Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1911-02-01 · Heft 5 (1.2.1911) · p. Seite 70

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1910-1911
Issue
Heft 5 (1.2.1911)
Date
1911-02-01
Page
Seite 70 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2268830-2268861-2268867--0097-2269288
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

70 Studenten auf den der neuen Zeit reagieren würden. Teils sehen wir. namentlich in der ersten Depression, schweigende Hinnahme, Ducken und ängstliches Beiseiteschleichen, vielfach gesteigert bis zur formellen Annahme des' christlichen Glaubens. Teils aber seht sich der. jüdische Student zur Wehr. Mit den studentischen Waffen konnte er offener Beschimpfung entgegentreten. Ader nur in oerbandsmäßiger Organisierung war eine scharfe Bekämpfung -des AadananrisemitiSmus und ein stolzes Entgegentreren gegen den gesellschaftlichen Boykott denkbar. 8c> bildeten sich Studentenverbände zur Alnvedr des Antisemitisnms. Und zwar solche paritätisch interkonfessioneller Art llnd solche erklnsiv jüdischer Art. Der ft. E. wählte den exklusiven Zusaminenschluß. Leine <Gründe hierfür waren taktischer. nich t pr i n - zi pi e l t er "Jlotur. Denn gefühls- und erfahrungsgemäß fanden die stlrüuder des ft. (£., das; nur strenge Exklusivität den Charakter einer selbstbennissten ftä ur pfgeu offen schuft. eines Protestverdandes. in aller Schärfe bewahren könne, llnd solange die dentschen Ltndentenoerbände in Fndenfeindschaft verharren, solange wird der ft. E. einem tftichtjuden die Aufnahme nicht gewähret!. Hernach aber hätte die Exklusivität keine Berechtigung mehr. Bis dahin hat es gute Weile. und auch in diesem, heute nur theoretisch denkbaren Falle müsste der ft. C. ftanrelen treffen, das; ein Rückfall in den Antisemitismus von nenettl die Exklusivität des .ft. E. herbeiführe. Auf den; Wege exklusiver smdentischer stlegenorganifiernng also begannen die alten ft. E.er den ftampf. 1 »SS(> in B r e s l a n lBiadrina). in Heidelberg (Badenia). Der Abschluß des ft artell verbau des zwischen den bis dahin entstandellen Berbindnngen fand l.d> statt. Die Zahl der ft. E.-Verbindungen beträgt heute sieben; sis tragen fast alle Couleur. — So war dem jüdischen Studenten wieder (Gelegenheit gegeben, studentisch-romantische stiesnhie ansznleben. Er braucht nicht mehr voll tiefer Erbitterung vor den Toren der judenreinen Verbände zu stehen: „der Weg ins Freie" war gefunden in trotziger Aufnahme des aufgezwnngenen ftampfes, in stolzen; Selbstbewusstsein und in offen zur Schau getragenem Bekenntnis der Zugehörigkeit zum Judentum. Der Höhepunkt dieses' Abwehr- und Trutzgedankens ist die Annahine der unbedingte n S a r i s f a kt i v u. Der K. E.er nimmt die Waffen seiner (Gegner auf, sei eS aus studentischer Neigung zur Waffenübung und Fühnnig. sei es aus der Einsicht, daß die Situation dies erfordert. Das Moment der Abwehr des akadenüschen Antisemitismus ist die wesentliche Grundlage der ft. E.-Tendenz. Und wenn nun darauf hingewiesen wird, daß seit dem Entstehen der ersten ft. E. Verbindung vor nun schon einem Vierteljahrhundert zwar der Radanantisemitisinns nachgelassen, der gesellschaftliche dagegen zngenommen und sich vertieft habe, so antworten wir zunächst, daß nicht der bürgerliche Begriff des Erfolges, sondern daß der Ehrenstandpnnkt unser Tun bestimmt. Unsere Ehre aber erfor dert unser Auftreten, so wie es ist. llnd dann, ans der im "Anfang lediglich zu Prvtestzwecken gedachten Organisation ist im Laufe der Zeit auch ein gewisser Selbstzweck geworden. An seinem Verband liat der ft. E.er ein Etwas gefunden, an dem er für innner mit Liebe hängt. Es sind ihm Gefühlskvinplexe erwachsen, wie sie in den prächtigsten Zeiten deutschen Studentenlebens der Burschenschaftler mit ins Leben getragen haben;nag, gebildet ans der Liebe zu jungem Stndentenleben. zu trotziger, männlicher Betätigung, aus den; Gesnhle Nenansiebens uralten Stammes, der Tradition Zahrtaineude alter Milieus. Wir sind kein reiner Protest verband mehr, sondern der andauernde ftarnpf hat uns zu einer gewissen Lebensgemeinschaft znsammengeschmiedet. Wir sind zur Einsicht gelangt, daß wir sehr gut allein miteinander leben können und niemanden nötig haben. (Es ist der nämliche Vorgang, der in anderen Dafeinsverhältniffen in, ftampfe die Staaten schafft. Dahin führte nns der Weg einer großzügigen, unbekümmerten Stellungnahme und ritterlicher Lebensart trvh Tod und Teufel. 2. llnd der Zusammenhang, den das eng aneinandergedrängte Leben einer Studentenverbindung schafft, soll den ft. E.er auch für sein ganzes ferneres Dasein stärken in; Geiste der ft. E.Tendenz. So enthält die ft. E.-Tendenz an zweiter Stelle das erweiterte Alnvehr-;nv;nent, das Moment der Erziehung zur "Abwehr auch im späteren b ü r g e r l i ch e n Leben. „Der ft. E. will seine Mitglieder zu selbstbewußten Juden erziehen, die jederzeit bereit und in;stande sind, für die politische und gesellschaftliche Gleich berechtignng der Fnden einzntreten." Der ft. E. will den jüdischen Akademiker für den gesmnten Abwehrkampf stählen, er will ihm dazu die nottveudige psychische, sittliche, intellektuelle und auch akadennsch-sportliche llnterlage geben. Er null den Geist erzeugen, der den; Judentum im bürgerlichen Leben die Führer gibt. Er will Männer schaffen,- die für alle Zeiten für ein selbstbewusstes Bekenntnis zum Judentum gewonnen sind. Die vor aller Welt sich erheben gegen die Behandlung, die man uns angedeihen lasten will, daß man einen jeden von uns zurücksetzt und niederdrückt, nicht weil er Fehler des Charakters, der Seele, selbst nur der äußern

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.