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KC-Blätter · 1911-02-01 · Heft 5 (1.2.1911) · p. Seite 71

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Journal
KC-Blätter
Volume
1910-1911
Issue
Heft 5 (1.2.1911)
Date
1911-02-01
Page
Seite 71 (sequence 5)
Language
German
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71 Form hat, sondern weil er vorn Stamme der Juden ist. So sollen Männer geschaffen werben, welche sich erheben gegen die "Art, die uns in einen: neuerlichen Worte des Verbaudsorganes des V. D. St. entgegen tritt: „Der V. D. St. hat seine Aufgabe in der Judeufrage erfüllt;; der Ausschluß der Judeu ans den Kreisen der oberen GesellscHastsschichten ist in: Allgemeinen j zur Selbflverstäudlic!) keit geworden." > Wir erheben gegen foldje Art die Frage: | Wer trägt die Schuld, daß i:n 11). Jahrhundert i nnd bis ans unsere Tage das deutsche Judentum gewisse, der herrschenden AuscHauuugs und Empsiudungsnunfe fremde, anscheinend schwer assimilierbare Tupeu ausrveist. deren Mängel man uns alle entgelten lassen null? Wie kommt! es, daß der deutsche Jude noch Hier und da die Zeichen vergangener Knechtschaft trägt und nicht so frei und stolz sein Haupt ergebt wie sein Stammesbruder im Gleiche des britischen Löroeu nnd des Sternenbanners, an den Ufern der Seine und des Tiber und des Bosporus V Es roar der mittelalterliche Glanbensfanatislnns und der sozial-wirtschaftliche Klassenhaß der Böller Mitteleuropas gegen ihre Han dels- und kapitalmächtigen jüdischen Lehrmeister. die unsere Borfahren einst in liefe flacht hinabstürzten. Eine neue Geisteswelt. eine neue Wirtschaftswelt führte in: Beginne des 10. Fahrj Hunderts allenthalben ihre Emanzipation herbei. > Und nun sollten diese Juden. die Jahrhunderte! hindurch geknechtet und verfolgt und ausge-! schlossen waren, sich hineinleber: in die gesellj schastlichen und moralischen Begriffe und die! ästhetischen Cnnpfindnngen der europäischen Welt, von der sie bisher gewaltsam ferngehalten :oaren.! Als das nicht sofort ging, setzte in Deutschland j die Reaktion ein. Es envachte der chauvinistischj ästhetische "AntisenntisnuiS. Ihn: folgte der soziale , Antisenntisiuus znrückgehender Volksschichten. : die von der kapitalistischen, von den Juden; hochgeförderten Wirtschaftsentwicklung bedrängt! wurden. Endlich fanden sich in allen' Eriverbsklassen Individuen, die von den Juden in den! Schatten gestellt wurden, von den Jude»:, die nun: bis zum "Anbruch der treueste:: Feit von allen Erwerbsgelegenheiten auf den GeldHandel beschränkt hatte, deren Erlverbsgeist ein Jahrhunderte altes Schicksal in einseitig rechnerische Entwicklung gedrängt hatte. — So begann die Errichtung des nrodernen deutschen Ghettos: Möglichster "Ausschluß der Juden aus den: öffentlichen und gesellschaftlichen Lebe». Wie reagierten die Juden hierauf? Wir sehen in: Großen die nämlichen Dinge wie zuvor auf den Universitäten. Teils ängstliches Ducken, oft bis zur Taufe gesteigert. Teils wachsender Protest und Organisierung. Zwei Lösungen vor allen: drängten sich dem selbstbewußten Teile der Juden auf: "Annahme des aufgezwuugeruur Knuffes innerhalb des deutsa-en Vaterlandes zur Durchführung der vollen Gleichberechtigung einerseits, zionistische Ideale zur Lösung der gesamten iuterpationaleu Jude»:frage andererseits. Bevor nur — ii: den folgenden Abschnitten — die Stellung des Sl. E. zn diesen beider: Arten entschiedener Stellung»u:h»r:e betrachten, »viederhole»: um*: Der Sl. E. will feine Mitglieder für ihr ganzes Leber: zu entschlosseue»: Kämpfern erziehe»:, die. im Bunde mit alle:: Gleichgesinnten, Akademikern wie Nichtstudierteu, .ckorporierteri »tue "Aichtkorporierten, fiir die jiidische Sache und gege»: ihre Feinde sich erhebe»:. Das dritte der Grundmomeute der Sl. E Tendenz ist das va t er lä ndifch e Bcomenr. „Die \t. E. Verbindungen stehe»: auf dein Bode»» l deutsch-vaterländischer Gesinnung: sie sind sich bewußt, daß die deutschen Jude»: einen durch E Geschichte, Kultur- und Rechtsgerneiuschal't nrtt den: deutsche»: Vaterlande unlöslich verbundenen : Bestandteil bilden." Sie sind sich bewußt, daß : die deutschen Juden durch ihre begeisterte, auf opfernde Teiluahu:e an der Befreiung des deut , scheu Volkes von freurder Bedrückung und nationaler Zersplitterung, durch tiefgehende Teil nahnie an seinen: geistigen u»:d politischen Lebe»: sich das Reckst erworben haben, zur deutschen Nation zu gehören; sie »vissen, daß ihnen dies Recht im Hochgefühl der großen feiten iwx» gesehlich verbiirgt worden ist. Indem der K. E. sich auf diesen Standpunkt stellt, gibt er zu erkennen, daß er die Hoffnung auf eine Losung der deutschen Judeufrage in DeutschlcNld nicht aufgegeben hat. Denn noch ist die strrke "Auhämzlichkeit der deutschen Juden an ihr Vaterland nicht erlösche»:. Mar: hat sie in: gesellschaftlichen u»:d in: öffentlicheil Lebe»: tief gedeinütigt. Eine reaktiorräre Strömung hat au ihrer Liebe zur deutsche»: Nation stark gerüttelt; n:an hat es verschu»äht. den Weg anderer zivilisierter "Rationen zu beschreite»:: Den Weg einer großzügigen Erziehung des erst vor einen: Jahrhundert in die nationale Gesellschaft aufge»:o:i::tte::el: Juden, ei»:er Erziehung, die sich vornehmlich auf dem Wege der Gleichberechtigung vollzieht. Und dennoch gibt der K. E. die Hoffnung »:icht auf, daß eine , bald nahende Zeit den Geist der Humanitas! und Liberias auch in Deutschland zu:» Siege : führen möge über Cha::oiuisn:us und hochmütigen Antochthvnengeist. Wir wollen nicht , vergessen, dnß es vor allen: nruviderruflich zurückj gehende Volksklasse:: und ihre "Anwälte sind. , die, von Haß gegen die Förderer der neuen, großen Entwicklung erfüllt, in nuferen Tagen mit dem Gifte des Judenhasses das deutsche

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