfern Gunsten geändert haben. Einmal sind eine Anzahl neuer Korporationen in die V.-V. aufgenomlllen worden, wodllrch die Stimmenübermacht deS S. C. sich verkleinerte. Dann aber insbesondere hat die Stetlullg des S. C. infolge der bekannten Ausschreitllngell, die sogar gerichtliche Bestrafungen zur Folge hatten, wohl gelitten. In der Presse ist der Bonner S. E. in letzter Feit so erheblich angegriffen lvorden, daß er in Zukunft ein etwas bescheideneres Dasein führen dürste. Jedenfalls wird er es vermeiden, nochmals in so nnliebsamer Weife die Augen der Oesfentlichkeit auf sich Zll lenken. Die RhenmSilesia wird daher ihr Gesuch bald lviederhvlell müsseu. Wagt Ellch, Ihr Aktiven, nlit frischelu Mut an die Ausgabe heran, an der Eure Vorgänger mit heiligem Eifer gearbeitet haben! Laßt Euch Feit und Arbeit »licht verdrießen; laßt Euch auch durch einen etwaigen neuen Mißerfolg die Lust an den» Kampfe ilicht verleiden? Der Kampf um unser Riecht ist nlühevoll; aber er muß dnrchgefvchten werden, auf daß in nicht zu ferner Feit auch am Rhein der schöne Likaren-Wahlsprnch zu Ehren komlnt: „Recht geht vor Macht." D. E. und Politik. Bon Dr. M a r t in V ernhardt iLicorior) Polen. Die Pol.itisierllng der Studentenschaft bildet in jüngster Feit das Thema, das auf der Tagesordnung öffentlicher Diskussiouell an erster Stelle steht. Sowohl ill den Kreisen des politischen Lebens als ill den Reihen der Studentenschaft selbst wird darum gestritten. Fweifler vlal)nen. man solle die Politik von der stlrdierenden Iugelld fcvnl>alten: sic raube den Schimmer und Zauber studentischerRomantik, störe die llugebulldeuheit des Burschen, der unberührt von dem Zank nnb den Kämpfen der Zeit seine glückliche Freiheit genießen solle dazu verderbe die Beschäftigung mit der Politik ..bekanntlich" den Charakter und halte von wissenschaftlichen Stlldiell ab. Doch vernehmlicher als diese Bedeukeil tönt der Ruf der vielen Anderen, die es als notwendige Pflicht forderll, daß das Illteresse des Stlldenten Anteil llehnle all ben Dillgen des öffentlichen. Lebens. Mail dellkt zllrück au jene Zeit des vorigen Jahrhunderts, als der deutsche Student an der Spitze größter und idealster politischer Bestrebungen des Volkes stand, als die Begeisterung ullserer jungen Akademiker die Kraft gab zur Erfüllung höchster nationaler Wünsche. Und gerade jene Zeit schuf die Blüte des Stlldenten