KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1910-1911
- Issue
- Heft 4 (1.1.1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2268830-2268861-2268866--0082-2269272- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
00 ein anderer, als der aus der Mitte des 10. Jahrhunderts oder von früher her, aber die .Korporationen sind nur wenig anders geworden. Auf Einzelheiten können nur nicht eingehen; Tatsache bleibt, das; die Korporationen viel von ihrem alten Glanz eingebüstt haben und die jungen, antikorporativen Gegenstrümungeu, die sich die ailgedeutete Bläste derKorporationen zum Ausgangspunkt ihrer Angriffe gemacht haben, gewinnen an Zahl der Anhänger und Eillflilst mehr lmd mehr. Tie ulten .Korporationen besonders aus kleinen Universitäten verspüren hiervon wohl wenig: sie haben ihren ständigen Nachwuchs und stehell auf sicheren Fristen. Unsere jüdischen.Uorporationeil aber sind jung, und wir Juden sind Neulinge aus der Universiät. Was heute von uns studiert, ist wohl kaum je die dritte, verhältnisulästig selten die zweite mrd in der übernüegenden Mehrzahl die erste Geileration von jüdischeil Akadenlikern. Familien, bei dcneil es Tradition lväre, das; die studiereilden Söhne aktiv lverdeil, gibt es naturgemäß feine. Das Material, das uns zur Verfügung steht bringt nicht als eine allererbte oder allerzogeue Selbstverständlichkeit die Idee mit sich aktiv zil werden, sondern es trägt nlanchmal ivohl ehrliche Begeisterung, in beit meisten Fällen aber Skepsis und scharfe iibertriebelle ulid uilgerechte Kritik an dem Korporationswesen nnt auf die Universität. Unsere Aufgabe ist es. diese jungen Leute für uns zu geivillucil und ails ihnen Korporationsstudellteil in unsereln Sinne zu machen. Und wenn wir ailch hoffen dürfen, das; unsere Korporativllell sich weiterhin nliswachseir und entfalten, so dürfen wir doch nie verkennen, das; unsere Aufgabe schwer ist, schwer als Allsgabe einer Korporation Ulid doppelt schwer als die einer jüdischen Kvrporatioll. da sehr viele die Zugehörigkeit zu einer rein jüdischen Korporation mit denr Tragen von Farben alls Motiveil verschmähen, die von der Lauheit bis zur Feigheit aus allen Nlrancen des Nicht-Judcseinwollens sich zusammensetzen. Das sind die Verhältnisse mit denen wir zu rechnen haben; sie diirften nicht zu schwarz gezeichnet sein. Unsere nächste Allfgabe must es sein, in Allbetracht der nuferer harrenden, erlisten Arbeit unfern Unterbau so fest als möglich zu gestalten. Wir biirfeu keinen Schritt tun, bevor wir nicht sicher silld. das; unferc bisherige Position, sicher gegriüldet ist. Dmnit ist es unvereinbar, wenn wir jetzt, wo lloch eillige unserer Vcrbindiulgell mitten im harteil Kampf stehen, eine Neugründung vornehmen wollen, wo imnler es fei. Eine ileue Korporation, das hieße neue Sorgen, ileue Zersplitterung der Kräfte, die zu sainmeln wir so nötig haben. Und weiter müssen wir uils klar werdeil: Jeder Grüllder übernimmt eine Gründerverantwortlichkeit; ein Verband, der eine neue Korporation grülldet, ilberlümmt dieser gegenüber die Verpflichtung, ihr in den Anfangsjahren zur Seite zu stehen, sie zll stützeil und aus den Kinderschuheli herausznführen. bis sie selbst sich bewegen kaiul. Diese Aufgabe können wir heute nicht lösen, denn wir brauchen die Kräfte, die etwa überschüssig ulld überflüssig scheinen, dazu, unr Höherliegendes uub Notigeres zu tun, um au der Festigung unserer bestehenden Korporationen zil arbeiten. So würde jeder Mißerfolg einer neuen Gründung auf uns selbst zurückfallen, wir hätten llicht llur Kraft vergeudet, sondern ailch ilnserem Nuf, wenll llicht gar unserem eigenen Setbstvertrauell geschadet. Das bei allen diesen Allsführungen nur all absolute Neugründuugen. an dem K.E. noch nicht erschlossenen Universitätsstädten gedacht ivar, braucht nicht hervorgehoben zu werdeil. Eille andere Frage ist die. nach Neugründungen an den technischen Hochschulen in Berlin u. München. Hier fallen dadurch, das; bereits eine K. Ii.- Korporatioil oorhaildell ist, viele der letzterwähnten Gründnngssorgen lveg. Indes; ist es mit dem zur Verfügung stehenden Material, wenigstens in München, nicht weit her. wenn mau eille solche Verbindllng, von der Gründungskorona abgesehen, llur aus techllischell und tierärztlichen Hochschüleru sich zllsanlUlellsetzen lassen will. Auch wurden scholl andere Zweifel geällstert, namentlicf) hinsichtlich des guten Einvernehmens und der Nivalität der beibeu Verbindungen. Allein solche scheinen wohl talim berechtigt: stichhaltige Gründe, warum die beibeu Korporationen nicht gut miteinander auskommen sollten, lassen sich llicht altführen uub wenn sich später hier eille gervisse Nivalität eutnncleit, so kann dies nlir ivohltnend wirkell, indeni auf beiden Seiten dadurch größere Anstrengungen hervorgerufen werden. Das; in beiden Verbindungen derselbe Geist herrscht, rväre allerdings zu sorgen; es läßt sich dies aber »licht unschwer dadurch erreichen, das; in den ersten Jahren der älteren Verbindung ein weitgehendes Kontroll- Ulid Mitverwaltungsreait gewährt würde; der Kontakt mürbe dadurch so eng werden das; er nicht mehr leicht verloren ginge. Tie inneren Vorbedingungen wären also llicht ungünstig, immer aber bleibt die Frage, woher die Leute zu nehmen sind. Das and) sie llicht leicht zu lösen ist. habell z. V. die verschiedeueil »licht energielosen, doch mifUungcucu Versuche mit der Berliner Hevellia gezeigt, nub in München liegen die Verhältnisse noch schlvieriger. So werden wir mich hier, ivenn »vir nicht auf ein paar Semester hinaus direkte Garantien für Neueintritte, »licht etwa nur solche von Ange-