KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1910-1911
- Issue
- Heft 4 (1.1.1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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58 im Gegensatz zu moderneil Literaturantisemiten auch innerlich frei gehalten hat voll denl mittelatterlichen Vorurteil des Jtldenhasses. Schulantisrmitismus.'' Von Iritz Aiesenfeld lThnrittgiae.) in Aatilwr. Der Af. C. führt den Afampf gegen den Antisemitismus in der Studentenschaft. Er glaubt hiernlit die Art an die Wurzel des Nebels zu tegell. Voll den Hochschulen giilg der nivdernc Atttisemilisums aus: voll hier nehmen ihn die jungen Männer mit, die cinft — die Blüte der Nation! — an der Spitze ullseres Volkes stehen sollen. Voll deil Hochschulen aber hat sich diese jüngste antisemitische Bewegung weiter tief in das Innere des delitscheil Volkes hinein fortgepflalizt und hat in kurzer Zeit fast alle Stünde ergriffen — Beamtenlind Alans,nannschaft, Akademiker und Handwerker. Neberall hier hat lnan sich erfreulicherweise in jüdischen mib in gerecht denkenden nichtjüdischen Alreisen imKampfe zur Abwehr des Antisemitismus zusammengefllnden. In den letzteil Jahren hat mm die antisemitische Bewegliug auch dies ü n g ftc I ugeild vergiftet uild auf den S ch ll l e n ullseres deutschen Volkes eine — hoffentlich nicht bleibende — Stätte gefunden. Mau sollte and) hier rechtzeitig an energische Abwehr denken. Auch der K. sollte hierbei seine Alräfte zur Versüglulg stellen. Er kann ein stattliches Stück Arbeit leisten, gewissermaßen als Vorpostengefccht für den Kampf gegeti den Antisemitisulns in der Studentenschaft. Denn der Ailtisemitismus, der sich heutzutage in den oberell Allasseil der höheren Schn teil benlerkbar malht, hat lileilles ErachteilS die gleichen Ursachen lind zeigt die gleichen Symptome wie der Hochschulauiisei,litis,uns. Ergeht hier bereits zunr großen Teil voll deil Schülern selbst aus. Immer deutlicher, je älter sie werden. fangen die christlichen Mitschüler zu sondern all. Der intimere Verkehr, der in der; untereil Aklasseil doch oft vorhanden ist, hört auf; die Christen sehen die Inden in ihrer Atlasse mit *) Wir bringen den Anfsab, der eilt interessantes Streiflicht anf das um sich fassende Hebel des atadennschen Antisemitismus wirft, zum Al'drnck. trotzdem die in if)iu geschilderten Verhältnisse auf den Westen nnd Süden Deutschlands erfreulicherweise nicht zntreffen. Arnn. d. iUeb. Geringschätzung und Verachtung an tmd berilüheu sich lnn sie nur dann, rvenn sie deren Hilfe und Uilterstützllug bei ihreil Arbeiten brauchen. Das geschieht ja allerdings ziemlich oft? Genau so aber laufen die feudalsten christlichen Studenten vor ihren Eramina zu den jüdischen Einpaukern, die sie als CSüiumilitoueu nie angesehen hätten. Dann koulinen die geheilnen Schülerver-; büldililgeli, die natürlich ganz uad) Art der Studeutenkorporatiorien sein müssen. Was kann da natürlicher sein, als daß für eine sogeuaililte! anständige Schülerverbinduilg Judeureiuheit ge- : fordert ivird. Es ist das zivar lveiliger bedaner! l ich als charakterislifch : der g e s e l l s ch a s t -! liche Bo l) toll der Inden auf der { S ch n l e!; Was aber viel schlimmer ist als der XMnih | femitismns in diesen geheimen Schülerveri billduugeu, daß ist der fast immer vorhandene! Ausschluß der Juden aus den Sportvereinen. ■ die sich ail dell höheren Schulen besonders in! letzter Zeit immer mehr entwickeln. Denn diese j Ander-, Tennisuild ähnlichen Vereine steheil : meist unter dem Schutze der Schule, unter den, Protektorat der Lehrer. Und was sagen da die christlichen Schüler, genau so wie die christlichen Studenten: der jüdische Schüler sei eben körperlich minderwertig. Darum nu'ire es, abgesehen von all' den anderen Vorzügen sehr erfreulich. wenn die jüdischer, Schüler es sich mehr als bisher angelegen sein ließen, das Gegenteil , zu beweist,,. Es kornineii noch so viele Kleinigkeiten hinzu, in de, eu sich der Antisemitismus der Schule , versteckt ober offen äußert, ganz abzusehen von dem Antisemitismus, der von oben her ge- , mad)t wird. Es wird wohl ein jeder Jude ein I Stückchen von selbsterlebtem Schulantiseulitismus I erzählen können. i Je älter die christlichen Schüler werden und je uiehr sie mit christlichen Studenten zusammenkouunen, um so schlinnner rvird es. Tie christi lichen Studenteukorporationeu arbeiten meist! gut vor, tim sich brauchbares Material für später! zu sichern. Es ist ja selbstverständlich, daß ein! Schüler, der bereits anf der Schule in einen,! jndenreinen Verein gewesen ist und bereits dort! znnr strammen Antisemiten erzogen wurde, wenn i er die Hochschule bezieht, auch nur in eine juden-! reine .Korporation eintritt nnd die geforderte! gehörige Portion Verachtung für seine jüdischen i Äioiunülitonrn mitbringt, j Die jüdischen Schüler aber sollten durch Selbstbewußtsein und Stolz diesem Antesemitistnns entgegentreteu; sie sollten durch ihr ganzes \Huftreten nnd Wesen, wenn auch nicht um die Liebe ihrer christlichen Mitschüler buhlen, so doch ihnen Achtinlg abzwingen! Sit sollten i 1! i 1 i